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Matteo Capreoli (Credit PIAS)

Matteo Capreoli – Zuhause – Wortakrobatik trifft Herzpoesie

Brauner Lockenkopf, Vollbart und lässige Kleidung – der junge Folk-Musiker Matteo Capreoli hat von seiner äußeren Erscheinung alles, was einen Vollblutmusiker ausmacht. Capreoli ist ein Songwriter und Multiinstrumentalist, wie er im Bilderbuche steht, dabei aber nicht zu perfekt oder etwa gekünstelt. Und so klingt der gebürtige Schwabe, geboren in Reutlingen, auch.

Nach Zwischenstation in Stuttgart hat sich Capreoli 2012 für Hamburg als Heimat der Wahl entschieden. Hier lernte er viele Künstler, unter anderem Samy Deluxe, kennen und wird dort Teil von Samy Deluxe‘ KunstWerkStatt. Er arbeitet in der Folgezeit zwar als Musiker und Produzent auch oft mit Hip-Hoppern wie Flo Mega, Nico Suave oder eben Samy Deluxe zusammen, aber hauptsächlich konzentrierte sich Matteo Capreoli darauf seine eigenen Vorstellungen in Songs umzusetzen.

Matteos Vater, selber Schlagzeuger, schenkte ihm schon als Kind sein erstes Drum-Kit. Später lernte er dazu noch Klavier und Gitarre. Mit dem Singen entdeckte er dann auch das Songwriting. Noch in Stuttgart veröffentlicht er im Alleingang auf einem kleinen Label seine ersten Mini-Alben „Ein Stück Geschichten“ (2010) und „Ein Stück Gute Zeit“ (2011).

Verliebt, selbstbewusst und sorglos singt sich Capreoli durch seine Platte „Zuhause“, stets darauf bedacht, das folkige Flair der 1970-er Jahre in die heutige Zeit zu transportieren. Der Wahlhamburger schafft eine moderne Interpretation des Soul-Folk, der an den Stil von Mumford And Sons erinnert – Retroklänge gepaart mit einer ordentlichen Portion Hipstertum? Keinesfalls: Capreoli ist ein rastloser Wohlfühltyp, ein Entdecker und Fernreisender, kein Schubladentyp. Einfach sich selbst treu bleiben, verliebt sein, das Leben von seiner schönen Seite genießen, das ist das Gebot der Stunde, Capreolis Credo, das auch im Titeltrack „Zuhause“ deutlich wird: „Hab gelernt, dass der Ort keine Rolle mehr spielt / Um das zu erkennen, musst‘ ich erstmal zu Dir / Jetzt bin ich hier / Und es fällt mir nicht schwer, von Dir zu gehen / Denn wenn ich wiederkomm‘ freu ich mich, Dich zu sehen“.

Das Gefühl von Heimat ist bei Capreoli nicht an einen Ort gebunden. Zuhause ist da, wo das Herz zuhause ist, behaftet im Hier-und-Jetzt. Zuhause ist da, wo man auch einmal loslassen kann, um eines Tages wiederzukommen („Bus“): „Alle rein in den Bus, auf große Fahrt / Das Leben will immer dahin, wo es noch nicht war“. Zwischen den Songzeilen steht es geschrieben: Ihr seid verdammt nochmal jung, frei, nutzt eure Zeit, macht was draus.

„Zuhause“ ist erfüllt von lässigen Akustik-Songs, atmosphärischen Melodien und erfrischenden Tönen. Ein Gefühl von Sommer im deutschen Spätsommer. Das Album macht nicht nur einen Sprudel der Emotionen durch, es ist Zeugnis einer Entwicklung, der Reifeprozess eines kleinen Jungen zum Mann. Dort, wo „Zuhause“ eher kindlich-naiv daherkommt, transformiert es im Mittelteil zu einer spätpubertierenden Selbstbezogenheit („Kann ich“, „Heute nur bis Morgen“).

Am Ende ist die Genese perfekt: Aus dem kleinen Jungen ist ein gestandener Mann geworden („Neuer Tag“, „Das Beste“), irgendwie erwachsen, selbstkritischer und zweifelnder. Das Plattenfinale mit „Die Zeit (der Alchimist)“ und „Landstreicher“ überrascht durch vorher im Album nie dagewesene Klänge. Die Transformation, die Capreoli in seinem Album durchmacht, ist authentisch. Sie steht für Veränderung, denn Stillstand ist Rückstand, in jeglicher Hinsicht.

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