Lucero – All A Man Should Do – progressiver Südstaaten-Rock

Lucero ist eine dieser Bands, die auf einer kompletten Aufnahme mit maximal fünf Sound- und Melodie-Ideen auskommt und dabei brillant klingt. Die Jungs aus Memphis, Tennessee, die sich mehr dem amerikanischen Alternative Country als dem Punk-Rock verschrieben haben, sind dabei alles andere als unvorhersehbar. Wiedererkennbarkeit ist ihre Stärke – und die zelebrieren sie offensiv, Platte für Platte, Song für Song.

Im Good Old Germany ist Lucero um Frontmann Ben Nichols noch weitestgehend unbekannt, obwohl sie bereits zahlreiche Alben vorgelegt haben. Seit ihrem sechsten Studioalbum “1372 Overton Park”, das 2009 schließlich bei einem Major-Label erschienen ist, hat sich die Band auch eine treue Fangemeinde in Deutschland erspielt, die nach den jahrelangen harten Tourneen durch Amerika jedoch nicht mit der aus Übersee zu vergleichen ist. 1998 starete Lucero als reine Punkband. Böse Zungen behaupten, dass es diesen Punkrock in schnöder Lucero-Manier nie gegeben hat. Seit “Tennesse” (2002) verschrieb sich die wechselnde Besetzung dem Alt.country. Ihren Sound reicherten sie später mit Southern Rock an und spätestens seit “1372 Overton Park”(2009) haben sie ihrer Klangpalette eine ordentliche Prise Memphis-Soul beigemischt.

Lucero liefern mit ihrem neuen Album “All A Man Should Do” eine sichere Nummer: Wohlfühl-Gitarrenrock, rau bis roh, stets im gleichen Tempo, sägende Stimme. Southern Rock à la Lucero ohne viel Variation? Mag sein, dafür mit Stil und Klasse, männlich und imponierend, nicht etwa weinerlich, keine bemitleidenswerten Herzschmerz-Momente bei Lucero. Da klingt sogar die abgedroschene Phrase “Baby don’t you want me” so, als würde der Sänger die Frau auf Händen tragen, um sie kämpfen, ihr nicht hinterherweinen.

“All A Man Should Do” ist der Nachfolger zu “Women And Work” (2012), beginnt stark und ohrwurmverdächtig (besagtes “Baby Don’t You Want Me” sowie “Went Looking For Warren Zevon’s Los Angeles”), wird dann wehmütiger (“The Man I Was”) und verhaltener gegenüber den Openern, bleibt aber durchweg dynamisch (“Can’t You Hear Them Howl”) und trägt eine bemerkenswerte Energie in sich (“I Woke Up In New Orleans”), büßt nichts ein. Die zweite Hälfte der neuen Platte wird dann zunehmend ruhiger, femininer (“I’m In Love With A Girl (Big Star)”, “My Girl And Me In ’93”), hält inne, um zum Ende hin – richtig! – nicht mehr durchzustarten. Vielleicht haben hier Lucero keine so kluge Anordnung ihrer Songs gewählt. Einmal geshuffelt, wird man jedoch wieder versöhnt.

“All A Man Should Do” ist eine Liebeserklärung an die Heimat, die Songtexte sind Geschichten, die das Leben so schreibt. Lucero, verirrt euch gerne in den Playlists, Streamingdiensten oder – ganz klassisch – in den Schallplatten- und CD-Spielern dieser Republik, und bleibt euch treu dabei! Bleibt einzigartig, auch man euch gerne etwa mit Chuck Ragan, The Hold Steady oder Drive-By Truckers vergleicht.

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