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Sufjan Stevens – Carrie And Lowell

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„Fuck me, I’m falling apart.“ Es sind nur eine handvoll Worte. Dennoch sind sie so bezeichnend für das Seelenleben des Sufjan Stevens, der auf seinem neuen Studioalbum „Carrie & Lowell“ einiges an emotionaler Aufarbeitung leistet. Er flüstert diese Feststellung einsichtig und angstvoll zugleich im Song „No Shade In The Shadow Of The Cross“ und lässt damit gegen Ende des Albums jegliche Schutzhülle um sich herum fallen. Zum Kern seiner selbst vorgedrungen, dessen Mantel wahrlich mit Rissen übersät ist, ist dieses Bekenntnis jedoch kein Klagelied, sondern ein Ausdruck der unbeschönigten Realität. Ein Zustand, den Stevens auf insgesamt elf Songs zugleich ambitioniert, intim und rührend ergründet.

Kürzlich verkündete er in Bezug auf das neueste Werk aus seiner Feder: „This is not my art project, this is my life“. Und mit dieser Äusserung streift er eine weitere Schutzschicht von sich ab, die ihm auf seinem eingeschlagenen Weg wie Ballast erscheint. Jedenfalls, wenn es darum geht, dem autobiographischen Inhalt der Songs und der damit verbundenen Schwere mit der höchstmöglichen Aufrichtigkeit und Direktheit zu begegnen. Die verarbeiteten Themen auf „Carrie & Lowell“ bieten keinen Platz für diffuse Zwischenwelten, in denen sich Stevens als Songwriter und immer wiederkehrendes Ich hinter irgendeiner Form der Schemenhaftigkeit verstecken kann.

Zu tief gräbt er in seinem Inneren nach Kindheitserinnerungen, blutet vor den Augen und Ohren seiner Zuhörer und begibt sich auf die Suche des Sinns inmitten all der emotionalen Komplexität, die ihm permanent entgegenschlägt. Er weicht ihr bewusst nicht aus. Lange Zeit verschloss er seine Gedanken, doch mit dem Tod seiner Mutter Carrie gelang es Stevens das Ventil zu öffnen. Dies beschert uns nun eine Reihe von Songs, in denen er das zeitlebens zerrüttete Verhältnis zu seiner Mutter feinfühlig, aber unverhohlen skizziert, um es greifbarer zu machen. Die darin zum Ausdruck gebrachte Sehnsucht nach familiärer Nähe spiegelt sich unweigerlich in den zarten, schlichten Arrangements wider.

Dominierte auf „The Age Of Adz“ noch ein opulentes Klangbild inklusive elektronischer Experimente und der Wunsch diesen Entdeckungsdrang auch musikalisch zu entsprechen, ist von alldem auf „Carrie & Lowell“ nichts mehr übrig geblieben. Stevens zelebriert stattdessen die Abkehr von jeglichem Pomp, verlässt sich allein auf ein minimalistisch gehaltenes Instrumentarium aus Akustikgitarre, Piano, Orgel, Synthesizer und Alltagsgeräuschen und nähert sich wieder seinen Folk-Wurzeln an. Verbannt hat er diese zwar nie ganz, doch gerieten sie zugunsten lauterer, bunterer Stimmungsbilder zuletzt in den Hintergrund.

Für die unmittelbare Erforschung seiner Vergangenheit, die von Gefühlen wie Einsamkeit, Trauer, Verzweiflung, aber auch Liebe, Glaube und Schönheit geprägt ist, lässt er jegliche musikalische, aber auch verbale Verzierungen aussen vor. Für das Nachzeichnen der entstandenen Narben dient dem in Detroit geborenen Singer-Songwriter eine überschaubare Sammlung an klanglichen Helfern. Selbst die Präsenz der auf dem Album in Erscheinung tretenden Begleitmusiker ist eher angedeutet. Passend zur Stimme Stevens, die teilweise geisterhaft schön, aber niemals bedeutungslos den Raum füllt und schon einmal vom einer summenden Klimaanlage untermalt wird. Die entstandene Fragilität eingefangen im Falsett-Gesang voller Offenbarungen.

Die Aufnahmeorte New York, Oklahoma, Wisconsin oder auch Oregon boten Stevens während der Entstehung der Songs die nötige Obhut, in der er nicht nur in sich gehen konnte, sondern auch den Mut fand den Blick sorgsam auf sich und sein unmittelbares Umfeld zu richten. Mit dem Ergebnis, dass „Carrie & Lowell“ zu einer Erfahrung wird, bei der Schmerz und Zuversicht stets nahe beieinander liegen. Trotz der offensichtlich persönlichen Note gewährt Stevens dem Hörer den nötigen Assoziationsfreiraum sich den von ihm aufgeworfenen Bildern und der damit verbundenen Gefühlswelt aufs Innigste zu nähern. Die entstehende Umarmung auf klanglicher Ebene beweist, dass Sufjan Stevens nach wie vor zu einem der signifikantesten Songwriter seiner Generation gehört.

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