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Ich nehme mir immer das leckerste Stück vom Kuchen – Jacco Gardner im Interview

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Die Nacht ist zum Abschalten da. Nach getaner Arbeit sehnen sich Geist und Körper nach Erholung. Der Akku muss wieder aufgeladen werden. Jacco Gardner sieht das irgendwie anders. Der Niederländer mit der Lizenz zum Träumen kommt nachts nämlich erst so richtig in Fahrt. Schlafen ist für den Multiinstrumentalisten Gift. Sein neues Album heißt schließlich nicht umsonst „Hypnophobia„. Oder haben wir jetzt etwas falsch verstanden? Will uns der Barock-Pop-King aus dem Tulpenparadies etwa bewusst in die Irre führen? Wir verabredeten uns mit Jacco Gardner zum Gespräch und fragten nach.

MusikBlog: Hi Jacco. Dein neues Album heißt „Hypnophobia“. Hast du Angst vor dem Schlafengehen?

Jacco Gardner: Nein, ganz im Gegenteil. Der Titel bezieht sich eher auf den Verlust von Kontrolle. Allerdings nicht im negativen Sinn. Wenn man nachts träumt, hat man keinen bewussten Einfluss mehr auf die Dinge, die mit einem passieren. Von diesen Momenten lebt meine Musik. Viele meiner Songs handeln von Traumerlebnissen.

MusikBlog: Menschen, die sich gerne mit Traumwelten beschäftigen, werden von der Gesellschaft gerne als realitätsfremd abgestempelt. Nervt dich das?

Jacco Gardner: Nein, überhaupt nicht. Ich wurde noch nie schief angeguckt. Man sollte das alles aber auch nicht überbewerten. Nur weil ich mich gerne mit meinen Träumen beschäftige, bin ich noch lange kein Freak. Ich befasse mich ja auch genauso intensiv mit Dingen, die am Tag um mich herum passieren.

MusikBlog: In der Regel befasst du dich ganz alleine mit diesen Dingen. Wenn du ein Album aufnimmst, fungierst du praktisch als Ein-Mann-Band. Liegt dieser Arbeitsweise ein Konzept zu Grunde? Oder hat sich das eher so ergeben?

Jacco Gardner: Das hat sich so ergeben. Die meisten Instrumente, die ich für meine Musik benötige, kann ich selber spielen. Da bietet sich ein derartiges Arbeiten einfach an.

MusikBlog: Multiinstrumentalisten wird ja immer nachgesagt, dass sie stets auf der Suche nach neuen Instrumenten sind. Bist du auch jemand, der immer die Augen offen hält?

Jacco Gardner: Ja, schon. Wobei ich mich jetzt nicht gezielt nach bisher unberührten Instrumenten umschaue. Ich stehe da mehr auf die klassische Auswahl. Es muss aber schon etwas Besonderes sein. Für mein neues Album habe ich mir beispielsweise ein altes Steinway-Klavier besorgt. Das hat einen ganz speziellen Klang.

MusikBlog: Live bist du ja mit einer kompletten Band unterwegs. Fällt es dir da manchmal schwer, Sounds, die du im Studio selber aufnimmst, in andere Hände zu legen?

Jacco Gardner: Nein, nicht wirklich. Ich bin ja immer mit einer klassischen Besetzung unterwegs. Sprich: mit einem Bassisten, einem Gitarristen und einem Schlagzeuger. Das sind alles Instrumente, die zwar wichtig für meinen Sound sind. In punkto Melodieführung spielen sie aber nur eine untergeordnete Rolle. Diese Parts werden primär vom Keyboard übernommen. Und das bediene ich. So kriege ich also immer das leckerste Stück vom Kuchen ab. (lacht)

MusikBlog: Könntest du dir denn vorstellen, auch im Studio mal mit einer kompletten Band zu arbeiten?

