Die ’schwarzen Tasten‘, The Black Keys, vertonten seit jeher eine ursprünglich für Gitarren verfasste Musik. Insbesondere auf Junior Kimbrough, einen Musiker aus der Mississippi-Region, bezogen sich Dan Auerbach und Pat Carney bereits auf ihrem Debütalbum.

Kimbrough und anderen Ur-Blues-Musiker*innen aus verblassten Zeiten huldigen die Black Keys jetzt auf „Peaches!“, und sogar die Coverversion eines Ike-Turner-Titels rutschte ihnen mit in die Song-Auswahl hinein. Ob man den Mann, der Tina Turner grün und blau prügelte, politisch korrekt nachspielen kann und darf?

Insgesamt verpflichtet sich „Peaches!“ dem Neuinterpretieren, findet dafür aber keine allzu einnehmende Ausdrucksform. Carney und Auerbach taten sich mit Bassist Eric Deaton zusammen, der selbst einst persönlich bei Junior Kimbrough in die Lehre ging und auf „Delta Kream“ schon mitwirkte. Außerdem sitzt mit Kinney Kimbrough ein Sohn jener Legende mal am Schlagzeug.

The Black Keys gedachten außerdem in den 2000ern ihrem für sie einflussreichen Vorbild mit einer EP in Form von sieben Cover-Aufnahmen. „Chulahoma“ heißt sie und war benannt nach einer Kneipe Kimbroughs.

Nachdem The Black Keys mit „Ohio Players“ und „No Rain, No Flowers“ erst jüngst neue Ware ablieferten, stellt sich nun bei diesem sechsten Album in knapp sieben Jahren die Frage, ob er irgend etwas Ungehörtes ausdrücken kann oder eine Stimmung besonders gut darzustellen vermag.

Doch „Peaches!“ wirkt wie ein neuer Eintrag in einer Diskographie, nachdem das Pulver längst verschossen wurde. Die Interpretationen klingen fad. Sie lärmen verhalten, die Riffs wiederholen sich, ein Clou lässt auf sich warten.

Bis auf die psychedelische Umwandlung des Stücks „It’s A Dream“ und das federnde Klavier-Intro zu „Tell Me You Love Me“ hebt sich hier aus der allgemeinen Delta-Eintönigkeit wenig ab.

Diese wird weder mit Texten illustriert, die ein bisschen Lokalkolorit beisteuern würden (sie beschränken sich auf recht trockene Liebes-Lyrik), noch kommen hier besonders prägnante Archiv-Stücke zum Vorschein.

Ein konsequentes Konzept verfolgt das Duo auch nicht, sondern es versetzt das schlaff nachgespielte englische Pub-Rock-Phänomen Dr. Feelgood mit vier Blechbläsern, während sonst rundherum der Südstaaten-Sumpf mit struppigen, reduzierten Arrangements regiert.

An Bord sind die pure Melodienarmut im Song „Nobody But You Baby“, auf sieben Minuten lang gedehnt gut geeignet zu Hypnose-Zwecken. Auch „Tomorrow Night“ ist ebenfalls keine prächtige Werbung für die verstorbene Blues-Legende Junior Kimbrough, dafür wird der Track immerhin mit entschiedenen Säge-Riffs durchgespielt.

Was hat es mit genau mit Kimbrough auf sich? „Pat war nicht wirklich Fan von Blues-Musik, aber eine Sache, die er sofort verstand, war Junior Kimbrough“, erzählte Dan vor Jahren im Interview: „Während langer Autofahrten in unseren Anfangsjahren, als wir selbst im Van am Steuer saßen, spielten wir uns immer gegenseitig Musik vor. Wir hatten verschiedene Geschmäcker.“

Setzt man sich beim Zuhören mit der Oldies-Ausgrabung auseinander, lernt man am Rande etwas dazu, und vielleicht bezwecken The Black Keys genau diesen historischen Aha-Effekt.

Da wäre zum Beispiel der Umstand, dass wohl jeder den Autor Arthur Crudup kennt, zumindest als Verfasser von „That’s All Right Mama“, einem ganz frühen und weltberühmten Elvis-Titel und Teil des Rock and Roll-Urknalls. Vergleichsweise blass hingegen läuft die hier erwählte Crudup-Nummer „Who’s Been Foolin‘ You“ in der Keys-Version durch.

Wer in die Credits des Albums schaut, erfährt noch von Jessie Mae Hemplich. Jene Blues-Vorfahrin kam mit Ende 40 noch um einiges früher als mehrere ihrer hier gecoverten Kollegen in ein Tonstudio. Kurioserweise wurde sie erst über ‚Feldaufnahmen‘, sogenannte Field Recordings zur ethnologisch-wissenschaftlichen Dokumentation und im weiteren Verlauf über ein französisches Jazz-Label in Umlauf gebracht. So obskur ist die längst Verstorbene mittlerweile nicht mehr, denn auch Cat Power hat sie bereits gecovert.

Allgemein fällt auf, dass Blues-Legenden entlang des Mississippi wie Levester Carter oder R. L. Burnside oft erst im gesetzten Alter einen Plattenvertrag bekamen und teils als Straßenmusiker arbeiteten oder sich anderweitig, fachfremd, mit Gelegenheits-Jobs über Wasser hielten. Womöglich war es Dan Auerbach gerade aufgrund dieser Verkanntheit wichtig, den ‚Elders‘ hier noch einmal eine Ehrung zuteil werden zu lassen.

Das Charisma des Vorgängers, auf dem die Keys alten Soul-Juwelen neue Seele einhauchten, spricht aus den recht bodenständigen neuen Blues-Aufnahmen jedoch leider nicht.

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