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Half Moon Run – Sun Leads Me On

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Die Sonne scheint in Kanada nicht immer für alle. Während Half Moon Run mit ihrem Debütalbum „Dark Eyes“ noch euphorischen Indie-Folk ablieferten, wirkt „Sun Leads Me On“ der Kanadier eher wie die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. So klingen Soft-Boys, die in Montrealer Melancholie schwimmen. Aber nie Gefahr laufen, zu ertrinken. Dafür beherrschen sie im Übrigen auch das Wellenreiten zu gut.

Tristesse wird auf dem Album dennoch groß geschrieben. Sänger Devon Portielje singt vom Scheitern und den Herausforderungen des Alltags. Dabei ist der gute Wille doch da, den mit all seinen Strapazen zu überleben. Das lyrische Ich im Opener „Warmest Regards“ hat viele gute Vorsätze. Es will sich neu erfinden, den Kontakt zur Außenwelt nicht verlieren und sich mal wieder mit dem Freundeskreis verabreden. Aber so simpel ist das eben nicht. „The more we meet up, the more I feel alone“, singt Portielje im smarten Falsett.

Immer diese seelischen Widersprüche. Auch die sonnigen Surftrips nach Kalifornien, auf denen sich die Band nach ihrer Tour erholen wollte, haben sie nicht lösen können. Andererseits ist gerade jener Schwermut das Kapital für die Stücke von Half Moon Run.

Der Charme ihrer Kompositionen besteht darin, mentale Tiefpunkte zu beschreiben ohne dabei zu anbiedernd oder gar melodramatisch zu klingen. Das Trio belegt auf dem Album ein gereiftes und reflektiertes Songwriting. Diesen Qualitätslevel kann die Band aber leider nicht auf Gesamtlänge halten.

Während die aktuelle Single „Turn Your Love“ dank intelligentem Songaufbau noch nach den Fleet Foxes im Synthie-Edit klingt, sind andere Passagen ein wenig verkitscht geraten. Wenn Portielje seinen Herzschmerz haucht, muss man leider bemängeln, dass es wirklich originellere Liebesbekenntnisse gibt. Zeilen wie „The way you look, the way you talk about things, the way you are“ (aus „Everybody Wants“) wirken eher austauschbar und beliebig.

In den besten Momenten klingt „Sun Leads Me On“ wegen grandioser Synthie-Verdichtungen nach den progressiven Tendenzen von Here We Go Magic. In den gefälligen (leider) eher nach durchwachsenem Adult-Rock im Sting-Stil. Doch die durchwachsenen Momente sind eher selten. Nachdem schon „Hands In The Garden“ mit stilechter Mundharmonika daherkam, dominiert auf der B-Seite ein urtümlicher Folksound in bester Boy Dylan-Manier.

Die Band beherrscht beide Modi: Den glatteren, eloquent aufpolierten Gitarrensound als auch den klassischen, eher traditionellen Gestus. Das macht sie genießbarer wie auch sympathischer als Mumford & Sons, die mit ihren Refrains und Synthie-Ausflügen zuletzt deutlich überladen wirkten.

Half Moon Run haben das Potential zum Konsens-Folk-Pop. Dass sie fast darauf verzichten, sich bei dieser Platte auf die gängigen Single-Muster zu fokussieren, ist der Band hoch anzurechnen. Es hätte schliesslich auch der prädestinierte Stadion-Sound mit Surferstränden bedeckten Leinwänden werden können. Doch dafür ist die Platte einen Hauch zu introvertiert und subtil geworden. Ein Glück.

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