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Die Apokalypse steht vor der Haustür – Donots im Interview

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Die Donots haben ein deutschsprachiges Album aufgenommen! Nein, stimmt nicht ganz, deshalb lieber nochmal von vorn: Die Donots haben ein tolles deutschsprachiges Album aufgenommen! Oh ja; all die von Angst geplagten Fans der Band können endlich kräftig durchatmen. „Karacho“ ist nämlich ein ziemliches Brett geworden. Sieht das Ober-Donot Ingo Knollmann eigentlich genauso? Oder ist ihm beim Gedanken daran, demnächst mit seiner Muttersprache im Gepäck vor tausenden Neugierigen zu stehen, vielleicht sogar etwas mulmig zumute? Wir verabredeten uns mit dem Sänger zum Gespräch und brachten Licht ins Dunkel.

MusikBlog: Eine deutsche Band bringt ein deutschsprachiges Album raus. Klingt ja erstmal nicht so spannend, oder?

Ingo Knollmann: Da gebe ich dir vollkommen Recht. Völlig unspektakulär. Ich weiß auch nicht, warum die Leute da draußen gerade so am Zeiger drehen. (lacht)

MusikBlog: Vielleicht liegt’s ja daran, dass in eurem Fall, nach nunmehr sechs veröffentlichten englischsprachigen Alben, kaum noch einer mit einem Wechsel in puncto Sprache gerechnet hat. Ihr ja auch nicht so richtig, oder?

Ingo Knollmann: Nein, haben wir nicht; vielleicht sogar noch weniger als unsere Fans. Es gab zwar mal eine Zeit, in der man uns nahelegte, die Sprache zu wechseln, um ein noch größeres Stück vom Kommerz-Kuchen abzubekommen; das ist aber schon ewig her. Eigentlich waren wir damit durch. Manchmal ändern sich die Dinge dann halt und schwupps, sitze ich hier und rede mit dir über das erste Donots-Album in deutscher Sprache. Schon krass, aber auch irgendwie geil.

MusikBlog: Täusche ich mich, oder hast du gerade das Wort „erste“ besonders betont?

Ingo Knollmann: Also wenn es nach mir ginge, würden wir in Zukunft nur noch zweigleisig fahren. Sprich: Von jedem neuen Album wird es sowohl eine deutsche als auch eine englische Version geben. So wie wir es gerade gemacht haben.

MusikBlog: Demnach scheint ihr ja an der Produktion des neuen Albums richtig Spaß gehabt zu haben. Warum mussten erst zwanzig Donots-Jahre ins Land ziehen, ehe euch bewusst wurde, dass es auch deutschsprachig „passt“?

Ingo Knollmann: Eine gute Frage, auf die ich leider keine richtige Antwort geben kann. Ich denke einfach, dass wir uns schon immer eher als internationale Band gesehen haben. Das hat die ganzen Jahre super funktioniert und wird es auch weiterhin. Als wir allerdings im vergangenen Jahr mit Tom McIllrath zusammen im Studio waren und den Jubi-Song „Das Neue Bleibt Beim Alten“ aufgenommen haben, merkten wir, dass die Donots und die deutsche Sprache eigentlich doch ganz gut miteinander können. Naja, und wie das dann manchmal halt so ist, wurde aus dem Funken plötzlich ein Flächenbrand. Irgendwann saß ich dann nächtelang zu Hause und schrieb deutsche Texte. Ich weiß echt nicht, ob ich in meinem ganzen Leben schon jemals so wenig geschlafen habe wie zu der Zeit.

MusikBlog: Wenig Schlaf ist das eine, sich dann aber auch noch die Nächte mit Musik von Pur und Rosenstolz um die Ohren zu schlagen, grenzt fast schon an Folter. Warum hast du dir das angetan? War die Angst vorm Versagen so groß?

Ingo Knollmann: Versagensängste hatte ich eigentlich nicht. Es war nur so, dass mir klar war, dass deutsche Texte hierzulande ganz anders wahrgenommen werden. Die versteht jeder. Da braucht man keinen Google-Translator (lacht). Dementsprechend waren mir die Texte diesmal besonders wichtig. Und ich bin halt auch jemand, der die Meinung vertritt, dass man sich erst einmal klarmachen sollte, was man nicht will. Daher waren die vielen Stunden mit Pur, Rosenstolz und Co. schon ganz hilfreich (lacht).

MusikBlog: Wie ging es dann weiter, als du wusstest, was du nicht willst? Hast du dich dann von Leuten inspirieren lassen, bei denen du der Meinung bist, dass sie es richtig machen? Oder hat dir die Radio-Folter gereicht, um zu wissen, wo du den Hebel ansetzen musst?

Ingo Knollmann: Naja, die Radio-Phase war schon heftig. Danach musste ich einfach ein paar Nächte inmitten meines eigenen Album-Archivs verbringen, um wieder halbwegs klar zu kommen (lacht). Da waren dann Leute wie Thees Uhlmann und Marcus Wiebusch und Bands wie Muff Potter und Slime, die mich glücklicherweise wieder schnell ins Licht führten. Irgendwann hat es dann einfach klick bei mir gemacht.

MusikBlog: Hast du einen Song auf der Platte, bei dem du dich besonders auf die Live-Premiere freust?

Ingo Knollmann: Puh, das ist schwer. Eigentlich nicht. Du?

