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Black Yaya (Credit Annett Bonkowski/MusikBlog)

Meine Stimme reift wie ein guter Tropfen Whiskey – Black Yaya im Interview

Über zehn Alben hat David-Ivar nun schon als Teil seiner Band Herman Dune aufgenommen. Nach all den zahlreichen, musikalischen Abenteuern springt der französische Songwriter und Sänger jetzt auf einen neuen Zug auf, dem er ganz alleine die Richtung vorgibt. Unter seinem Spitznamen Black Yaya und dem gleichnamigen Solo-Debüt wagt er sich aus dem familiären Band-Nest heraus und erfreut sich an der Freiheit, die ihn über den gesamten Schaffensprozess des Albums begleitet hat. Am Nachmittag eines kalten Wintertages in Berlin treffen wir auf einen heiteren David-Ivar, der uns im Laufe des Gesprächs verrät, warum er und die elektronische Musik niemals Freunde werden, er sich bei den Aufnahmen zu „Black Yaya“ wie ein Kind im Studio fühlte und die Stimme ein so wichtiger Teil seiner Songs ist.

MusikBlog: Draussen vor der Tür haben wir gerade festgestellt, dass ich keine Ahnung von Autos habe. Gibt es etwas in deinem Umfeld, dem du zwar neugierig, aber noch unwissend gegenüber stehst?

David-Ivar: Ja, da gibt es tatsächlich etwas. Als ich meine jetzige Freundin vor ungefähr neun Jahren kennenlernte, hatte ich keinen blassen Schimmer von Textildesign. Sie ließ mich ein wenig hinter die Kulissen blicken, denn sie ist Designerin. Dank ihrer Hilfe habe ich so viel neue Eindrücke gewonnen und viele interessante Sachen gelernt.

MusikBlog: Was haben diese neu erworbenen Erkenntnisse hinsichtlich deines eigenen Stils für dich verändert?

David-Ivar: Ich würde von mir behaupten, dass ich auch schon vorher einen ordentlichen Geschmack hatte, was Mode angeht, aber da sie explizit Schuhe designt, habe ich nun viel mehr Ahnung, was alles zu diesem Job dazu gehört. Ich kann nun definitiv erkennen, was einen guten Schuh ausmacht. Wovon ich allerdings bis heute keinerlei Ahnung habe, sind Videospiele. Letztens war ich im Kino und da lief sogar ein Trailer für ein neues Spiel. Ich konnte zuerst nicht einmal sagen, ob es sich um ein Spiel oder einen animierten Film handelt. Schrecklich!

MusikBlog: Was hat dich bisher davon abgehalten, dich näher mit dieser Games-Welt zu beschäftigen? Die Entfernung zur Realität?

David-Ivar: Ehrlich gesagt, ist mir meine Zeit dafür immer zu schade gewesen. Bestünde die Möglichkeit, dass ich tausend Jahre alt werde, würde ich vielleicht einmal einen näheren Blick riskieren. (lacht)

MusikBlog: Bist du in deinem Spezialgebiet, der Musik, schon einmal auf etwas gestoßen, dem du nur widerwillig auf den Grund gehen würdest?

David-Ivar: Ja, da gibt es etwas, das mich musikalisch gesehen absolut nicht reizt. Ich kann mich einfach nicht für elektronische Musik erwärmen. Das war schon immer so. Darum habe ich auch keinerlei Interesse daran, dieses Terrain jemals näher zu erforschen.

MusikBlog: Hast du es denn in der Vergangenheit einmal probiert?

David-Ivar: Ich habe es versucht, aber kann nicht sagen, dass ich es genossen habe. Keine Ahnung, warum ich keinerlei Beziehung dazu aufbauen kann, aber ich mag es einfach nicht, dieser Art von Musik ausgesetzt zu sein. Vielleicht habe ich auch einfach noch nicht die Logik dahinter verstanden. Es fühlt sich ein wenig so an, als ob ich blind gegenüber dieser Musik wäre. Beim Malen kenne ich dieses Gefühl nicht, auch wenn ich da noch längst nicht alles ausprobiert habe. Die Malerei ist, ebenso wie die Musik, schon lange ein Teil meines Lebens, aber ich habe mich noch nicht an die Ölmalerei heran gewagt. Eines Tages werde ich das aber noch in Angriff nehmen. Das ist in meinen Augen wie der Grand-Slam beim Tennis. (lacht)

MusikBlog: Du hältst den Ball also erst einmal flach und tastest dich langsam heran.

