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Die Leute damals waren ein bisschen echter – Stereophonics im Interview

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Schon keine schlechte Bilanz, die die Stereophonics nach 23 Jahren ziehen können: Neun Studioalben, von denen es fünf immerhin auf Platz 1 der englischen Charts schafften. Diverse Awards gewonnen. Tourneen durch große Hallen. Und auch der yellow press-affine Sektor der englischen Musikpresse hatte in Songwriter und Bandkopf Kelly Jones zeitweise ein beliebtes Zielobjekt. Unter dem Strich zählen die Waliser damit zu den erfolgreichsten Bands in England.

Mit „Graffiti On The Train“ nahm Kelly Jones 2013 sein bislang ehrgeizigstes Projekt in Angriff. Basierend auf einem von ihm verfassten Drehbuch sollte die Geschichte zweier Jungs aus einer Kleinstadt zu einer Alben-Trilogie werden. Die Idee wurde zwar schnell wieder fallengelassen, aber immerhin hatte die Band bei den Sessions zu dem Album über dreißig Songs aufgenommen. Ein Teil dieser Songs wurde neu eingespielt und ist jetzt auf „Keep The Village Alive“ zu hören. Das Album ist zwar nicht als Fortsetzung von „Graffiti On The Train“ gedacht, aber thematisch bewegt es sich immer noch auf demselben Grund wie sein Vorgänger. Denn auch die neuen Songs wurden durch Jones‘ Drehbuch inspiriert.

Erfahrung mit bewegten Bildern hat Kelly Jones, denn bevor es mit den Stereophonics richtig los ging, studierte der 41-jährige an einer Filmschule. Wir sprachen mit ihm über das Album, seine Filmaktivitäten, die Neunziger, Erfolg, sein jüngeres Ich und noch ein paar andere nette Sachen.

MusikBlog: Hi Kelly. Es schaffen nicht viele Bands, neun Alben zu veröffentlichen. Wie sind deine Gefühle? Siehst du das inzwischen eher abgeklärt oder bist du immer noch aufgeregt?

Kelly Jones: Es ist immer noch eine spannende Sache, ein neues Album rauszubringen. Ich zähle sie eigentlich auch nicht. Ich habe einfach immer noch Spaß daran, neue Musik zu produzieren und bin wirklich stolz auf das neue Album.

MusikBlog: „Keep The Village Alive“ greift die Story, die dem Vorgängeralbum „Graffiti On The Train“ zugrunde liegt, wieder auf. Die Geschichte von zwei Jungs aus einer Kleinstadt und ihren Erfahrungen. Manche der Songs auf dem neuen Album hattest du schon 2013 geschrieben. Es war damals sogar mal geplant, eine Alben-Trilogie daraus zu machen.

Kelly Jones: Das neue Album ist allerdings nicht wirklich eine Fortsetzung von „Graffiti On The Train“. Die Aufnahmen hängen zwar schon miteinander zusammen. Aber eigentlich sind es doch zwei sehr unterschiedliche Platten. „Graffiti On The Train“ ist sehr filmisch. Eher düster und mit Orchester. „Keep The Village Alive“ ist dagegen direkt zugänglich, hell und positiv. Aber wir hatten bei beiden denselben Ansatz. Wir sind ins Studio gegangen, um Musik zu machen und sie dann aufzunehmen. Wir wollten nicht einfach ein Studio buchen und dann in sechs Wochen eine komplette Platte raushauen. Ja, es gab mal einen kurzen Moment, in dem wir dachten, daraus ein Doppel-Album oder etwas Ähnliches zu machen. Aber einige Songs auf „Keep The Village Alive“ wurden auch noch später geschrieben. Wir haben die zehn ausgesucht, die als Album am besten zusammen passen.

MusikBlog: Aber inhaltlich sind beide Alben durch die Geschichte um die zwei Jungs anscheinend doch schon miteinander verknüpft.

Kelly Jones: „Graffiti On The Train“ ist eigentlich ein Drehbuch, an dem ich damals gearbeitet habe. Und die Songs der beiden Alben sind thematisch schon damit verbunden. Aber eher locker. Musik und Drehbuch haben sich mit der Zeit dann doch jeweils in eine andere Richtung entwickelt. Aber das Script hat mir somit schon die Basis für die Songs gegeben. Allerdings ohne mich dabei vollkommen einzuengen und mich strikt daran zu halten zu müssen. Das war schon eher ein freier Prozess. Das Drehbuch hat die Themen beider Platten inspiriert und deshalb hängen sie also auch inhaltlich zusammen.

MusikBlog: Anscheinend hast du inzwischen wieder an deine eigentliche Ausbildung angeknüpft. Denn bevor es mit Stereophonics richtig los ging, warst du ja an einer Filmschule.