Jacco Gardner: Im Moment bin ich glücklich, so wie es ist. Ich habe meine Ruhe, muss keine Kompromisse eingehen und kann ohne Druck arbeiten. Vorstellen kann ich mir sicherlich viel. Aber wenn ich mit einer kompletten Band aufnehmen würde, hätte das auch Einfluss auf die Musik. Und für eine grundlegende musikalische Veränderung bin ich noch nicht bereit.

MusikBlog: Noch nicht?

Jacco Gardner: Man soll ja bekanntlich niemals nie sagen.

MusikBlog: Was glaubst du denn, in welche Richtung es dann gehen würde?

Jacco Gardner: Schwer zu sagen. Damit beschäftige ich mich aber auch nicht.

MusikBlog: Du bist in den vergangen zwei Jahren viel rumgekommen. In einem Interview sagtest du neulich, dass dich das viele Reisen verändert habe. Inwiefern?

Jacco Gardner: Mein Horizont wurde durch das viele Reisen erweitert. Ich denke, dass das vielen Menschen so geht, die sich praktisch von heute auf morgen in die große weite Welt verabschieden. Man lernt neue Leute, neue Länder und neue Kulturen kennen. Das prägt.

MusikBlog: Inwieweit hat das Reisen die Herangehensweise an deine Musik verändert?

Jacco Gardner: Grundsätzlich hat es da keine Veränderungen gegeben. Ich denke, wenn man mein neues Album hört, wird man viele Parallelen zu meinem ersten Album feststellen können. Es geht mir immer noch um diese ganz bestimmte Atmosphäre.

MusikBlog: Eine Atmosphäre, die den Hörer mit auf eine Reise in die Sechziger nimmt.

Jacco Gardner: Ja, so in etwa. Wenngleich es mir gar nicht so sehr um das Jahrzehnt an sich geht, sondern eher um das Bild dieser Zeit, das viele Menschen in ihren Köpfen tragen.

MusikBlog: Du bist gerade auf Tour, richtig?

Jacco Gardner: Ja, wir sind gerade in Luxemburg.

MusikBlog: Es gibt ja viele Elektro-Acts, die nur ungern auf Tour gehen. Viel lieber verbringen sie ihre Zeit im Studio, um an neuen Sounds zu tüfteln. Wie sieht’s da bei dir aus?

Jacco Gardner: Ich bin gerne unterwegs. Ich spiele auch gerne live. Zu sehen, wie die Leute auf meine Musik reagieren, ist immer wieder aufs Neue spannend für mich. Außerdem präsentiere ich mich auf der Bühne ja nicht wie ein klassischer Elektro-Act. Ich pendele zwischen Klavier, Keyboard und Mikrofon hin und her. Da ist also immer Bewegung drin. (lacht) Ich freue mich aber nach einer Tour auch immer wie ein Kleinkind, wenn ich wieder im Studio arbeiten kann. Es geht halt darum, eine Balance zwischen beiden Bereichen zu finden. Das gelingt mir bisher eigentlich ganz gut.

MusikBlog: Ich habe letztens einen Konzert-Videoschnipsel gefunden. Da habt ihr auf einer Insel gespielt. Erinnerst du dich an diesen Auftritt?

Jacco Gardner: Oh ja. Das war in Spanien. Müsste letzten Sommer gewesen sein. Die Insel heißt San Simon. Genau solche Auftritte sind es, die das Leben auf Tour zu etwas ganz Besonderem machen. Wir spielten dort zusammen mit Bel Bee Bee, Wire und Chelsea Wolfe auf einem kleinen Festival. Das war magisch. Es gab, glaube ich, nur ein einziges Hotel dort. Wir waren also komplett abgeschottet. Die ganzen Festivalbesucher kamen alle vom Festland. Sehr speziell. Ich hoffe, dass ich einen guten Eindruck hinterlassen habe; denn dort würde ich gerne noch einmal spielen. (lacht)

MusikBlog: Auf dem Video hatten alle ein Lächeln auf den Lippen.

Jacco Gardner: Oh, das klingt gut.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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