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Jack & Archy Marshall (Credit XL Recordings)

Archy Marshall – A New Place 2 Drown

Holy Smokes! Wer Archy Marshall wirklich ist, schält sich langsam aber sicher heraus. Als King Krule hat er vor zwei Jahren als Neunzehnjähriger die Kritikerschar in ungläubiges Staunen versetzt mit seinem Debütalbum. „6 Feet Beneath The Moon“ ist für mich eines der besten Blues-Alben der letzten Dekaden. Und das, ohne genuin Blues zu sein: Darkwave, Punk-Jazz, Post-Punk, Fusion Hip-Hop: Mit allen möglichen Klammern hat man versucht, Andy Marshalls Debüt als King Krule einzufangen, seine Musik bleibt ein Rätsel.

Als Zoo Kid, DJ JD Sports, Edgar The Beatmaker und wer weiß noch unter welchen Pseudonymen hat Marshall, bereits seit er sechzehn ist, Mixtapes, Songs und Mini-EPs in den Unweiten des Internets verstreut, wie im Zuge seines phänomenalen Debüts durch den Äther kleckerte. King Krule ist einfach nur ein weiteres Projekt von Archy Marshall und nicht seine Musikeridentität. Schluck.

Doch keine Angst, der wortkarge, sympathischerweise den Spotlight und Fame scheuende 21-jährige Londoner lässt im Zuge seines jetzigen Überraschungsprojekt mehrfach verlauten, er arbeite an einem zweiten King Krule-Werk.

Doch zunächst „A New Place 2 Drown“. Kein reines Album, ein selbstvertriebenes Mixed-Media-Projekt. Ein 208-Seiten starkes Buch voller Fotografien, Skizzen, Zeichnungen, Collagen und Lyrik von Archy Marshall und seinem Bruder und Visual Artist Jack Marshall. Worüber? Über ihr Leben in South London und der künstlerischen Verarbeitung ihres Daseins. Und über zwei Brüder. Zwei Brüder, die als Großvater und Onkel Künstler und damit das Künstlertum in der Familie haben. Filmemacher Will Robson-Scott kreierte dazu eine Kurzdokumentation, einsehbar ebenfalls über die Homepage.

Archy Marshall vertont die ganze Unternehmung auf ganz wundersam sanfte Weise. Die Perkussivität, nicht der Blues-Akkord, steht diesmal im Vordergrund, mehr Spoken Word als Bariton-Gejaule. Und elektronischer ist es. Fast immer sind die Beats digital hergestellt.

Und trotz dieser veränderten Ausgangsbedingungen ergibt sich eine erstaunliche Kontinuität zu Marshall als King Krule: „A New Place 2 Drown“ ist ganz wunderbar hoffnungslos melancholisch. Schön kleckern die Beats vor sich hin und zerfallen Worte und Phrasen zu Elementen einer Klangwelt, nicht zu konkreten Botschaften von Narration.

Was die Brüder Marshall mit „A New Place 2 Drown“ erschaffen haben, ist multidimensionale Kunst. Archy Marshall, wird hiermit vollständig gewahr, ist gar nicht in erster Linie ein Musiker, dieser gerade erst volljährig gewordene dürre Ginger-Head ist ein Künstler!

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