Kelly Jones: Unter anderem habe ich damals gelernt, wie man Drehbücher schreibt. Ich schreibe eben gerne Geschichten. Viele meiner Songtexte haben auch etwas sehr Visuelles. Das Schreiben setzt das in einem anderen Bereich um. Im Moment arbeite ich an ein paar Drehbüchern. Für mich ist es eine Art Erweiterung des Storytellings meiner Songs. Und dadurch, dass ich inzwischen bei unseren Videos Regie führe, versuche ich auch in diesem Bereich mehr praktische Erfahrung zu bekommen. Ich hoffe, dass ich dann irgendwann in den nächsten Jahren mal so etwas wie einen Film machen werde.

MusikBlog: Wie sieht es denn konkret mit dem „Graffiti On The Train“-Filmprojekt aus? Kannst du schon absehen, wann Du damit loslegen kannst?

Kelly Jones: Im Moment versuche ich noch, die Finanzierung auf die Beine zu stellen. Aber ich hoffe, dass ich mit den Vorbereitungen nächstes Jahr fertig bin und dann die Umsetzung anfangen kann. Momentan konzentriere ich mich aber natürlich erstmal auf die Musik und bin mit der Band unterwegs, um die neuen Songs zu spielen.

MusikBlog: Und wer würde die Musik für den Film schreiben? David Arnold? Er hat ja auch auf „Graffiti On The Train“ und „Keep The Village Alive“ ein paar schöne Arrangements geschrieben.

Kelly Jones: Wir arbeiten ziemlich gut zusammen. Ich habe ein paar rohe Arrangements auf dem Keyboard gemacht. Dann haben wir uns zusammengesetzt und David hat diese Arrangements dann mit seinen genialen Fähigkeiten weiterentwickelt und schließlich mit einem sechsköpfigen Streicherensemble aufgenommen. Ich bin mir sicher, dass wir auch in Zukunft noch mal zusammenarbeiten werden. Wir verstehen uns auch menschlich ziemlich gut.

MusikBlog: Sprung zurück in die Vergangenheit: 1997 – also genau zu der Zeit, als du den Anruf von Richard Branson bekommen hast, in dem er dir mitgeteilt hat, dass er euch gerne als erste Band auf seinem neuen Label haben würde, hattest du auch die Chance, ein Drehbuch für die BBC zu schreiben. Ich kann mir denken, dass du dir auch schon mal die berühmte „Was wäre gewesen, wenn …“-Frage gestellt hast. Also, wie dein Leben verlaufen wäre, wenn du der BBC „Ja“ und Branson „Nein“ gesagt hättest.

Kelly Jones: Ich bin mir sicher, dass wenn es mit der Musik nicht geklappt hätte, mein Leben trotzdem etwas mit Kunst zu tun hätte. Ich hätte es damals dann wohl weiter im Schreibbereich versucht. Es ist eben meine Stärke, dass ich meine Vorstellungskraft in Geschichten und Bilder umsetzen kann. Aber dankbarerweise und glücklicherweise kann ich in meinem Job jetzt beides miteinander verbinden. Es hat sich alles für mich im bestmöglichen Sinn entwickelt. Diese ganze Erfahrung, die ich durch das Reisen bekommen habe, hat zum Beispiel meine Phantasie mit einer Unmenge von Geschichten angereichert.

MusikBlog: Euer erstes Album „Word Gets Around“ kam damals gerade noch rechtzeitig, um euch noch etwas bei der großen Brit-Pop-Party mitmischen zu lassen. Das war schon eine ziemlich quirlige, bunte Phase in der englischen Rockmusik.

Kelly Jones: Ja, es war eine sehr kreative Zeit für die britische Kultur. Und es war großartig, ein Teil davon zu sein. Bei diesen ganzen Events und Szenen mit dabei gewesen zu sein. Aber uns ging es schon immer darum, uns weiterzuentwickeln und uns niemals auf etwas auszuruhen, das wir vorher schon mal gemacht haben. Wir haben immer versucht, im Jetzt präsent zu sein. Und das ist großartig. Diesen Sommer haben wir zum Beispiel viele Festivals mit neuen, jungen Bands und Musikern gespielt. Wir standen auf derselben Bühne wie George Ezra, Ellie Goulding und andere junge Musiker. Und wir sind immer noch relevant. Nach über zwanzig Jahren machen wir immer noch Musik, die gehört wird und die von den Leuten mitgesungen wird. Es war toll für uns Teil von etwas gewesen zu sein, aber wir haben immer versucht, nach vorne zu blicken und neue Dinge zu tun.

MusikBlog: Was fällt dir auf, wenn du die Musikszene der Neunziger mit der aktuellen vergleichst? So ein nettes Pressefeuerwerk wie damals zwischen Blur und Oasis kann man sich heute zum Beispiel nicht mehr so ganz vorstellen.

