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The Wainwright Sisters – Songs In The Dark

Dieses Album ist sozusagen das doppelte Lottchen der Folk-Welt. Lucy Wainwright Roche traf erst spät ihre Halbschwester Martha Wainwright. In der Kindheit haben sie sich nicht gesehen, weil Vater und Mutter getrennt lebten. Natürlich gab es da viel Gesprächsstoff, den man als Songwriterin natürlich direkt verwerten möchte. Als The Wainwright Sisters bringen die beiden nun „Songs In The Dark“ heraus. Darauf vertonen sie neben eigenem Material aber vor allem Schlaflieder ihrer Eltern neu, die sie als Jungspunde vorgesungen bekamen.

Und die klangen damals mit Sicherheit ästhetischer als bei anderen Kindern. Denn vorgetragen wurden sie von den Folk-Mammuts Loudon Wainwright III and Kate McGarrigle, die auch Rufus Wainwright auf die Welt brachten. Die Wainwrights sind natürlich eine der letzten großen Musikerfamilien der Staaten. Es verwundert daher nicht, dass die Lullabies der zwei Schwestern feinfühliger Folk geworden sind, der von der erdigen Akustik beinahe ein wenig zu klassisch geworden ist. Martha, die bereits mehr Alben als ihre Schwester veröffentlicht hat, führt stimmlich ein wenig an, nicht nur auf dem „El Condor Pasa“-Cover. Das stammt im Original von Musikern aus Peru, wurde aber auch schon von Simon & Garfunkel neu interpretiert.

Man wünscht sich da fast ihr Rock´n´Roll angehauchtes Songwriting zurück. Dass es sich hier um zwei Ausnahme-Musikerinnen handelt, steht dabei allerdings außer Frage. Auf Albumlänge haben die Akustik-Arrangements jedoch ein wenig zu viel Baldrian intus, was sicherlich auch Teil des Konzepts ist. Songs wie „End Of The Rainbow“ oder „Runs In The Family“ wirken zu traditionell verwurzelt und haben es sich in den üblichen Songmustern-Plumeaus zu bequem gemacht.

Dabei deckt sich das Duo gar nicht immer mit denen zu. „Lullaby“ klingt dank analogem Synthie und sehnsüchtiger Mundharmonika erfrischend anders und auch das Piano-Instrumental „Russian Lullaby“ wagt sich in andere Klang-Konstellationen. Auch in Sachen Songintimität brauchen die Schwestern nichts dazulernen. Auf „Do You Love An Apple“ hört man sogar noch das Holzknacken des Lagerfeuers.

Auch wenn viele Geschichten düster angehaucht sind, wirken die Lyrics in ihrer Simplizität häufig ein wenig zu unmittelbar. Ein Sachzwang, der am Adressaten liegt, der zur Sandmännchen-Zeit eben schon ins Bett muss. Manches sollte aber einfach in der Familie bleiben.

Nichtsdestotrotz ist „Songs In The Dark“ ein versiertes und vor allem persönliches Folk-Album geworden. Nur weiß man eben nicht ganz, wie man es einsetzen soll. Im Vergleich zu den Solowerken von Lucy und Martha wirkt es eher durchwachsen. Und auch die Zöglinge werden bestimmt nicht damit einverstanden sein, wenn ihre Einschlafgeschichten demnächst nur noch vom Band kommen.

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