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White Fence – Live in der Kantine am Berghain, Berlin

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Ein Gefühl von Dankbarkeit machte sich schon im Vorfeld des Berliner White Fence Konzertes breit, denn mal ehrlich – den Rock’n’Roll sucht so manch einer schon länger vergeblich im winterlichen Einheitsgrau mit sporadischem Schneeflochen-Matsch-Topping. Auch wenn der Hauptstadt-Puls regelmäßig und unerbittlich für jegliche elektronische Genre-Ausflüge schlägt, so wird es dem geneigten Gitarren-Liebhaber schwer gemacht bei der Auswahl der passenden Abendveranstaltung.

Abhilfe schaffte da unlängst der Amerikaner Tim Presley, der sich unermüdlich seit Jahren unter dem Namen White Fence dem rauen Garage Rock mit Psychedelic-Keule verschreibt. Zimperlich geht er dabei auf auf seinem letzten Album „For The Recently Found Innocent“ weder mit seiner Gitarre, noch mit der Erwartungshaltung seines Publikums um. Rotzig knallt er diesem Song um Song vor die Füße, die stets darum bemüht scheinen die wilden Taktwechsel zu koordinieren oder sich bissig in den Boden zu graben, damit der Oberkörper beim Schütteln der Haare nicht allzu sehr ins Wanken gerät.

Das Berliner Gastspiel in der Berghain Kantine gehört laut dem Tourplan zu einer der vorläufig letzten Shows dieser Tour und wurde mit einem rappelvollen Haus belohnt. Zwar übte sich das Publikum über weite Strecken im Anti-Enthusiasmus und verweilte bis auf einzelne Ausnahmen in einer Art Schockstarre, Presley und seine Bandkollegen kümmerte das aber wenig. Wie aus der Zeit gefallen und mit hochkonzentrierten Gesichtern ähnelten die Musiker einer Horde Kunstschaffender, deren Abkapselung von dem vor ihnen liegenden Raum Mittel zum Zweck für ihre trance-ähnlichen Songs war.

Presley versuchte sich immerhin wenige Male in der Interaktion mit dem Publikum, blieb aber während seines aufmüpfigen und störrischen Spiels auf seiner Gitarre größtenteils in seinem abgeschirmten mentalen Bereich, der es ihm erlaubte, sich völlig auf seinem Instrument auszutoben und dabei immer noch lässig eine Zigarette nach der anderen zwischen den aktiven Fingern zu balancieren. Oder wahlweise einen Geigenbogen, der zwischenzeitlich über die ohnehin gereizten Saiten schabte und mit jedem Kontakt zwangsweise ein paar Fasern lassen musste.

Musikalisch war bereits nach wenigen Minuten klar, dass die Band nicht angereist war, um im Weichspülmodus den Tag ausklingen zu lassen. Auch wenn so manch abwesendes Fan-Gesicht eine Sound-Berieselung vorgezogen hätte, hatten White Fence da ohne Frage andere Pläne und probten lieber den Aufstand. Und das teilweise so unerbittlich, dass die Titel in einem waren Klang-Inferno weit über die zeitliche Norm eines Rock-Songs hinausgingen. Wem das nicht zusagte, der durfte dabei auch gerne einmal ausgiebig die Rückenansicht von Presley studieren, die er den Fans mitunter „cool as fuck“ entgegenstreckte.

Die spontan nach jedem Song unter den Musikern ausgemachte Setlist bot nur wenig Material, das sich nicht dem explosiven Charakter der meisten Stücke anschloss. Wie so oft bei Rock-Shows dieser Art kam der Gesang allerdings auch erst in ruhigeren Momenten überhaupt zur Geltung. Die meiste Zeit über waberten die Lyrics in einem Sog aus Unverständlichkeit an die Ohren der Zuschauer. Die allgemeine In-Your-Face-Haltung der Texte wurde durch den Sound-Brei in Sachen Artikulation höchstens noch verstärkt.

Das obligatorische Zugaben-Set spuckte noch zwei weitere Songs aus, in denen Presley seine Gitarre nach allen Regeln der Kunst bearbeitete. Akkurat fast schon auf Schulterhöhe eingeklemmt, wirkte diese teilweise wie mit seinem Rumpf verwachsen und wurde durchgängig von ihm in die Mangel genommen. Für die Show in Berlin bedeutet das eine bisweilen hohe Intensität mit stark gespanntem Spannungsbogen, bei der der unschuldige weisse Sicherheitszaun auf musikalischer Ebene einige Male von Bandseite aus niedergerissen wurde. Mit glücklichem Ende für alle Beteiligten.

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