MusikBlog: Nun, für mich sticht der Song „Ohne Mich“ ziemlich heraus.

Ingo Knollmann: Oh ja, natürlich. Ein schöner Song, vor allem in Anbetracht der aktuellen Geschehnisse bei uns im Lande (lacht).

MusikBlog: Als ich den Song zum ersten Mal gehört habe, dachte ich mir: Den würdet ihr doch bestimmt gerne in sämtliche Pegida-MP3-Player einschleusen…

Ingo Knollmann: (lacht) Ja, das wäre eine geniale Idee.

MusikBlog: Wie fühlt ihr euch, wenn ihr dieser Tage in den Zeitungen blättert?

Ingo Knollmann: Ich bin einfach nur wütend. Wenn ich sehe, wie einfach es scheinbar wieder ist, die politiklose Masse für rechtspopulistischen Scheiß zu mobilisieren, könnte ich kotzen. Aber die Pegida und deren Ableger sind ja nur ein kleiner Teil dessen, was heutzutage beim Blick in die Zeitungen ohnmächtig und sauer macht.

MusikBlog: Wohl wahr. IS, Boko Haram, Ukraine: Es läuft momentan mal wieder ziemlich viel aus dem Ruder.

Ingo Knollmann: Auf jeden Fall. Umso wichtiger ist es, in solchen Zeiten Stellung zu beziehen und den Menschen da draußen klar zu machen, dass die Welt – wenn so weiter gemacht wird – bald echt am Arsch ist. Mir kommt zwar echt die Galle hoch, wenn ich Leute mit „Wir sind das Volk“-Schildern auf den Straßen sehe, andererseits kriege ich natürlich aber auch Angstzustände, wenn ich mir den ganzen fundamentalistischen Islam-Terror vor Augen führe. Ich als bekennender Atheist bin ja mittlerweile nicht mehr nur für die Trennung von Kirche und Staat, sondern für die Trennung von Religion und Planet. Ich glaube, das würde uns allen ganz gut tun.

MusikBlog: Da fällt mir doch sofort euer Song „Das Ende Der Welt Ist Längst Vorbei“ ein.

Ingo Knollmann: Nicht nur dir (lacht). Mit etwas übertriebenem Zynismus steckt da die Grundaussage der aktuellen Welt-Situation drin. Wer heute noch auf die Apokalypse wartet, der rennt blind durchs Leben. Die steht nämlich schon vor der Haustür. Wenn ich darüber nachdenke, fällt mir so viel Scheiß ein, der mir gerade auf den Sack geht, dass mir echt übel wird.

MusikBlog: Lass es raus!

Ingo Knollmann: Alleine die Tatsache, dass ein Typ wie Wladimir Putin eine politische Lobby befehligt, die öffentlich zum Schwulenklatschen aufruft, macht mich irre. Hallo? In was für einer Welt leben wir? Da fragt man sich doch, ob es heutzutage noch Sinn macht, Kinder in die Welt zu setzen. Auf der anderen Seite muss man aber auch dagegenhalten und Kräfte mobilisieren. Und ich habe Hoffnung, kein Witz. Wir haben nämlich gestern den Song „Ohne Mich“ online gestellt. Das Ding ging ab ohne Ende. X-mal geliked und geteilt, was mir zeigt, dass es viele Menschen da draußen gibt, denen es ähnlich geht.

MusikBlog: Ich spüre förmlich, wie du darauf brennst, die neuen Songs endlich live zu präsentieren. Wird aber erstmal nichts draus. Eure März-Tour wurde gerade verschoben, weil sich euer Drummer Eike beim Rodeln verletzt hat. Würdest du dich als einen bekennenden Winter-Hasser bezeichnen?

Ingo Knollmann: (lacht) Absolut! Viel mehr ärgere ich mich momentan aber über Leute, die der Meinung sind, sie könnten sich mit anderen Dingen als ihren Füßen, auf Schnee fortbewegen (lacht). Das war ja nicht das erste Mal. Eike war ja vor gut zehn Jahren schon mal fest davon überzeugt, dass er auch Snowboard fahren kann. Das Ergebnis waren gebrochene Knochen und eine damit verbundene ellenlange Live-Pause. Er kriegt’s aber scheinbar nicht mal mit dem Schlitten richtig hin (lacht).

MusikBlog: Vielleicht solltet ihr ihm ein generelles Schnee-Verbot in den Vertrag schreiben.

Ingo Knollmann: Darüber sollten wir vielleicht wirklich nachdenken. Danke für den Hinweis (lacht).

MusikBlog: Sehr gerne. Zum Abschluss würde mich noch interessieren, wie es musikalisch mit den Donots weitergeht. Nimmt man vor allem die letzten beiden Alben, könnte man meinen, dass ihr für Ungewohntes gerade besonders empfänglich seid. Auf „Karacho“ geht es bisweilen sogar in die Folk-Rock-Richtung. Können sich eure Fans in Zukunft auf noch mehr Experimente freuen?

Ingo Knollmann: Mal sehen. Wir sind auf jeden Fall offener denn je. Es muss aber natürlich auch passen. Vielleicht wird das nächste Album noch direkter und noch politischer. Vielleicht hauen wir aber auch mal ein Polka-Album raus. Who knows? Lasst euch einfach überraschen.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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