David-Ivar: Ich kann gar nicht anders, denn für mich ist die Ölmalerei etwas, das ich nur mit den ganz großen Meistern dieser Kunstform verbinde. Da spielt auch eine Menge Ehrfurcht eine Rolle. Ausserdem ist es gut, immer ein paar Dinge vor sich zu haben, an die man sich Stück für Stück heran tastet.

MusikBlog: Wie zum Beispiel deinen jetzigen Solo-Ausflug als Black Yaya?

David-Ivar: Genau. Ich muss zugeben, dass ich den Schritt als Solo-Künstler tätig zu sein, schon viel zu lange vor mir hergeschoben habe. Als Teil von Herman Dune habe ich es mir lange Zeit sehr in meiner Wohlfühlzone bequem gemacht. Obwohl ich wohl schon seit ungefähr 2005 mit dem Gedanken gespielt habe, etwas ausserhalb des Band-Konzeptes zu machen. Die Songs, die ich ab diesem Zeitpunkt schrieb, fühlten sich nicht mehr passend für Herman Dune an. Innerlich blieb bei mir der Eindruck zurück, dass ich sie in einem anderen Rahmen verwenden müsste. Abgesehen davon wollte ich die Bezeichnung „solo“ auch wortwörtlich nehmen. Deswegen spiele ich alle Instrumente auf „Black Yaya“ selbst.

MusikBlog: Was für eine Form der Befriedigung hat es dir als Künstler verschafft, ganz allein über alle musikalischen Aspekte zu walten?

David-Ivar: Ich habe die Arbeit an dem Album sehr genossen, was das angeht. Es war toll für mich, endlich einmal wieder Schlagzeug auf einem Album zu spielen. Das hatte ich schon ewig nicht mehr gemacht. Zunächst sah mein Plan etwas anders aus, denn ich wollte ursprünglich nur Gitarren und meine Stimme für die Songs verwenden. Und das, obwohl ich ein großer Fan von Ringo Starr bin. Vielleicht hat mich das letztendlich umgestimmt. Wie habe ich bloß annehmen können, ein Album ohne Schlagzeug aufzunehmen?!? Alle anderen Instrumente sind über den Aufnahmeprozess hinweg relativ spontan dazugekommen. Wenn ich Lust auf einen bestimmten Klang hatte, schnappte ich mir ein Instrument und ging meinem Gefühl nach. Es gab vorab keinen groß angelegten Plan, wie die musikalische Umsetzung der Songideen aussehen würde. Da es kein zeitliches Limit für mich gab, konnte ich nach Lust und Laune die verschiedensten Dinge ausprobieren.

MusikBlog: Es klingt, als ob du in dieser Phase vergleichsweise selbstsicher gewesen bist – trotz des fehlenden Schutzes des Bandgefüges um dich herum.

David-Ivar: Das stimmt. Ich hätte all das nicht verwirklichen können, wenn ich von mir als Musiker nicht überzeugt gewesen wäre. Es braucht schon ein gewisses Maß an Selbstvertrauen, wenn man sich als Künstler auf die Bühne stellt oder eben im Studio an Songs arbeitet. Man kann nicht mit der Einstellung an ein Album herangehen, dass man nicht gut genug dafür ist. Seien wir einmal ehrlich, das würde weder den Songs noch deiner Performance gut tun. Das eigene Ego sollte einem zumindest signalisieren, dass man es wert ist, seinen Gefühlen auf diese Weise Ausdruck zu verleihen.

Kleine Unsicherheiten schleichen sich früher oder später ohnehin immer ein. Wichtig ist, dass man als Künstler mutig genug ist, sich nicht davon einnehmen zu lassen. Egal wohin die Reise für einen geht, du musst an deine Vision glauben. Ich habe vor Kurzem eine Ausstellung von Marcel Duchamp gesehen, die mich etwas Wichtiges gelehrt hat. Und zwar, dass man als Kunstschaffender seine eigene Stärke niemals anzweifeln sollte. Darum ist es auch ratsam, seine kreative Kraft nicht bei anderen zu suchen, sondern auf sich selbst zu hören.

