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Beabadoobee wählt Strommasten als Bildspender für „Pylon“, das ist zunächst ein hübsch aufgeräumtes Motiv. In der Weite des Interpretationsspielraums liegen Verbindung und Distanz, Spannung und Ausfall, inklusive einem Knistern in der Leitung.

Beatrice Laus hat sich für für ihr viertes Album einiges vorgenommen, ihre bislang „thrashigste“ Platte sollte es werden. Am offensichtlichsten fallen dabei zunächst die lauter gewordenen Gitarren ins Gewicht, als das noch bei „This Is How Tomorrow Moves“ der Fall war.

Die Refrains reißen öfter auf, wenn etwa „Sun Has Set“ mit verzerrten Riffs um die Ecke biegt. Das erinnert eher an die Neunziger-Codes von Liz Phair, wo diese sich dem Pop geöffnet hat, als an das Schlafzimmer-Songwriting, mit dem Beabadoobee ihre vormaligen Alben bestritten hat. Daran hat sicher auch die namhafte Gästeliste einen Anteil.

Hayley Williams singt bei „Nothing To Prove“ mit und verstärkt einen rockigen Popwer-Pop-Chorus mit Na-Na-Na-Zeilen. Brendan Yates von den Hardcore-Darlings Turnstile taucht bei „Powerlines“ auf und hat – im Gegensatz zu Chino Moreno von den Deftones oder oder Evan Stephens Hall von Pinegrove – den markantesten Gastauftritt.

Manche der Gastbeiträge scheinen eher fürs Papier und die Promotion gedacht, als dass sie musikalisch tatsächlich ins Gewicht fallen würden, sind sie sie hörbar doch kaum auszumachen.

Das ist womöglich auch der entscheidende Makel an „Pylon“. Wo „This Is How Tomorrow Moves“ noch eine erkennbare Handschrift hatte, zerfasert das neue Album in Referenzpunkten, die alle einen Einfluss dokumentieren, und sei er noch so mikroskopisch, die im Zweifel aber das Songwriting mit fremden Federn schmücken.

Das ist per se kein Beinbruch, gerade der weibliche Rock-Refresh der letzten Jahre lebt von genau solchen Querverweisen, siehe Wolf Alice, siehe die Art, wie Soccer Mommy zwischen Slowcore und Powerpop pendelt.

Aber die stärksten Momente auf „Pylon“ sind ausgerechnet die, in denen Laus die Gästeliste kurz vergisst. „Estranged“ braucht kein Feature, um zu sitzen, „Memories“ funktioniert über einen simplen, leicht schiefen Refrain, der länger nachhallt als das gesamte Turnstile-Intermezzo. In diesen Momenten ist die Songwriterin zu hören, die auf „Beatopia“ noch mit deutlich weniger Budget eigensinnigere Ideen hatte.

„Pylon“ ist am Ende ein Album, das lauter ist, aber nicht zwangsläufig konzentrierter ausfällt. Beabadoobe baut damit sicher ihre Reichweite aus, lässt sie sich aber zu oft fremdbestätigen. Wer die leiseren, eigenwilligeren Beabadoobee-Momente vermisst, findet sie in Ansätzen zwischen den Features.

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