Die Rückkehr der Melodie-Ritter. Die fünfte Pop Music Masterclass der tanzbaren Sorte mit den ewigen Electronic-Rock Underground-Helden Ratatat war lange überfällig. Und nach fünf Jahren absoluter Funkstille knüpfen Ratatat nicht nur an ihre wunderbaren ersten Alben an, „Magnifique“ ist derart lässig, pop-verspielt, sorglos simpel und orgiastisch melodiös, es ist schlicht ihr bestes Album.

Ratatat kann man sich regelrecht diskurshaft anschauen. Das selbstbetitelte Debüt und „Classics“ von 2004 und 2006 waren Feuerwerke der Melodieliebe. Um schneidige Glam-Rock-Soli der pathetischsten Sorte, und derlei Gitarrengefriemel, wurden ganz erstaunlich dazu passende Beats und Basslines arrangiert, die Evan Mast und Mike Stroud schnell ein Alleinstellungsmerkmal im Electro gaben: Electronic-Rock ohne Aggressionen; Laptop-Sounds verbunden mit E-Gitarre, aber ohne die Punk-Härte der frühen Peaches etwa. Dann, auf „LP3“ und „LP4“, der Schwenk, weg von den Melodien als tragendes Element hin zu den Beats als Ausgangspunkt eines jeden Songs. Entsprechend Hip-Hop-lastig wurde es, auch wenn die jaulende E-Gitarre Ratatats Markenzeichen blieb. Leider gab es bessere Varianten Hip-Hop-infizierter instrumentaler Electronica und Ratatat wurden ein wenig vergessen.

Ratatat kann man sich aber auch einfach nur reinziehen. Auf „Magnifique“ erleben wir die Rückkehr zur Melodie, den Punch der Gitarre, das Festival des schmooven Luftgitarrengezappels. Die Instrumentals verströmen eine Aura der Spaceigkeit, die die in den Himmel schießenden Gitarrensounds und ihre anbei reisenden Synthie- und Beat-Klänge weiter in den interstellaren Raum tragen als jede NASA-Sonde. Abgespaced ist gar kein Ausdruck.

Mit „Cream On Chrome“, „Abrasive“ und „Nightclub Amnesia“ sind zudem diesmal gleich drei Oberkracher auf „Magnifique“, die früheren Alben kennen eher ein bis zwei steil herausragende Party-Stomper. Während der Grundstock eines Ratatat-Albums, sein Plasma, immer das gechillte elektronische Cruisen sein wird, fackeln diese drei Perlen des Ratatat-Kosmos eine lebensbejahende Fusion von Sounds ab, die der intergalaktischen Reise ein paar wohltuende Warp-Schübe und jede Party in den Groove-Modus versetzt, Commander Data oder die Laptops von Ratatat haben den Kurs erfolgreich berechnet.

Ratatats instrumentale Electronica gepaart mit Rock-Gitarren ist ein heimlicher Dauerbrenner. Dem Fokus des Pop-Business auf Vokalität setzen Mast und Stroud stoisch ihre Melodie-Beat-Fusion entgegen und beweisen ein ums andere Mal mehr, zu was die Nische Instrumentalmusik fähig. Zu ganz großem Kino.

Facebook
Twitter

Schreibe einen Kommentar

Login

Werde MusikBlog-Mitglied!

Gefällt dir das Album oder willst du es dir für später merken? Markiere es einfach als Favorit. Auf der Mein MusikBlog-Seite findest du alle deine Favoriten und kannst dir deine persönlichen Jahrescharts erstellen.

Unterstütze MusikBlog!

Wenn dir unsere Inhalte gefallen, unterstütze uns bitte mit einem kleinen monatlichen Betrag und werde MusikBlog-Mitglied. Wir schalten keine Werbung und finanzieren unsere Redaktion nur mit Hilfe unserer Mitglieder.