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Musik ist zu einem Füllmittel verkommen – Mini Mansions im Interview

Heute hier, morgen da: Der Terminkalender von Queens Of The Stone Age-Basser Michael Shuman platzt dieser Tage aus allen Nähten. Aber warum eigentlich? Gönnen sich die Queens nicht gerade eine Pause? Ja, tun sie. Mister Shuman ist aber bekanntlich nicht nur für die Bassläufe der Queens Of The Stone Age verantwortlich, sondern auch Frontmann einer Band namens Mini Mansions. Und dieses Kollektiv hält den Amerikaner derzeit ganz schön auf Trapp. Neben ausgiebigen Support-Reisen im Schlepptau von Bands wie Royal Blood, Tame Impala und Morning Jacket, steht nämlich auch noch die Veröffentlichung ihres neuen Albums “The Great Pretenders” an. Kein Wunder also, dass es einer gewissen Hartnäckigkeit bedurfte, um Michael Shuman zum Interview zu bekommen. Wir blieben aber natürlich am Ball. Und zwar so lange, bis es endlich klappte.

MusikBlog: Hi Michael, Du bist gerade mit deiner Band Mini Mansions auf Tour; als Support für die britischen Durchstarter Royal Blood. Wie läuft’s denn so?

Michael Shuman: Die Tour läuft großartig. Wir haben alle viel Spaß und verstehen uns prächtig. Ich freue mich schon auf die nächsten Dates mit den Jungs im Mai. Dann machen wir mit Mike und Ben unser Heimatland unsicher. Das wird bestimmt genauso lustig.

MusikBlog: Als Mitglied der Queens Of The Stone Age bist du es ja gewohnt, in größeren Hallen als Headliner aufzutreten. Wie fühlt sich so eine Reise zurück zur Basis für dich an?

Michael Shuman: Es ist eine komplett andere Welt. (lacht) Bei den Queens läuft natürlich alles viel professioneller ab. Es wird einem nahezu alles abgenommen. Im Grunde muss man nur vom Hotel aus in den Bus steigen, zur Halle fahren, sein Instrument entgegennehmen und auf die Bühne marschieren. Bei den Mini Mansions muss ich mich um die meisten Dinge selber kümmern. Wir hieven unsere Backline noch selber auf die Bühne und sind auch sonst in alles involviert. Wenn ich mit den Mini Mansions unterwegs bin, fühle ich mich immer wie ein Greenhorn, das alles um sich herum aufsaugt, als wäre es das erste Mal. Das ist ein tolles Gefühl. Ich mag das.

MusikBlog: Klingt nach einer perfekten Wie-komme-ich-als-etablierter-Rockstar-wieder-auf-den-Boden-zurück-Therapie.

Michael Shuman: (lacht) Ja, absolut. Wobei ich mich jetzt nicht gerade als jemanden beschreiben würde, der aufgrund seines musikalischen Erfolgs zum Abheben neigt. Ich bin eigentlich ein ganz normaler Typ ohne große Allüren. Ich würde auch bei den Queens die Backline mit auf die Bühne schleppen. Damit hätte ich kein Problem. Ich darf nur nicht. (lacht)

MusikBlog: So ein Tour-Leben unter dem Support-Banner hat aber bestimmt auch seine Schattenseiten, oder?

Michael Shuman: Eigentlich nicht. Obwohl…das Catering vielleicht. (lacht)

MusikBlog: Wie sieht’s mit dem Publikum aus? Ich kann mir vorstellen, dass Fans, die auf eher kantige Klänge à la Royal Blood stehen, nicht gerade vor Freude ausflippen, wenn sie mit einer Support-Band konfrontiert werden, die sich eher am Synthie-lastigen Pop der Achtziger orientiert.

Michael Shuman: Ja, da ist was dran. (lacht) Manchmal ist es wirklich ein bisschen schwierig, die Leute auf seine Seite zu ziehen. Wir wurden bisher aber noch nie von der Bühne gepfiffen. Das ist ein gutes Zeichen, denke ich. Wir machen ja auch keinen Allerwelts-Pop.

