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Ich habe noch nie so hart an etwas gearbeitet – Baio im Interview

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Wenn Musiker von großen Bands zwischen Tourneevorbereitungen und Albumproduktionsphasen nicht wissen, wohin mit ihrer Zeit, verbarrikadieren sie sich bisweilen ganz gerne im stillen Kämmerlein und stampfen auf die Schnelle ein Solo-Projekt aus dem Boden. Chris Baio, seines Zeichens Bassist der New Yorker Grammy-Combo Vampire Weekend kennt dieses Dranggefühl, sich irgendwann einmal auch selbst verwirklichen zu wollen. Nur mit der Huschihuschi-Mentalität vieler seiner Kollegen wollte er nichts zu tun haben. Chris Baio ließ sich lieber Zeit. Ganze fünf Jahre schraubte der Bassist an seinem Solo-Debüt. Am Freitag erscheint es endlich. Es heißt „The Names“ und präsentiert den New Yorker auf den Spuren seiner Helden. Wie die heißen, verrät uns Chris Baio im Interview.

MusikBlog: Hi Chris: Dein erstes Soloalbum steht in den Startlöchern. Bist du dieser Tage aufgeregter als vor der Veröffentlichung eines neuen Vampire Weekend-Albums?

Chris Baio: Auf jeden Fall! Ich glaube, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so hart an etwas gearbeitet. Dieses Album hat ein halbes Jahrzehnt meines Lebens verschlungen. Das ist schon eine verdammt lange Zeit.

MusikBlog: Aber es hat sich doch gelohnt, oder?

Chris Baio: Definitiv. Ich bin super glücklich mit dem Ergebnis.

MusikBlog: Hast du dir deswegen so viel Zeit genommen, weil du das Album quasi im Alleingang aus der Taufe heben wolltest?

Chris Baio: Ja, das war ein entscheidender Punkt. Ich habe ja nicht nur alles selbst eingespielt. Ich habe das Album auch noch komplett in Eigenregie produziert. Es gehört sozusagen mir allein. (lacht) Es ist mein Baby.

MusikBlog: Wenn das Ergebnis dann überzeugt, ist es für den Verantwortlichen natürlich eine feine Sache. Er erntet alle Lorbeeren. Geht’s allerdings schief…

Chris Baio: …bekommt derjenige – in diesem Fall ich – aber auch als einziger sein Fett weg. Ja, ich weiß, es ist ein Ritt auf Messers Schneide. (lacht) Aber ich bin überzeugt von der Qualität des Albums. Insofern mache ich mir keine allzu großen Sorgen. Und sollte es dennoch nach hinten losgehen: So What? Wichtig ist eigentlich nur, dass ich mit dem Ergebnis leben kann. Und das kann ich.

MusikBlog: Als ich den ersten Durchlauf des Albums hinter mir hatte, musste ich sofort an drei große Künstler der Achtziger denken.

Chris Baio: Lass mich raten: David Bowie, Bryan Ferry und Martin Gore?

MusikBlog: Wow! Knapp daneben. Statt an Martin Gore, dachte ich eher an Dave Gahan. Aber das ist ja eigentlich Jacke wie Hose. Findest du es nicht beängstigend, dass es Leute gibt, die sofort andere Gesichter vor Augen haben, wenn es um deine Musik geht?

Chris Baio: Nein, das stört mich nicht. Ganz im Gegenteil. Das Album ist ja letztendlich nichts anderes, als eine Hommage an die Künstler, die mich einst inspiriert haben.

MusikBlog: Für mich klingt das Album aber nach mehr. Da steckt auch ganz viel Gegenwart drin. Ich finde, dir gelingt ein beeindruckender Brückenschlag zwischen alt und neu.

Chris Baio: Oh, das freut mich. Natürlich ging es mir nicht ausschließlich nur um den musikalischen Kniefall. Ich wollte auch mein eigenes Gefühl für Musik mit einbinden.

MusikBlog: Was war für dich denn das Herausforderndste bei diesem Album?

Chris Baio: Mein Gesang. Ich hatte jahrelang nicht mehr richtig gesungen. Als es dann darum ging, Texte zu schreiben und mich vor ein Mikrofon zu stellen, war das schon ein komisches Gefühlt. Ich denke, dass die Stimme immens wichtig ist. Sie ist wie ein weiteres Instrument. Und wenn man merkt, dass alle anderen Instrumente perfekt miteinander harmonieren, will man natürlich auch den Gesang perfektionieren. Ich will jetzt nicht behaupten, dass ich eine außergewöhnlich tolle Stimme habe. Aber ich habe hart an mir gearbeitet, viel experimentiert, und erst dann auf den Aufnahmeknopf gedrückt, als ich das Gefühl hatte, dass es wirklich passt.

MusikBlog: Du hast bereits mit zwei EP-Veröffentlichungen („Mira“, „Sunburn“) vorgefühlt. Waren das bewusste Testfahrten, um zu gucken, wie die Öffentlichkeit auf deine Solosachen reagiert?

Chris Baio: Ja, irgendwie schon. Es ging mir aber auch darum, mich selbst erst einmal an das große Ganze heranzutasten. Ich habe ja schon vor meinem Vampire Weekend-Einstieg Musik gemacht und produziert. Als ich dann in die Band kam, war ich ein glücklicher Bassist, aber ein unzufriedener Produzent. Es hat drei Jahre gedauert, ehe ich wieder happy mit meinen eigenen Sachen war. Ich war irgendwie raus. Das war ein ziemlich schwieriger Prozess für mich. Irgendwann hat es dann aber gepasst. Aber ich wollte nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Also habe ich erst einmal kleinere Brötchen gebacken. Das war wichtig für mich.

MusikBlog: Das klingt nach einem Menschen, der sich seiner Fähigkeiten lange Zeit nicht bewusst war?

Chris Baio: So fühlte ich mich auch. Man braucht ein anderes Selbstbewusstsein, wenn man Dinge selbst in die Hand nimmt. Ich kann mich noch an einen großen Vampire Weekend-Gig in London erinnern. Das ist jetzt, glaube ich, sechs oder sieben Jahre her. Ein Tag vor der Show war ich unterwegs und landete in einer Bar, in der auch eine kleine Bühne stand. Dort spielte irgendwann ein Typ mit einer Gitarre vor vielleicht 25 Leuten. Und ich dachte mir: Wow! Ich hätte nicht den Arsch in der Hose, mich dort hinzustellen. Es ist ein Unterschied, ob man vor 20.000 Fans als Teil eines Kollektivs auf die Bühne hüpft oder sich mit der Gitarre im Arm auf einen Stuhl setzt und vor 25 Leuten sein Seelenleben ausbreitet. Ich war lange Zeit nicht bereit dafür.

MusikBlog: Glücklicherweise hast du den Schalter umlegen können. Anfang September konnte man dich in Berlin erstmals live erleben. Planst du, das ganze Projekt live noch auszuweiten?

Chris Baio: Ja, auf jeden Fall. Ich könnte keine Platte aufnehmen, ohne mit den Songs irgendwann auch mal auf Tour zu gehen. Das Live-Spielen ist wie der Nachtisch eines Fünf-Gänge-Menüs. (lacht) Darauf will niemand verzichten. Ich hoffe, dass wir dahingehend noch mehr auf die Beine stellen können.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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