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Le Very (Credit eightydays)

Le Very – V

Sommerhit gefällig? Das Berliner Quintett Le Very hätte da einen Vorschlag: ihr Song „Numbers“ läuft nicht ohne Grund im Radio rauf und runter. Die Mischung aus Italo-Pop-inspirierter Leichtigkeit inklusive eingängigem Refrain ist einfach unwiderstehlich. Das dazugehörige in Rom gedrehte Video unterstreicht die sonnige, euphorische Stimmung, Dolce Vita pur.

Le Very haben aber mehr zu bieten als lockerflockigen Feelgood-Pop. Schon die Bandaufstellung (neben drei MusikerInnen gehören die Tänzerinnen Nuria Ranjana und Ada Sternberg fest zur Formation) ist ungewöhnlich, der künstlerische Ansatz ist es auch. Die Gruppe um Mastermind Nikolas Tillmann hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Grenzen dessen, was im Pop möglich ist, zu erweitern und zu überschreiten. Ihre Auftritte sind Gesamtkunstwerke aus Musik, Bewegung und Licht, eher Performances als reine Konzerte.

Le Verys erste EP „Playground“, die die Band vor gut einem halben Jahr kostenlos ins Netz stellte, klang so überzeugend, dass Zoot Woman die Berliner als Supportact für ihre Europatour engagierten. Dank dieses überraschenden Erfolgs und der ungeahnten (auch ungewohnten) Aufmerksamkeit war die Sache klar: Le Very machen weiter und zwar in groß. Nikolas Tillmann beschreibt die Musik seiner Band als „wildes, geiles und völlig unkalkulierbares Risiko“ – dieses Zitat könnte allerdings falsche Erwartungen schüren, schließlich sind Le Very nicht Bonaparte. Die elf Stücke ihres schlicht „V“ betitelten Debütalbums sind vielmehr eine eklektische Achterbahnfahrt, ein buntes Pop-Kaleidoskop.

Sänger und Gitarrist Tillmann, Keyboarderin und Sängerin Naemi Simon und Schlagzeuger/Saxophonist Milian Vogel lieben catchy Pop, Soul und R’n’B auf elektronischer Basis und scheuen sich nicht vor kitschverdächtigen Details wie Achtzigerjahre-Saxophon-Soli und ähnlichem. Songs wie „Opus 77“ sind Perlen, die man auf Alben von Phoenix finden könnte, mit „Obvious“ und „Hoatzin is Rising“ fehlen auch schmachtende Balladen nicht. Beim ersten Durchgang wirken die Songs beinah zu perfekt – doch bei mehrmaligem Hören entpuppt sich die wahre Qualität von Le Very: Sie setzen Haken und Ösen an den richtigen Stellen, was dazu führt, dass sich der vermeintlich glatte Ohrwurm wirklich festsetzt. Die doppelten Böden sind häufig in den Lyrics versteckt, „Casa Nostra“ zum Beispiel ist keineswegs so unbeschwert, wie man zunächst denken könnte: „I am young / and I’m running free / still I’m lost in possibilities“ – ganz schön nachdenklich, Großstadt-Melancholie. „Let It Out“ dagegen ist ein klarer, anarchischer Aufruf zum Rauslassen der Gefühle: „If you’re inflamed, let it out / spit it from north to the south / don’t you explain.“

Die Songs von Le Very sind vielschichtig, vielgestaltig und können in ihrer Unterschiedlichkeit durchaus verwirren – dank Nikolas Tillmanns samtig-freundlicher Stimme fühlt man sich jedoch jederzeit bestens aufgehoben in „V“. Von Le Very werden wir viel mehr als nur einen Sommerhit bekommen, das ist schon mal klar.

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