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Bloß nicht klingen, wie man es erwartet – San Cisco im Interview

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San Cisco sind älter geworden. Und das bedeutet nicht nur, dass die drei männlichen Mitglieder der Band aus Australien nun Bart tragen, sondern vor allem, dass auf ihrem zweiten Album „Gracetown“ dem jugendlichen Übermut häufiger auch nachdenklichere, reifere Momente gegenüberstehen. Aber keine Angst, eingängige und schmissige Indiepop-Hits wie „Awkward“ oder „Fred Astaire“, die sofort das Tanzbein zucken lassen, gibt’s mit „Run“ oder „Too Much Time Together“  natürlich auch wieder. Wir sprachen mit San Cisco über Kindheitserinnerungen, Heimweh sowie den veränderten Sound und Reifungsprozess der Band.

MusikBlog: Ihr habt euer Album nach einem kleinen Küstenort in West Australien benannt, in dem Scarlett und Jordi früher ihre Familienurlaube verbrachten. Welche Gefühle verbindet ihr mit Gracetown?

Jordi Davieson: Glück!

Scarlett Stevens: Genau, fröhliche und unbeschwerte Momente.

Jordi Davieson: Ich habe viele sehr positive Erinnerungen an diesen Ort, die sehr weit zurückreichen.

Scarlett Stevens: Es gibt sogar ein Foto von uns beiden dort, auf dem du noch Windeln trägst.

MusikBlog: Und steht das Haus auf dem Cover des Albums wirklich irgendwo in Gracetown?

Scarlett Stevens: Ja, das ist das Haus eines alten Freundes unserer Familie, in dem wir früher viele schöne Tage verbrachten. Allerdings sieht es nicht so aus wie auf dem Cover. Wir haben die Farben und kleine Details verändert.

Jordi Davieson: Es ist nicht rosa!

MusikBlog: Aber gerade diese knalligen Farben und der Pop-Art-Style sind sehr ansprechend. Habt ihr das Bild selbst überarbeitet?

Scarlett Stevens: Nein, ein Künstler und Surfer aus Perth hat das gemalt. Sein Name ist Peter Matulich. Er zeichnet mit Farbstiften auf Holz, aber es ist einfach unglaublich, wie er dennoch diese satten Farben kreiert. Keine Ahnung, wie er das macht, aber seine Bilder wirken sehr farbenfroh und ausdrucksstark.

Josh Biondillo: Wir sahen seine Bilder in einem Café in unserer Heimatstadt Fremantle. Die haben uns sofort gefallen und deshalb baten wir ihn, eine Zeichnung von dem Haus in Gracetown zu erstellen.

Scarlett Stevens: Toll ist auch, dass Peter selbst eine Verbindung zu Gracetown hat. Er verbrachte dort ebenfalls als Kind und Jugendlicher viel Zeit, ging dort surfen. Es ergibt also im Nachhinein viel Sinn, dass er das Artwork entwarf, weil er vermutlich ähnliche Erinnerungen und Gefühle mit dem Ort verbindet.

MusikBlog: Im Song „Snow“ auf eurem neuen Album singt ihr ja von Heimweh auf Tour. Hat dieses Heimweh auch die Wahl des Albumtitels und Artworks beeinflusst?

Scarlett Stevens: Unbewusst vielleicht. Wir waren wirklich viel unterwegs und lange von zuhause fort. Das ist natürlich auch anstrengend.

Josh Biondillo: Außerdem steht Gracetown irgendwie für Urlaub und Erholung. Für unbeschwerte Familienurlaube. Das ist ein angenehmer Gegenpol zum Tourleben.

MusikBlog: Euer Debütalbum erschien ja vor mehr als zwei Jahren. Wann habt ihr begonnen, Songs für den Nachfolger zu schreiben?