MusikBlog: Nicht wirklich. Eure Songs wecken vielmehr Erinnerungen an Zeiten, in denen Pop-Musik noch organisch klang.

Michael Shuman: So in etwa. Freut mich, dass du das so siehst.

MusikBlog: Ich bin nicht der einzige, der das so empfindet.

Michael Shuman: Ich weiß. Aber es reicht leider immer noch nicht, um dem ganzen debilen Müll, der sich momentan mit Pop-Federn schmückt, kommerziell Paroli zu bieten.

MusikBlog: Das wurmt dich, oder?

Michael Shuman: Naja, nicht, dass du mich falsch verstehst. Hier geht es nicht um Neid. Mir ist Geld nicht wichtig. Es geht einfach nur darum, dass kommerziell erfolgreiche Musik nunmal dafür sorgt, dass kommerziell nicht so erfolgreiche Musik nur schwer einen Weg in Richtung Masse findet. Das ist eigentlich auch völlig ok so. Problematisch wird es nur, wenn kommerziell erfolgreiche Musik scheiße klingt, kein Leben besitzt und sich ausschließlich über eine aufgeplusterte und überproduzierte Oberfläche definiert. Wenn dadurch Musik der Öffentlichkeit vorenthalten wird, die Seele und Leidenschaft besitzt, dann wurmt es mich. Und zwar so richtig. Dieser ganze austauschbare Schotter, der heutzutage die Charts bestimmt, ist das Produkt einer immer wieder angewandten, gleichbleibenden Formel. Es geht nicht mehr um Tiefe, um Botschaften oder um Kunst. Es geht nur noch um das schnelle Geld.

MusikBlog: Wer hat Schuld?

Michael Shuman: Ich glaube, dass sich da jeder, der auch nur ansatzweise mit Musik zu tun hat, an die Nase fassen muss.

MusikBlog: Auch die Konsumenten?

Michael Shuman: Natürlich.

MusikBlog: Was schlägst du vor?

Michael Shuman: Jeder, der auf aktuell kommerziell erfolgreiche Pop-Musik steht, sollte sich einfach mal fragen, warum dem so ist. Viele werden dann schnell feststellen, dass Musik zu einem Füllmittel verkommen ist. Der Alltag ist hektisch. Jeder steht unter Druck. Die Gesellschaft rast durchs Leben wie ein D-Zug. So bleibt nur wenig Zeit für Musik. Das Ergebnis: Was nicht sofort ins Ohr geht, landet auf dem Müll. Die Menschen sollten sich grundsätzlich wieder mehr Zeit nehmen für die schönen Dinge im Leben, auch wenn’s schwer fällt. Musik sollte nicht nur nebenbei gehört werden. Es gibt so viele Songs und Alben, die sich erst nach mehreren Durchläufen so richtig entfalten. Dann knallen sie aber richtig und stecken all die Plastik-Produktionen spielend leicht in die Tasche.

MusikBlog: Wohl wahr. Wie viele Durchläufe sollte man denn hinsichtlich eures neuen Albums “The Great Pretenders” einplanen, um zum Innersten des Albums vorzudringen?

Michael Shuman: (lacht) Das ist schwer zu beantworten. Je öfter man das Album hört, desto mehr bekommt man geboten. Wobei die Oberfläche auch schon große Spuren hinterlässt, wie ich finde. (lacht)

MusikBlog: Mit Alex Turner von den Arctic Monkeys und der Beach Boys-Legende Brian Wilson geben sich zudem noch zwei Top-Leute die Ehre. Ein Grund mehr, dem Album eine Chance zu geben?

Michael Shuman: Definitiv. Der Rest kann sich aber auch hören lassen. Es ist halt Pop-Musik, so wie wir sie uns vorstellen: Urban, organisch, mit einem Band-Vibe versehen und aus Leidenschaft entstanden.

MusikBlog: Ergo: Kaufen!

Michael Shuman: Ja. (lacht)

MusikBlog: Zum Abschluss noch eine Frage zum Thema Queens Of The Stone Age. Wann dürfen Fans mit Studio-Neuigkeiten rechnen?

Michael Shuman: Das wird noch etwas dauern. Mehr kann ich dazu im Moment nicht sagen.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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