Sofa Surfers – Scrambles, Anthems And Odysseys

Um es vorweg zu sagen: Die Sofa Surfers kommen aus Österreich. Und direkt die Entwarnung: Mit dem Phänomen Austro-Pop hat die Band kaum etwas gemein. Auch wenn der Sound ihres achten Studioalbums (Soundtrack-Kompositionen mal nicht mitgezählt) modern und nach zeitgenössischem Electronica klingt, biedern sich diese Männer nicht an. Im Gegenteil. Schon beim ersten Durchlauf von „Scrambles, Anthems And Odysseys“ kann man ahnen, welche Band Bilderbuch zur Schulzeit oder bei ihren ersten Maschin-Fahrten gehört haben dürften.

Die Wiener Gruppe agiert seit 1997 mit Techno-Unterbau, ist jedoch ebenso in Sachen Gitarren-Electronica versiert. Auch das neue Album bietet clevere Beatkonstruktionen und vermengt vielseitige Drum-Arrangements mit arg gedehnten Synthies. Nun zudem noch häufig mit Einlagen der Wiener Rapperin Soulcat E-Phife, die in „Bread and Circuses“ wie Missy Eliott in ihren besten Momenten klingt (an dieser Stilistik finden natürlich auch Bilderbuch Gefallen – man denke nur an „Softdrink“ auf „Schick Schock“).

Signifikant ist jetzt vor allem die Abkehr von jeder sich auch nur anbahnenden Rock-Tendenz, wie sie sich noch auf dem Album „Blindside“ materialisierte. Die Gitarren hat die Band konsequent vergessen. Das verblüfft ein wenig, wo doch gerade Wolfgang Schlögl, der ein Faible für elektronische Laborarbeit hatte, die Band im vergangenen Jahr verließ. Wie dem auch sei: „Scrambles, Anthems And Odysseys“ variiert Trap- und Dub-Strukturen und experimentiert vor allem auf der gesanglichen Ebene.

Mani Obeya hat den Soul vielleicht nicht im Blut – doch seine Stimme klingt weicher und im Vergleich zur Gesamtdiskographie auch einen Hauch verwundbarer. Die 80er sind für die Band immer noch eine Konstante. Doch gesanglich wie auch kompositorisch fühlt man sich eher an den düsteren Neo-Soul von Kwabs oder die seidigen Vocals von Jungle erinnert. Das gilt nicht nur für Pop-Perlen wie „Skins“ oder „The Fixer“, auf dem sich die Sofa Surfers sogar in einem an Disclosure angelehnten House-Format probieren. Das ist schon eine Überraschung, denn der „White Noise“ von den Sofa Surfers (ein Song aus 2005) basierte stets auf Gitarre und Rave-Spektrum.

Im Gegensatz zu Disclosure vermeiden die Österreicher jedoch den Fehler der Überproduktion. Obeya und Co. wissen, dass weniger manchmal wichtig ist und überfrachten ihre Tracks nicht mit unnötiger Effekthascherei. Das gilt insbesondere für den perkussiven Abschluss „All“. Ein übersolides Album mit internationalem Sound. Und auch wenn man eingestehen muss, dass viele Song-Pfade schon von anderen Acts beschritten worden sind, bleiben die Sofa Surfers immer noch eine wegweisende Band.

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