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Gene Simmons ist ein Arschloch – Backyard Babies im Interview

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Die Hellacopters sind schon lange Geschichte, Gluecifer gibt es auch nicht mehr und Turbonegro fahren seit dem Ausstieg von Hank van Helvete irgendwie auch nur noch mit halber Kraft. Die einst so vehement nach vorne preschende schwedische Schweinerock-Branche geht am Stock. Und das nicht erst seit gestern. Da wird es höchste Zeit für einen ordentlichen Tritt in den Allerwertesten. Das dachten sich wohl auch die Jungs von den Backyard Babies. Und so verschanzte sich eines der ehemaligen Flaggschiffe der Szene im vergangenen Jahr nach einer fast siebenjährigen Auszeit mal wieder im Studio, um der Welt zu zeigen, dass man im hohen Norden immer noch ordentlich rocken und rollen kann. In Berlin trafen wir auf Babies-Frontmann Nicke Borg und plauderten mit ihm über hohe Erwartungen, Drogen und zwischenmenschliche Enttäuschungen.

MusikBlog: Hi Nicke. Lang ist’s her.

Nicke Borg: Oh ja, wem sagst du das? Knapp sieben Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Aber jetzt sind wir ja wieder da. (lacht)

MusikBlog: Die ersten Reaktionen hinsichtlich eurer ersten Single vom neuen Album waren ja durchweg positiv. Wie war denn die Stimmung bei euch, kurz bevor ihr den Song veröffentlicht habt? Business as usual? Oder wart ihr nach sechs Jahren Pause doch ein bisschen nervös?

Nicke Borg: Die anderen Jungs waren alle total entspannt, und davon überzeugt, dass der Song gut ankommen würde. Ich hingegen hatte schon ein bisschen die Hosen voll. Ich meine, wir waren sechs Jahre weg vom Fenster. In dieser Zeit ist viel passiert. Ich hatte keine Ahnung, wie die Leute da draußen auf neue Musik von uns reagieren würden. Ich war mir unsicher.

MusikBlog: Die Erwartungen waren groß.

Nicke Borg: Ja, absolut. Und nicht nur bei uns in Schweden. Ich habe Mails aus aller Welt erhalten. Alle waren gespannt und neugierig. Jeder wollte wissen, ob wir es noch drauf haben.

MusikBlog: Du auch?

Nicke Borg: Ja, natürlich. Ich wusste, dass wir irgendwann zurückkommen würden. Das Kapitel war ja nicht abgeschlossen.

MusikBlog: Es gab also 2009 keine internen Unstimmigkeiten, die dazu geführt haben, dass wir uns erst heute über ein neues Backyard Babies-Album unterhalten?

Nicke Borg: Nein, die gab es nicht. Wir brauchten einfach nur eine Pause. Jeder von uns wollte seinen eigenen Weg gehen, neue Kräfte schöpfen und sich inspirieren lassen. Wir liefen zwanzig Jahre auf Hochtouren. So etwas hinterlässt Spuren.

MusikBlog: Burnout-Spuren?

Nicke Borg: Nein, soweit war es noch nicht. Aber hätten wir einfach so weiter drauf los gerockt, wäre es sicherlich irgendwann dazu gekommen. Das wollten wir unter allen Umständen vermeiden.

MusikBlog: Jetzt seid ihr wieder am Start. Im Gepäck habt ihr euer neues Album „Four By Four“; ein Album, das meiner Meinung nach so ziemlich alles beinhaltet, was euch in den vergangenen Jahrzehnten groß gemacht hat. Für mich klingt es wie eine Retrospektive mit neuen Songs. War das so geplant?

Nicke Borg: Ja, genau das war unser Ziel. Wir hatten zwar kein Soundkonzept. Aber während des Songwritings wurde schnell klar, dass wir versuchen wollten, jede Bandphase abzudecken. Das Gerüst des Albums war schnell gebaut. Das hat es uns ziemlich einfach gemacht. Manchmal hat man ja Phasen, in denen man sich ganz spezielle Gedanken über die Musik macht. Diesmal waren wir sofort klar. Es gab keine großen Diskussionsrunden. Alle hatten Bock auf das komplette Paket.

MusikBlog: Und doch warst du dir am Ende unsicher.

Nicke Borg: Mein Selbstbewusstsein ist vielleicht doch nicht so unerschütterlich, wie es einige Leute vielleicht denken. (lacht)

MusikBlog: Woran liegt das? Du spielst in einer erfolgreichen Rockband, hast die ganze Welt gesehen und bist mit einer Vielzahl großer Szene-Stars auf du und du. Läuft man da nicht automatisch mit breiter Brust durchs Leben?

Nicke Borg: Nein, ganz und gar nicht. Das ganze Punkrock-Getue ist doch nur ein Teil des Ganzen. Dahinter steckt noch viel mehr. Und das ist verletzlich, unsicher und selbstkritisch. Ich sehe mich in erster Linie als Künstler, nicht als Rockstar. Und als Künstler habe ich den Anspruch, immer das Beste aus mir herauszuholen. Mein Bestes ist aber nicht immer auch das, was die Menschen da draußen als super, toll oder einzigartig empfinden. Das sind zwei Paar Schuhe. Beide gehören aber auch irgendwie zusammen. Als Künstler will ich natürlich auch, dass den Leuten meine Arbeit gefällt. Das lässt schon ganz schön Druck entstehen.