Josh Biondillo: Als unsere erste Platte erschien, waren wir sehr motiviert, sofort weiter zuschreiben und zu arbeiten. Aber dann waren wir viel auf Tour, verbrachten den großen Teil der Zeit im Van und so konnten wir höchstens mal ein wenig auf dem iPad rumexperimentieren. Als wir die Tour schließlich beendet hatten, habe ich in meinem Hinterhof ein kleines Studio mit dem Equipment eingerichtet, das ich auf der ganzen Welt gesammelt habe. Da haben wir erstmals wirklich begonnen, an den neuen Songs zu arbeiten. Aber dann gab es einige Schwierigkeiten, weil wir mit der Software nicht gut zurechtkamen und auch sonst feststeckten. Deshalb sind wir mit diesen noch sehr frühen Demos zu unserem Freund Steven Schram gegangen, mit dem wir auch schon in der Vergangenheit aufgenommen haben. Er ist beinahe so etwas wie das fünfte Mitglied von San Cisco. Er weiß genau, wie wir klingen wollen, und konnte uns daher weiterhelfen.

MusikBlog: Hingen diese Schwierigkeiten auch damit zusammen, dass ihr nun nach einem erfolgreichen Debüt größeren Erfolgsdruck von außen gespürt habt?

Josh Biondillo: Nicht wirklich, nein. Beim ersten Album war es so, dass wir Songs aufgenommen haben, die teilweise schon relativ alt waren und die wir bereits seit Jahren spielten. Dieses Mal mussten wir komplett neues Material erarbeiten. Was aber auch angenehm war, weil es natürlich ermüdend ist, so lange immer dieselben Songs zu spielen.

Scarlett Stevens: Der Prozess hat sich so in die Länge gezogen, weil wir auch viel ausprobierten, nach dem Trial-and-Error-Prinzip agierten.

MusikBlog: Diese Experimentierfreude hört man ja besonders in der zweiten Hälfte von „Gracetown“ mit Songs wie „Jealousy“ mit diesen elektronischen Sounds und den orientalischen Einflüssen oder dem anmutigen „Mistakes“.

Josh Biondillo: Dieser vielfältige Sound hängt damit zusammen, dass wir im Vergleich zum Debütalbum mehr Technologie und Software zur Verfügung hatten und besser damit umgehen können. „Jealousy“ entstand zum Beispiel komplett mit GarageBand. Bass, Schlagzeug und so weiter hab ich mit meinem iPad programmiert.

Jordi Davieson: Ich hab diesen Loop dann genommen, darüber gesungen und so die Melodie entwickelt. Der Gesang auf dem Album entstand tatsächlich auch beim ersten Take. Es ist also fast eine Art Freestyle.

Scarlett Stevens: „Mistakes“ war ursprünglich eine Klavierballade, die Jodi geschrieben hat. Dann haben wir mit Sounds rumgespielt, Schlagzeug und Stimmen verfremdet, Delays benutzt.

Jordi Davieson: Um ehrlich zu sein, war der Song in seiner ursprünglichen Form etwas eintönig. Deshalb all die Experimente. Er klang sehr klassisch, genauso, wie du es von einer Band erwarten würdest. Wir wollten aber etwas Überraschendes und bloß nicht so klingen, wie man es erwartet.

MusikBlog: Und wie kam es dazu, dass Isabella Manfredi von The Preatures auf „Jealousy“ zu hören ist?

Scarlett Stevens: Ursprünglich sang ich diese Strophe, fühlte mich damit aber nicht richtig wohl. Also haben wir es versuchsweise Izzi geschickt, sie war begeistert und hat die Strophe in Sydney eingesungen.

MusikBlog: Ein anderer Song, der heraussticht, ist „Skool“, weil er mit diesem LoFi-Homerecording-Sound beginnt und im Gegensatz zu den übrigen Songs einen Folk-Vibe hat. Wie kam es dazu?

Jordi Davieson: Ich habe den Song im Badezimmer des Studios mit meinem iPhone aufgenommen…

Scarlett Stevens: Auf dem Klo!

Jordi Davieson: Ok, auf dem Klo. Ich bin dorthin geflüchtet, weil gerade alle am Rad drehten. Mir gefiel auch der Hall in diesem Raum. Ich hab den Song eingespielt, bin zurück ins Studio, hab dort mit Pro Tools daran gearbeitet, aber die ursprüngliche Version vom iPhone drin gelassen. Daher hört man immer wieder diese LoFi-Momente.

MusikBlog: Viele Songs basieren außerdem auf sehr groovenden Beats, die an Funk und vor allem den Disco-Sound der 70er erinnern. Habt ihr während des Schreibprozesses alte Funk- oder Disco-Nummern gehört?

