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Ash (Credit Annett Bonkowski MusikBlog)

Wir sind am besten, wenn wir explosive Popmusik machen – Ash im Interview

Ash holen auf ihrem neuen Studioalbum „Kablammo!“ zum Faustschlag in Gitarrenform aus und werfen ihre alten Vorsätze über Bord, kein klassisches Studioalbum mehr aufnehmen zu wollen, was sie vor ein paar Jahren noch für eine gute Idee hielten. Dem Albumformat erneut als Ausdrucksform verfallen und ein paar Songwriting-Challenges in New York später wirken die neuen Stücke ähnlich ansteckend und voller Energie wie zu den besten Zeiten der Band. Dabei sind seit dem Debüt beinahe zwei Jahrzehnte vergangen. Wir wollten von Sänger Tim Wheeler unter anderem beim Gespräch in Berlin wissen, wie man am besten an seine musikalischen Taten anknüpft und welche Rolle Evel Knievel bei den Sessions spielte.

MusikBlog: Happy Birthday, „1977“! Euer Debüt feiert heute seinen 19. Geburtstag. Was fühlst du, wenn du diese Zahl vor dir siehst?

Tim Wheeler: Ich fühle mich ziemlich abgefuckt. Wie soll das erst nächstes Jahr werden, wenn es auch noch ein runder Geburtstag ist? Aber ich bin dennoch froh, dass ich auf so etwas wie dieses Album zurückblicken kann und vor allem immer noch Musik mache. Das ist toll.

MusikBlog: Wie haben es Ash deiner Meinung nach geschafft, eine so lange Karriere am Laufen zu halten?

Tim Wheeler: Dank unserer Fans! Ausserdem haben wir recht früh in unsere Karriere auch Fehler gemacht, so dass wir uns nicht unverwundbar gefühlt haben. Das ist wichtig. Man muss als Band realisieren und akzeptieren, dass es immer Höhen und Tiefen geben wird. Es ist ohnehin unmöglich, die Karriereleiter die ganze Zeit nach oben zu klettern.

MusikBlog: Wie stehst du deinem eigenen Geburtstag und dem Älterwerden gegenüber?

Tim Wheeler: Es macht mir nichts aus, älter zu werden. Ich bin im Januar 38 Jahre alt geworden. Mein Geburtstag ist immer gleich im Anschluss an den Jahreswechsel, so dass es meistens keinen Sinn macht, ihm allzu viel Beachtung zu schenken oder ihm gar mit Feierlichkeiten zu begegnen. Nach Weihnachten und Silvester sind alle ohnehin immer total fertig. Niemand hat mehr Lust, etwas zu trinken, also verlege ich die Party immer auf Ende Januar.

MusikBlog: Wenn man als Band acht Jahre lang keine klassische Studio-Veröffentlichung mehr angestrebt hat, wie schwer fällt es einem dann, wie in eurem Fall, sich wieder in die Arbeit zu stürzen?

Tim Wheeler: Es hat ein wenig gedauert, bis wir loslegen konnten. Ich hatte kurz vorher mein Soloalbum fertig gestellt und musste mich erst einmal auf die Ash Platte einlassen, da wir gleich im Anschluss daran begonnen hatten, an den Songs zu arbeiten. Es war stilistisch völlig anders, denn mir schwebte ein Album mit vielen Gitarren vor. Der Übergang war etwas komisch. Gleichzeitig war ich frustriert, denn die Veröffentlichung meines Soloalbums zog sich länger hin als geplant. Sobald wir aber richtig anfingen, an den Songs zu arbeiten, war alles okay.  Es war gut, unsere Pläne Ende letzten Jahres mit der Öffentlichkeit zu teilen, denn so mussten wir bestimmte Dinge zu Ende bringen und konnten uns nicht mehr davor scheuen, einen möglichen Rückzieher zu machen.

MusikBlog: Ähnlich wie der Albumtitel es bereits suggeriert, zündete die Album-News infolge auch bestens und ein Großteil der Songs trägt diesen explosiven Charakter ebenfalls in sich.

Tim Wheeler: Wir wollten einen Albumtitel, der ins Auge sticht. Ich denke, wir sind am besten, wenn wir explosive Popmusik machen, daher passte es gut zusammen. Es war unser Ziel, genau solch einen Sound hinzubekommen, auch wenn die Platte ruhigere Momente hat. Live wird es umso besser werden, die neuen Stücke zu spielen und diesen explosiven Charakter zu unterstreichen. Besonders, weil wir in den letzten vier Jahren trotz diverser Tourneen keine neuen Songs hatten, die wir den Fans vorspielen konnten. Wir sehnen uns alle sehr danach, endlich neues Material in die Shows mit einfließen lassen zu können.

MusikBlog: Vieles auf „Kablammo!“ basiert auf dem von euch zum Markenzeichen gewordenen Gitarrensound. Was ist auch heute noch so reizvoll daran?

Tim Wheeler: Wir haben für die „A-Z Series“ viel herum experimentiert und auch ein paar sehr gitarren-orientierte Songs geschrieben, die wir aber letztendlich umsonst als Bonus-Tracks an unsere Fans gegeben haben. Die unmittelbar positive Reaktion darauf hat uns wieder ins Gedächtnis gerufen, wie sehr die Fans diesen Sound an uns schätzen. Gleichzeitig fällt es uns als Band nicht schwer, Songs zu schreiben, die grundlegend auf Gitarren basieren. Also fassten wir schließlich den Gedanken, das Album mit diesen musikalischen Eckpfeilern aufzunehmen.

