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Peaches – Rub

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Ach, Peaches. Weit vor „Feuchtgebiete“ hast du eine feministische Provokation musikalisch ausformuliert, die sich mal sehr notwendig, relevant und wichtig angefühlt hat. Die Selbstbefreiung der von Männern eingezwängten Sexualität der Frau; radikale Abkehr der Schönheits- und Sauberkeitszwänge, die nur für Frauen nicht aber für Männer gelten; die Frau muss dürfen, was Mann schon immer im gesellschaftlichen Konsens erlaubt war, ihre Sexualität ausleben, sie kulturell ausformulieren; ein Single-Mann der One-Night-Stands hat bekommt high-fives, eine Frau das Label Schlampe. Das alles steckte mal in deiner Musik, Peaches.

Ganz ähnlich also wie Charlotte Roche in ihrem literarisch mäßigen Skandalroman, ging es bei Peaches neben den fetten Beats vor allem um eine Veränderung des Rollenverhaltens der Geschlechter: Ein Verhalten, welches „das Verstecken der eigenen Kreatürlichkeit“ der Frau verlangt, wie mal eine „Feuchtgebiete“-Rezensentin schrieb. Schweißflecken bei Männern? Sexy. Wer furzt laut im Film, wer darf laut rülpsen, wie läuft Homer Simpson zu Hause rum? So lange Motherfucker und nicht Fatherfucker ein gängiger Vulgarismus ist, so scheint es, ist was dran an deiner Anklage, Merill Nisker aka Peaches.

Insofern: keine Kritik. Das Problem aber, liebe Peaches, am zynischen künstlerischen Weg der Gesellschaftsreform – also anstatt die MC Frauenärzte dieser Welt zu bekämpfen, lieber ihr weibliches, satirisches Pendant zu werden, um den Männern dieses obszöne Terrain streitig zu machen – der Haken daran ist einfach: ist das so viel besser auf Dauer? Auf deinem fünften Album „Rub“ verwandelst du dich zusehends von einer aufsehen erregenden, feministischen Provokateurin in einen Treppenwitz. Du bist langsam aber sicher wie der Berliner Stadtteil Wedding: Seit Jahren permanent am Kommen.

Wie ein Dauerporno der nicht enden will penetrierst du mit deinen Skandalverhalten, forderst Schwänze und tabubrechenden Sex, fragst „who’s jizz is this?“, wieder und wieder und wieder. Wenn Frauen sanktionslos sich so verhalten dürfen wie Männer sind wir also endlich quitt? Ich finde nicht, dass das der richtige Weg ist, Peaches. Ich finde nicht, dass wir das immer noch auf deinem fünften Album, 15 Jahre nach deiner Berliner Electro-Clash-Revolution, brauchen. Auf „Rub“ wirkst du, als kämpfst du um die beatgeile, skandal-affine, urbane und junge Mittelschicht, die diese Proletensimulation namens Die Antwoord geil und rebellisch findet. Niveaulos im Club, Bestnote in der Uni.

Dafür war dein Anliegen ursprünglich mal zu wichtig – eigentlich. Doch alles was auf „Rub“ davon übrig bleibt, ist „dick, dick, dick, two balls and one dick“ und „rub my clit“ und „drink my spit“. Einzeln für sich genommen, können Tracks wie „Dick In The Air“, „Pickles“ oder „Dumb Fuck“ freilich kurzweiligen Spaß bringen.

Aber wo ist die Vielschichtigkeit deines letzten sehr guten Albums? In 2009 hängen geblieben, scheint es. Von einer lauten energiegeladenen Feministin hast du dich in eine unappetitliche Domina verwandelt. Sex, Sex, Sex, den ganzen Tag nur Sex. Schau mal in die Welt, schau mal aufs Mittelmeer. Immer nur du und dein Sex. Du bist Mitte vierzig, Peaches. Du konservierst hier was. Das kann nur schief gehen. Ach, Peaches.

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