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Wir reden nicht gerne um den heißen Brei herum – Young Fathers im Interview

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Die drei Briten Alloysious Massaquoi, Kayus Bankole und ‚G‘ Hastings alias Young Fathers sind schon lange keine unbeschriebenen Blätter mehr, als sie im Oktober 2014 den renommierten Mercury Prize-Award entgegennehmen. Und dennoch hat an jenem Abend keiner der Anwesenden das Trio so richtig auf dem Schirm. Bei der Konkurrenz aber auch kein Wunder. Damon Albarn, Royal Blood und FKA Twigs: Auf dem roten Teppich tummelten sich so manche Hochkaräter. Am Ende des Abends standen aber die drei jungen Elektro-Alternative-Hip Hopper aus dem schottischen Edinburgh im Rampenlicht. Ein knappes halbes Jahr später setzen die jungen Väter bereits ein weiteres Karriere-Ausrufezeichen in Form ihres zweiten Albums „White Men Are Black Men Too„. Die Öffentlichkeit ist irritiert. Erblickte das Debütalbum nicht erst vor gut einem Jahr das Licht der Welt? Und spielte die Band seither nicht weit über 130 Live-Shows? Die erste Frage an Young Fathers-Sänger-Alloysious Massaquoi kann dieser Tage also nur wie folgt lauten:

MusikBlog: Hi Alloysious, hat euer Tag eigentlich mehr als 24 Stunden?

Alloysious Massaquoi: Nicht wirklich. Wie kommst du darauf?

MusikBlog: Naja, euer Debütalbum kam im Januar 2014 raus. Danach habt ihr mehr als 130 Live-Shows gespielt. Und nun steht bereits euer zweites Album „White Men Are Black Men Too“ auf der Startrampe. Klingt nach Arbeit im Akkord. Es sei denn, euer Tag hat…

Alloysious Massaquoi: (lacht) Wir sind einfach nur drei fleißige Jungs, die jede freie Minute nutzen, um neue Musik zu produzieren. Zwischen unseren Auftritten finden wir immer Zeit, um Ideen festzuhalten, Songs zu schreiben und Skizzen anzufertigen. Dieser Antrieb steckt einfach in uns drin.

MusikBlog: Drei fleißige Jungs lassen es sich aber doch bestimmt auch mal gut gehen, legen die Füße hoch oder machen die Nacht zum Tage. Oder gehen euch die Nebenschauplatz-Privilegien einer erfolgreichen Band völlig am Allerwertesten vorbei?

Alloysious Massaquoi: Natürlich genießen wir die Aufmerksamkeit. Letztlich definieren wir Erfolg aber auf einer anderen Ebene. Für uns hat Erfolg weniger mit Preisen oder Verkaufszahlen zu tun. Wir machen keine Musik, um reich oder berühmt zu werden. Wir sind erfolgreich, wenn wir uns einen neuen Song von uns anhören, und dieser uns umhaut. Dann laufen wir mit einem Dauergrinsen durch die Gegend. Wenn unsere Songs dann auch noch anderen Menschen gefallen, ist das natürlich schön. Das ist aber nur ein Zusatz.

MusikBlog: Wie bescheiden. Derartige Töne hört man heutzutage eher selten.

Alloysious Massaquoi: Das kommt aber auch immer darauf an, wie genau man hinsieht, und wie genau man zuhört. (lacht)

MusikBlog: Demnach spielen uns viele lächelnde Gesichter in der Branche nur etwas vor? Ich denke da beispielsweise an all die Award-Veranstaltungen.

Alloysious Massaquoi: Glaube mir, es gibt so manchen Künstler, der seine Awards verschenkt oder im Keller verstauben lässt, von dem man es nicht denken würde.

MusikBlog: Wo steht denn eure Mercury-Prize-Trophäe?

Alloysious Massaquoi: Ich weiß es nicht. Dieses Ding ist auch nicht wichtig. Wichtig sind unsere Musik, unser Gefühl dafür und unsere Fans. Alles andere muss sich hinten anstellen.