MusikBlog: Inwiefern ist dir das bei der Arbeit an deinem Solo-Album gelungen?

David-Ivar: Das ging erstaunlich gut. Vielleicht deswegen, weil ich im Studio wie ein Kind bin, das auch ganz unvoreingenommen mit seiner Umwelt in Berührung kommt. Kinder lassen sich im ersten Moment auch nicht viel reinreden, wenn es darum geht etwas Neues zu entdecken. Mir geht es da ähnlich. Sobald ich im Studio bin, finde ich alles großartig und aufregend. Nur, wenn ich mir dann hinterher alles anhöre, bilden sich Falten in meinem Gesicht. (lacht)

MusikBlog: Gab es dieses Mal auch solche Momente?

David-Ivar: Auf jeden Fall. Vor allem, wenn ich mir meine Stimme anhöre. Vocals sind etwas, das man nur bedingt kontrollieren oder gar verändern kann. Weisst du, da bin ich gerade zufrieden mit einem Take, da lege ich im nächsten Moment eine Ray Charles Platte auf und denke mir: „Verdammt! Das ist ein phänomenaler Sänger!“. Die Stimme ist für mich das wohl wichtigste Instrument auf einem Album, also versuche ich, ihr auch am besten gerecht zu werden und lege extrem viel Wert darauf. Vielleicht ist das auch einer der Hauptgründe, warum ich mich nicht mit elektronischer Musik anfreunden kann. Dort gibt es selten Vocals. Die menschliche Stimme ist ein faszinierendes Instrument. Sie ist so komplex wie kaum etwas anderes in der Musik. Nehmen wir doch einmal Bob Dylan. Es erstaunt mich immer wieder, wie facettenreich und aufrichtig er seine Stimme einsetzt. Und das schon seit so vielen Jahrzehnten! Ich glaube, dass die Stimme das Instrument der Seele ist. Genau aus dem Grund werde ich versuchen, mich auf meinen kommenden Alben immer weiter zu öffnen, was meinen Gesang angeht.

MusikBlog: Welche stimmliche Klangfarbe gefällt dir besonders gut?

David-Ivar: Mir gefallen stets Stimmen, die von einem Gefühl der Aufrichtigkeit geprägt sind. Es mag vielleicht komisch klingen, aber abgesehen davon, fühle ich mich immer zu Stimmen hingezogen, die ein wenig „kaputt“ klingen und nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen, was das akustische Empfinden angeht. Ich interessiere mich nicht so sehr für die technischen Aspekte, wenn es um den Gesang geht. Perfekte, reine Stimmen reizen mich nicht unbedingt. Ich mag es, wenn mir eine Stimme nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern möchte dabei auch all die Kratzer spüren können, die sich auf der emotionalen Ebene des Individuums befinden, das mir einen Song vorträgt. Darin liegt für mich die wahre Schönheit einer Stimme. Sobald ich das Gefühl habe, dass sich jemand hinter seiner Stimme versteckt, kann ich damit meistens nicht viel anfangen.

MusikBlog: Wie gehst du als Sänger mit der Tatsache um, dass sich jede Stimme im Laufe der Zeit geringfügig verändert?

David-Ivar: Ich habe ein wenig Angst davor, wenn ich ehrlich bin. Ich mag meine Stimme so wie sie jetzt ist. Womöglich mache ich mir schon immer viel zu viele Gedanken darüber, denn bei jeder Kleinigkeit habe ich die Horrorvision, dass meine Stimme dadurch beeinträchtigt werden könnte. Sei es zum Beispiel ein Besuch beim Zahnarzt oder eine Erkältung. Ich hatte eine Zeit lang ständig Beschwerden, was meine Nase und die Atemwege anging, aber habe ich ewig geweigert, wirklich etwas dagegen zu unternehmen, weil ich Angst davor hatte, welche Auswirkung das auf meine Stimme haben könnte. Ziemlich verrückt.

MusikBlog: Wie pflegst du deine Stimme, wenn du so auf ihr Wohl bedacht bist?

David-Ivar: Mit Whiskey! Das funktioniert immer. Meine Stimme reift wie ein guter Tropfen Whiskey. (lacht)

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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