MusikBlog: Es wurde viel darüber diskutiert, dass ihr nach den „A-Z Series“ gesagt habt, nie wieder ein klassisches Studio-Album aufnehmen zu wollen. Was hat euch dazu bewogen, eure Meinung doch noch einmal zu ändern?

Tim Wheeler: Unsere damalige Aussage hat einfach unser Empfinden widergespiegelt, dass eigentlich mehr oder weniger nur noch einzelne Tracks und keine ganzen Alben mehr eine Rolle spielen. Es wimmelte von Playlisten und wir wollten für uns erforschen, inwiefern wir diesem Hörverhalten gerecht werden können. Mittlerweile hat sich die Lage jedoch wieder etwas geändert, so dass wir uns erneut in der Lage sahen, mit „Kablammo!“ den normalen Gang ins Studio zu gehen, und es mit der klassischen Album-Variante zu versuchen. Die Leute kaufen wieder ganze Alben oder schenken ihnen zumindest mehr Beachtung als noch vor ein paar Jahren. Wenn man über dreizehn Jahre lang hinweg Alben aufnimmt, will man irgendwann etwas anderes ausprobieren und diese Chance haben wir mit den „A-Z Series wahrgenommen. Danach habe ich mich einfach wieder in das Album-Format verguckt und fühlte mich bereit, es wieder damit zu versuchen. Ich gebe zu, wir haben uns damals vielleicht geirrt, als wir ein weiteres normales Studioalbum ausschlossen.

MusikBlog: Hat die völlig andere Annäherung an das Songwriting auf den „A-Z Series“ in Hinblick auf die neue Platte Spuren bei dir hinterlassen? Immerhin war es ein Langzeitprojekt mit den unterschiedlichsten Ansätzen.

Tim Wheeler: Ja, denn ich tendiere immer dazu, genau das Gegenteil von dem zu machen, was ich gerade fertiggestellt habe. Es ist wie eine natürliche Gegenreaktion. Damals ging es uns darum, neue Klänge zu entdecken und uns auszutesten. Folglich wollte ich mit diesem Album einen Sound schaffen, der einheitlicher wirkte. Beim Songwriting zwang ich mich ungefähr acht Mal dazu, in einem festgesteckten, zeitlichen Rahmen ein paar Songs zu schreiben, was erstaunlich gut klappte. So saß ich mit einer Gruppe von Freunden zusammen und wir spielten uns nach ein paar Stunden unsere jeweiligen Ergebnisse vor. Nachdem wir uns nachmittags vor Verzweiflung anfingen, die Haare auszureißen. (lacht)

MusikBlog: Das hätte man dann bei den Aufnahmen in eurem New Yorker Studio ohnehin nicht bemerkt.

Tim Wheeler: Stimmt, unser Studio hat keine Fenster und gleicht mehr einer dunklen Höhle. Überall steht Equipment herum, aber wir fühlen uns dort sehr wohl. Wir werden wohl auch den Mietvertrag verlängern, so dass wir noch mindestens eine weitere Platte machen können.

MusikBlog: Ohne dabei alle Haare zu verlieren…

Tim Wheeler: Ich werde versuchen, meine Energie auch in Zukunft eher ins Kickboxen zu investieren. Da sind die Folgen nicht so dramatisch und vor allem sichtbar. Ausserdem ist der Ort, an dem ich trainiere nur zwei Blocks von unserem Studio entfernt, so dass ich mehrmals in der Woche hingehen und alles raus lassen kann. Danach bin ich immer total fertig, weil das Workout schon sehr extrem ist. Das hat mir aber sehr dabei geholfen, bei den Albumaufnahmen fokussiert zu sein.

MusikBlog: Wie bist du zum Kickboxen gekommen?

Tim Wheeler: Ich hatte zuerst einen Personal-Trainer und weil mir die Sportart so zugesagt hat, bin ich danach auf eine richtige Akademie gegangen, wo ich sowohl einzeln als auch in der Gruppe trainieren konnte. Ich mag das Gefühl, in einem Gruppenkontext zu arbeiten und mit den anderen zu interagieren.

MusikBlog: Im Gegensatz zu „Evil Knievel“, nach dem du einen Song auf dem neuen Album benannt hast. Was hat es damit auf sich?

Tim Wheeler: Evel Knievel ist ein absolutes 70er Jahre Idol der Popkultur für mich. Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich seinen Mut und seine Tollkühnheit damals immer bewundert habe. Wer traut sich heute schon, über den Grand Canyon zu springen? Sein Eifer diente mir als Inspiration für die neuen Songs. Nur seine ganzen Verletzungen als Resultat davon möchte ich nicht nachahmen. Er steht immerhin im Guinessbuch der Weltrekorde für „die meisten gebrochenen Knochen in einem Körper“. Was für ein Wahnsinniger er doch war!

MusikBlog: Ihr habt also nichts gemeinsam?

Tim Wheeler: Ich bin mir nicht sicher. Vielleicht steht mir so ein Cape, wie er es immer trug, auch ganz gut? Seine Outfits waren schon legendär. So ein Jumpsuit hat was!

MusikBlog: Im Rahmen der PledgeMusic Kampagne für das neue Album hätte sich so ein Stück Stoff bestimmt auch gut gemacht. Aber mal im Ernst, wo ziehst du die Grenze, wenn es darum geht, euren Fans besondere Gegenstände oder Erlebnisse anzubieten, um damit die Aufnahmen zu finanzieren?

Tim Wheeler: Ich würde wohl niemals für einen Fan kochen, weil ich viel zu besorgt wäre, dass derjenige eine Lebensmittelvergiftung bekommt. Da spiele ich lieber ein Hauskonzert oder biete handgeschriebene Texte von mir an.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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