Josh Biondillo: Ja, wir haben einige Disco-Sachen gehört. Vor allem die letzte Daft-Punk-Platte hat es uns angetan.

Jordi Davieson: Und Nile Rodgers.

Josh Biondillo: Stimmt, aber ansonsten gibt es kaum Referenzen, weil wir in dieser Zeit nicht so viel Musik anderer Künstler gehört haben. Der Groove hängt wohl auch mit diesem alten Drumcomputer zusammen, den ich gekauft habe – ein Roland TR-707.

MusikBlog: Vor allem klingt ihr auf „Gracetown“ aber reifer und erwachsener als zuvor, die Musik ist weniger übermütig und dafür durchdachter und auch die Texte wirken ausgefeilter. Nehmt ihr das selbst auch so wahr?

Jordi Davieson: Es wäre doch schräg, wenn wir weniger erwachsen klängen. Natürlich werden wir älter, natürlich klingen wir erwachsener. Seit unserem letzten Album ist viel passiert, wir waren viel auf Tour, haben viel gelernt, das spiegelt sich nun in der Musik wider. Wir versuchen aber nicht, weniger jugendlich zu klingen, das ist eher ein natürlicher Prozess. Bei unserem ersten Album waren wir noch ziemlich naiv und unerfahren und wussten nicht immer, was wir da taten. Bei „Gracetown“ wussten wir dagegen genau, was wir wollten und wie wir es umsetzen können. Wir haben die Songs zum größten Teil selbst aufgenommen, hatten viel mehr Kontrolle. Unser Produzent hatte eher eine überwachende und organisierende Rolle und erklärte uns, was gut und was schlecht war. Naja, eigentlich hat er sich nur gemeldet, wenn etwas Mist war. (lacht)

MusikBlog: Inhaltlich dreht sich ja meist alles um die Liebe und um zwischenmenschliche Beziehungen. Woher nehmt ihr die Inspiration für solche Texte?

Jordi Davieson: Die Geschichten basieren alle auf wahren Begebenheiten, beschreiben die Beziehungen guter Freunde. Ich bin nicht gut darin, mir Geschichten auszudenken, daher lasse ich mich von meinem Umfeld inspirieren.

Scarlett Stevens: Unsere Texte funktionieren nur, wenn wir auch einen Bezug dazu haben, uns hineinversetzen können.

MusikBlog: Diese Geschichten über Beziehungen bieten sich bei euch ja auch deshalb an, weil ihr mit weiblichem und männlichem Gesang arbeitet und so stets beide Seiten der Geschichte erzählen könnt.

Scarlett Stevens: Genau, wir versuchen immer zwei Perspektiven zu haben. Jodi schreibt seinen Part und dann suche ich einen anderen Blickwinkel, einen anderen Zugang zur Geschichte.

MusikBlog: „Gracetown“ klingt nicht wie eine Ansammlung von zwölf Hits, sondern folgt einer klaren Dramaturgie. Zunächst zwei treibende Songs, die die Aufmerksamkeit des Hörers erregen, dann folgen die ruhigeren Stücke und in der eklektischen zweiten Hälfte streckt ihr die Fühler in verschiedene Richtungen aus. Habt ihr euch vorab überlegt, mit welcher Struktur ihr den Hörer am besten bei der Stange haltet?

Jordi Davieson: Absolut, das war uns ungemein wichtig.

Scarlett Stevens: Die Menschen haben heute leider nur eine sehr sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne. Deshalb muss man sich bemühen, sofort ihre Aufmerksamkeit zu kriegen und dann auch zu halten. Die schnellen, catchy Songs zu Beginn sollen sozusagen als einfacher Einstieg in das Album dienen.

MusikBlog: Habt ihr diese eher traditionellen San-Cisco-Songs auch an den Anfang gestellt, um eure Hörer nicht mit den experimentelleren Stücken zu verschrecken?

Josh Biondillo: Nicht wirklich, es funktioniert so einfach besser.

Scarlett Stevens: In Zeiten, in denen Leute hauptsächlich Songs hören und kaum noch Alben, muss man sich was einfallen lassen. Am Ende des Albums hätten die schnellen Nummern wohl nicht so gezündet.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview!

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