MusikBlog: Wie gehst du mit diesem Druck um?

Nicke Borg: Früher habe ich mich hinter Drogen versteckt, wenn ich nicht mehr weiter wusste. Die Zeiten sind zum Glück vorbei. Heute sind es meine Familie, meine Freunde und die Musik, die mir dabei helfen, mit all dem Gefühlschaos klarzukommen.

MusikBlog: Wie bist du von den Drogen losgekommen?

Nicke Borg: Da war zum einen mein Körper, der mir irgendwann unmissverständlich signalisierte, dass es an der Zeit war, etwas zu ändern. Und dann gab es auch noch Menschen wie Mike Ness (Frontmann von Social Distortion – Anm. der Red.) und seine Frau, die mir irgendwann die Pistole auf die Brust setzten und mir sehr eindringlich davon abrieten, meinen eingeschlagenen Weg weiter zu gehen.

MusikBlog: Du bist ziemlich dicke mit Mike Ness, richtig?

Nicke Borg: Ja, Mike ist ein großartiger Mensch, den ich nun schon seit über zwanzig Jahren zu meinen Freunden zähle. Dieser Kerl ist nicht nur ein großartiger Musiker, sondern auch ein ganz feiner Mensch. Ich weiß nicht, ob ich heute hier mit dir reden würde, wenn er nicht ein Teil meines Lebens wäre. Ich habe ihm viel zu verdanken.

MusikBlog: Du hast in den letzten Jahrzehnten auch noch andere großkalibrige Musiker kennengelernt. Ihr wart beispielsweise mit AC/DC auf Tour. Auch nette Jungs?

Nicke Borg: AC/DC waren großartig zu uns. Leider gehören sie zu einer aussterbenden Spezies.

MusikBlog: Die da welche wäre?

Nicke Borg: Ich rede von großen Stadion-Bands, hinter denen immer noch echte Menschen stecken. So ein Typ wie Angus Young wird dich nie von oben herab angucken. Das ist nicht sein Naturell. Dieser Kerl ist ein Kumpeltyp. Die ganze Band tickt so. Als wir mit ihnen unterwegs waren, haben sie uns stets gleichberechtigt behandelt. Wir hatten dasselbe Catering, immer genug Zeit für unseren Soundcheck, und großzügige Backstage-Bereiche. Wir waren eine große Familie. Da gab es keine Allüren oder dergleichen. Ich glaube, dass sich die Jungs ihrer Stellung im Business gar nicht so richtig bewusst sind. Und das ist etwas, dass es heutzutage nur noch selten gibt.

MusikBlog: Dregen war mit den Hellacopters auch mal mit Kiss unterwegs. Das soll wohl nicht ganz so entspannt gewesen sein.

Nicke Borg: Ja, ich weiß. Und genau das meine ich. Natürlich haben diese Leute das Recht, sich groß zu fühlen. Ich meine, wie viele Platten haben Kiss bisher verkauft? 100 Millionen? Und es gibt wohl auch kein Stadion auf dieser Welt, das sie noch nicht gefüllt haben. Aber es muss auch Grenzen geben. Vor allem, wenn es um Kollegen geht.

MusikBlog: Hast du Gene oder Paul selbst schon einmal getroffen?

Nicke Borg: Nur Gene.

MusikBlog: Und?

Nicke Borg: Er ist ein Arschloch.

MusikBlog: Oha!

Nicke Borg: Warum soll ich lügen? Ich will jetzt gar nicht auf Einzelheiten eingehen, so intensiv war die Begegnung auch nicht. Aber es war irgendwie eine dieser Situationen, die man sich im Nachhinein lieber hätte ersparen sollen. Ich bin selber Fan der Band. Und wenn man dann mal die Möglichkeit hat, einem seiner Helden die Hand zu schütteln, dann hat man natürlich auch große Erwartungen. So war es auch bei mir. Aber es war eine Riesenenttäuschung. Mehr möchte ich dazu eigentlich nicht sagen.

MusikBlog: Brauchst du auch nicht. Ich glaube, du bist auch nicht der erste, der keine sonderlich guten Erinnerungen an ein Meeting mit Herrn Simmons hat. Was ich auch noch irgendwo gelesen habe, ist, dass du neben überflüssigen Plaudereien mit Rockstars auch noch angewidert bist von allzu langen Konzertreisen. Ist dem wirklich so?

Nicke Borg: (lacht) Ja, das stimmt. Ich bin wohl der einzige Musiker auf der Welt, der ungern auf Tour geht.

MusikBlog: Wie kommt’s?

Nicke Borg: Keine Ahnung. Das hat sich mit den Jahren so entwickelt.

MusikBlog: Was stört dich denn am meisten am Leben on the Road?

Nicke Borg: Ich finde das komplette Paket irgendwie anstrengend. Wir waren beispielsweise erst jetzt wieder zehn Tage unterwegs. Ich glaube, wir haben in diesen zehn Tagen auf acht Festivals in sieben verschieden Ländern gespielt. Das ist Stress pur. Zumindest für mich. Das einzige, das mich in diesen Tagen am Leben hält, ist die allabendliche Show. Diese eine Stunde biegt alles wieder gerade. Ohne die, würde ich wahrscheinlich das ganze Jahr über mit dem Arsch zu Hause bleiben. Ich brauche dieses ganze Rumgereise nicht. Hab ich noch nie.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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