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East India Youth – Live in der Kantine am Berghain, Berlin

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Mit dem Look hätte William Doyle alias East India Youth auch eine beratende Funktion eines Großunternehmens innehaben können. Anzug und Frisur sitzen bis ins kleinste Detail als er die Bühne der Kantine am Berghain betritt. Die Instrumente sind auch an ihrem Platz und mittig wie in einer kleinen Festung um den jungen Engländer herum aufgebaut, der sich mit seinem zweiten Album „Culture Of Volume“ derzeit auf Tour durch Europa befindet. Synthesizer, Keyboard, Laptop und Bass sind die wenigen Dinge, die der Multi-Instrumentalist an diesem Abend benötigt, um seine Songs zum Leben zu erwecken.

Halb schläfrig oder gar nicht erst im Club aufgetaucht, heisst dagegen das Motto des Berliner Publikums, das bis zum Ende der Show extrem überschaubar bleibt und den großen Sicherheitsabstand zur Bühne sowie eine insgesamt verhaltene Reaktion ausgiebig zelebriert. Doyle scheint das aber, zumindest nach aussen hin, nicht zu stören. Unbeeindruckt vom überraschend geringen Zuspruch, der ihm zuteil wird, bleibt er kontrolliert und wachsam zugleich während er einen Song nach dem anderen in den Raum präzise schleudert.

Anfangs zwar noch etwas zaghaft im Ausdruck, steigert East India Youth das Intensitätslevel im Verlaufe des Sets um einige Prozent. Die klangliche Dichte kriecht bis unter die abbröckelnde Club-Decke und die Lautstärke wirkt geballter je länger Doyle zwischen den Instrumenten agiert. Selbst die brave Frisur hält dem Ganzen irgendwann nicht mehr stand und bringt optisch gut den Grad an Aufregung zum Ausdruck, den der Londoner mit seiner Musik stiftet.

Die nahtlose Aneinanderreihung seiner Songs gleicht eher der Struktur eines DJ-Sets und kommt dessen Wirkung ebenfalls nahe, indem Doyle bewusst einen dramaturgischen Verlauf inszeniert, der langsam auf einen Höhepunkt zusteuert, um schließlich sanft in den Klängen von „Carousel“ zu münden. Die eher klinisch-kühlen, elektronischen Stücke seines Debüts „Total Strife Forever“ stehen dabei im Kontrast zum Pop orientierten Klangmuster, das den Nachfolger „Culture Of Volume“ prägt.

Eine Band vermisst man bei der Ein-Mann-Show nicht wirklich, da Doyle versiert genug seine Ideen in die Tat umsetzt und die Abwechslung zu genießen scheint, die sich ihm dadurch bietet. Bisweilen erweckt er gar den Eindruck nur noch physisch anwesend zu sein während er tief über dem Synthesizer gebeugt ein elektronisches Bombardement zündet und die Schweissperlen ihm sichtbar über das Gesicht laufen.

Etwas schüchtern blickt der Engländer zwischenzeitlich drein, wenn er sich zum Dank kurz an die Anwesenden wendet, die gegen Ende des Sets auch endlich ihre Reserviertheit aufgeben und dem Groove nachgeben, der sich schon längst dicht um ihre Fersen geschlungen hat. Nach rund fünfzig Minuten ist dann aber Schluss und East India Youth verlässt ohne eine Zugabe die Bühne, die nun wieder in dunkler Einsamkeit liegt.

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