Kelly Jones: Heute passiert vieles nur noch über social media und nicht mehr über journalistische Medien. Künstler kommunizieren größtenteils über Instagram, Twitter, Facebook etc. Sehr viele neue Musiker sind darin geschult, wie sie diese Medien nutzen können und sagen auch immer nur die richtigen Sachen. Es ist alles viel diplomatischer als früher. Es hat damals einfach mehr Spaß gemacht. Diese ganzen Spielchen, die zwischen den Musikern und der Presse abliefen, wir hatten Spaß daran. Aber klar, ist eben eine andere Zeit. Heute erzählt einem jeder alles aus seinem Privatleben, anstatt einfach auch mal den wilden Mann rauszulassen.

MusikBlog: In der Rückschau hat man schon ein bisschen den Eindruck, als wäre damals noch eine Prise Rock ‚n‘ Roll mehr in der Rockmusik gewesen. Zumindest mehr Aufmüpfigkeit.

Kelly Jones: Ja. Es kommt mir vor, als wären die Leute damals ein bisschen echter gewesen. Man konnte mehr von der Seele eines Menschen erkennen. Ich denke, ein Hauptbestandteil dieser ganzen social media-Geschichte ist enorme Eitelkeit. Jemand postet etwas und hofft, dafür belohnt zu werden. Und das am besten sofort. Das war früher nicht so.

MusikBlog: Immerhin seid ihr eine der wenigen Bands aus den Neunzigern, die immer noch aktiv sind. Und das über die Jahre auch ziemlich erfolgreich. Was bedeutet dir Erfolg oder so etwas wie Prominenz?

Kelly Jones: Ich habe kein besonderes Interesse am Berühmtsein. Aber ich komme aus einer Gegend, in der die Leute keine guten Jobs bekommen können. Oder sie haben überhaupt keine Arbeit. Deshalb bedeutet Erfolg für mich, morgens aufzustehen und einen Job zu machen, den ich liebe. Das ist klasse! Ins Studio zu gehen, um Musik aufzunehmen. Zu touren und vor Publikum zu spielen. Jeden Tag zu versuchen, ein besserer Musiker zu werden. Das bedeutet Erfolg für mich. Den Job zu machen, den ich wirklich liebe.

MusikBlog: Neun Alben sind eine Menge Songs. Hörst Du Dir manchmal die alten Sachen an?

Kelly Jones: Manchmal schon. Zum Beispiel, wenn wir ein paar alte Songs wieder lernen müssen, die wir schon vergessen haben. Aber es ist interessant, sich die alten Platten wieder anzuhören. Besonders, wenn man gerade ein neues Album macht. Einfach nur, um mal zu hören, wie damals etwas produziert worden ist oder so etwas.

MusikBlog: Und was empfindest du dabei? Muss komisch sein, so seinem jüngeren Ich wieder zu begegnen.

Kelly Jones: Es ist schon etwas seltsam, sich die Sachen wieder anzuhören, die man als junger Mann geschrieben hat. Manchmal macht es Spaß. Aber es kann auch schon eine etwas verwirrende Geschichte sein. Es ist so ein bisschen wie ein Tagebuch. Es ist ja immerhin zwanzig Jahre her und seitdem gab es einige „Auf und Ab“-Zirkel in meinem Leben.

MusikBlog: Wie siehst du heute den jungen Mann, der damals diese Songs geschrieben hat?

Kelly Jones: Tja, mein jüngeres Selbst. Er ist ein sehr selbstsicherer Mann und ziemlich eigensinnig. Sehr leidenschaftlich. Nach drei, vier Alben fing er an, nicht mehr ganz so selbstsicher zu sein. Er wurde etwas dünnhäutig, wenn andere Menschen ihm ihre Meinung über ihn sagten. Aber nach einer Weile hat er sich wieder gefunden und fühlte sich wieder ganz wohl in seiner Haut. Man durchlebt eben viele Phasen im Leben. Und wenn man bekannt ist, muss man eben damit klar kommen, dass andere Leute ihre eigene Sichtweise zu dem haben, was man macht. Und wenn Du dich unsicher fühlst, kann das manchmal schon etwas schwierig werden. Aber seit den letzten zwei, drei Alben bin ich wirklich zufrieden und stolz auf das, was ich mache. Ich habe inzwischen Vertrauen in meine Fähigkeiten.

MusikBlog: Bleibt eigentlich noch etwas übrig, das man erreichen möchte, wenn man es geschafft hat, als Band über zwanzig Jahre zu überleben und mit seiner Musik sogar immer noch recht erfolgreich ist?

Kelly Jones: Ach, da gibt es noch einiges. Wir sind ja nicht überall so bekannt wie in England. In anderen Ländern ist das schon recht unterschiedlich. Ich möchte, dass noch mehr Leute unsere Musik kennenlernen. Das Hauptziel ist natürlich, weiter Musik zu machen, die spannend ist und dem entspricht, was wir sind, was wir tun und ehrlich das widerspiegelt, wer wir sind. Ich möchte das solange machen, wie es geht. Und ich möchte es mit ein paar Filmsachen verbinden. Ich möchte keine Angst davor haben, immer wieder etwas Neues auszuprobieren.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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