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Ought (Credit Colin Medley)

Ought – Sun Coming Down

Den Indie-Hype um Ought im letzten Jahr konnte ich ja nicht gänzlich mitgehen. Gutes Debüt, ja, aber sensationelles Post-Punk-Opus? Nein, zuviel einer Kopie der unerreichbaren Sonic Youth steckte für mich in Oughts grünschnäbeligem Debüt „More Than Any Other Day“.

Doch Holla die Waldfee, auf dem Zweitwerk schält sich nicht nur eine autonome Post-Punk-Identität des Montrealer Quartetts heraus, auf „Sun Coming Down“ findet ihr puzzleiger Anti-Rock-Sound zu einem ganz prächtigen Gesamtbild zusammen.

Dabei standen die Zeichen auf schnelles Verheizt-werden: in den Kritikerhimmel gelobtes Debüt, schnell nachgeschossene EP mit Album-B-Seiten und ollen Kammellen aus den wackeligen Anfangstagen, und nur ein Jahr später bereits das Album Nummer Zwei. Einen Jake Bugg hat’s die Meriten gekostet.

Ought hingegen scheinen ihren Platz im ambivalenten Rock-Geschäft gefunden zu haben und vor allem: Sie scheinen gekommen zu sein, um zu bleiben. Dem bluesig-melancholischen Grundton ihrer Klangwelt wohnt eine gewisse Ernsthaftigkeit inne, oder zumindest Scheu vor plumper musikalischer Hedonie.

Doch ist das Zünglein an der Unterschiedswaage zum ersten Album für mich die Tatsache, dass „Sun Coming Down“ trotz gleich gebliebener Grundierung richtig Freude macht. In welch Gefühlswelten man auf „Man For Miles“ und „Beautiful Blue Sky“, den hervorstechendsten und längsten Songs des 40-Minüters, mitgenommen wird, ist herzerwärmend – und das will was heißen beim kühlen, verkopften Genre Post-Punk.

Ought, die Montrealer DIY-Band aus dem Kunst-Uni-Milieu, die die Quebecer Studentenunruhen von 2012 miterlebt haben und für die politische Positionierung und Unterhaltung sich nicht ausschließen, haben ihre Vielstimmigkeit, ihr Geschrammel, ihren Punk, ihren sehr ansprechenden, individuellen Gesang und ihre verquer-schöne Hymnik sortiert bekommen auf „Sun Coming Down“ und rechtfertigen ihre Vorschusslorbeeren nun doch auf überzeugende und imposante Weise.

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