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CÄTHE (Credit Thorsten Dirr)

CÄTHE – Vagabund

Der Cäthe möchtest Du nicht das Herz brechen – denn mit aller Wahrscheinlichkeit fändest Du Dich schnurstracks in dick mit Ironie unterfütterten, verzweifelt an den Lauschern kratzenden Songtexten wieder; Songtexte, die mit einer furchtbar ehrlichen Inbrunst daher geschmettert kommen, dank rotziger Krakeel-Bemühungen und hier schneidiger, dort sanftmütiger Gesangspassagen. Der Cäthe, nein – der Cäthe möchtest Du das Herz nun wirklich nicht brechen. Doch in ihrer metapherbunten Welt wirst Du schnell eintauchen, Dich selbst wiederfinden und das eine ums andere Mal ermahnen.

„Vagabund“ zeigt, was uns allen von vornherein glasklar erschien: dass die Musikerin zu altbekannten und vielbesungenen Themen noch immer ihre scharfwürzigen Vertonungen hinzuzugeben vermag. Es speist den mittlerweile dritten Teil der einfachen, sowie schonungslosen Gedankengänge einer selbstkritischen und -genügsamen Künstlerin, welche unsere flüchtigen Sehnsüchte einfängt und ihre Widersprüche aufzudecken versucht.

„Die Zu Werden Die Wir Sind“ scheint sich demnach als Credo nicht nur tief in die Musikerseele der mittlerweile-Wahlberlinerin eingenistet zu haben, sondern auch als das Motto des Drittlings herauszuschälen – dank schmissig-akzentuierter Keyboardsounds und dahinschwelgender Streicher rüttelt der Track aus jener besungenen Alltagsschwermut auf, löst diese gar kämpferisch in eine leichtfüßige Unbeschwertheit („Kannst Du Dich zeigen, den guten Geistern und auch den fiesen?“).

Hören kann das nun wirklich jede und jeder überall und irgendwo: Leicht eingängiger und vernünftig produzierter Deutschpop, wie Cäthe ihn serviert, funktioniert als Brücke zwischen altehrwürdigen, fast schon chanson- und schlageresken „Das-Hat-Schon-Immer-Funktioniert“-Melodien frei nach dem deutschen Denkerliedmotto und „Das-Wird-Man-Ja-Wohl-Mal-Sagen-Können“-Texten. Diese sind jedoch kein Alleinstellungsmerkmal mehr schlechthin, kommen sie doch etwa weitaus frecher von Schnipo Schranke – den Charlotte Roches unter deutschen Musikerinnen – daher.

Eine Schippe weniger Kessheit landet auf dem neuen Werkhaufen Cäthes, ein Funken Poesie kommt dafür hinzu. Es halten weitaus bedächtigere Stücke Musik in „Vagabund“ Einzug: „Junge Aus Sand“ etwa widmet sich in muckeliger Gediegenheit dem Loslassen aller Konventionen bei völliger Tiefenentspannung, recht selbstgenügsam von einer sanft schrammelnden Gitarre begleitet.

Von Cäthe kannst Du Dich abholen, Dich auf sie ein- oder von ihr überraschen lassen. Blickst Du über die polierte Oberfläche hinweg, erlebst Du über 44 Minuten ein Stückchen Selbstfindung. Erscheint Dir das Ganze bei all den tiefsinnig-malerischen Texten auf wenig mitreißendem Liedgut dann doch zu glatt, kannst Du auch einfach einmal in den Schnipo Schrank’schen Gefilden vorbeihören.

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