MusikBlog: Diese Einstellung sah man euch bei der Preisverleihung regelrecht an. Auf einigen Roter-Teppich-Bildern blickt ihr in die Kameras, als hätte sich vor euren Füßen gerade jemand übergeben.

Alloysious Massaquoi: So gucken wir immer. (lacht)

MusikBlog: Lass uns über euer neues Album sprechen. Schon der Titel regte in den vergangenen Wochen jede Menge Diskussionsrunden an. Was habt ihr bisher an Reaktionen einfangen können?

Alloysious Massaquoi:  Die meisten waren positiv. Es gibt aber natürlich auch Leute, die den Titel nicht so prickelnd finden. Wenn es um Fragen der Rasse geht, gehen bei vielen nun mal gleich die Alarmglocken an. Das ist aber auch völlig in Ordnung. Uns war schon bewusst, dass wir mit dem Titel polarisieren werden. Es geht uns dabei aber nicht um die Oberfläche. Der Titel spiegelt unsere Haltung wider. So denken wir. Wir reden nicht gerne um den heißen Brei herum.

MusikBlog: Ihr geht auch in punkto Sound keinerlei Kompromisse ein. Woher kommt dieses Selbstbewusstsein?

Alloysious Massaquoi: Ich denke, das hat viel mit unserer Vergangenheit zu tun. Wir kommen alle aus einer Gegend, in der die musikalischen Szenen klar abgesteckt waren. Die Rapper haben gerappt, die Popper getanzt und die Rocker gerockt. Es gab keinerlei Austausch zwischen den Gruppen. Uns ging das ziemlich schnell auf die Nerven. Also haben wir uns abgekapselt, und sind unseren eigenen Weg gegangen.

MusikBlog: Würdet ihr euch selbst als eine Crossover-Band bezeichnen?

Alloysious Massaquoi: Nein, eigentlich nicht. Wir machen Pop-Musik.

MusikBlog: Naja…

Alloysious Massaquoi: Wir machen Pop-Musik, so wie wir uns Pop-Musik vorstellen. Leute, die sich nur in Richtung Charts orientieren, sehen das natürlich anders. Das ist auch gut so, denn mit dieser standardisierten Radio-Pop-Formel haben wir nichts am Hut. Wir definieren Pop-Musik anders. Wir halten uns nicht an Richtlinien, und gucken auch nicht, mit welchen Sounds man möglichst flächendeckend Leute auf seine Seite zieht. Wir hören nur auf uns, und unser Gefühl. Dance, Elektro, Hip-Hop: Bei uns gibt es keine Grenzen. Alles ist erlaubt.

MusikBlog: Ihr arbeitet auch hinter den Kulissen gerne abseits von gängigen Konventionen. Die Produktion eures neuen Albums wurde auf drei verschiedene Kontinente aufgeteilt. Ihr sollt sogar in einem alten Kellergewölbe in Berlin aufgenommen haben. Stimmt das?

Alloysious Massaquoi: Ja, das ist richtig. Wir haben die neuen Songs in Edinburgh, Melbourne, Illinois und Berlin aufgenommen. Die Zeit in Berlin ist noch gar nicht so lange her.

MusikBlog: Berlin hat jede Menge schicke Studios zu bieten. Warum habt ihr euch für ein Arbeiten im Untergrund entschieden?

Alloysious Massaquoi: Es ging uns nicht um die Ausstattung. Wir wollten atmosphärisch arbeiten. Wir brauchten einen Ort, der uns inspiriert und uns Spielraum lässt. Zwischen vergoldeten Kabeln hin und her zu hüpfen, ist nicht unser Ding. So ein Brimborium hätte uns nur abgelenkt.

MusikBlog: Ein Ghettoblaster, Percussions und eure drei Stimmen vereint in einem dunklen Keller: Mehr braucht ihr nicht, um glücklich zu sein?

Alloysious Massaquoi: Ah, du stehst auf unsere exklusive Live-Version von „I Heard“? (lacht)

MusikBlog: Nicht nur ich.

Alloysious Massaquoi: Ja, das ist unsere Welt. Zumindest ein großer Teil davon.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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