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Prinz Pi (Credit David Daub)

Das muss man alles mit viel Vorsicht genießen – Prinz Pi im Interview

Prinz Pi oder Prinz Porno? Nach seiner Rückkehr zum alten Pseudonym fragten sich viele Fans von Friedrich Kautz alias Prinz Pi, wie es in der Zukunft wohl weitergehen werde. Nun, zunächst einmal kann man Folgendes festhalten: Das neue Album „Im Westen Nix Neues“ veröffentlicht der Berliner wieder unter seinem jugendfreien Banner. Eine Momentaufnahme? Oder steckt mehr dahinter? Wir trafen uns mit dem Rapper in Berlin und fragten nach.

MusikBlog: Nach deiner Prinz Porno-Rückkehr im vergangenen Jahr, haben sich viele Anhänger deiner anderen musikalischen Seite schon Sorgen gemacht. Nun bist du mit deinem neuen Album „Im Westen Nix Neues“ wieder als Prinz Pi am Start. Längerfristig?

Prinz Pi: Ja, auf jeden Fall. Die Prinz Porno Sache im letzten Jahr war nur eine Fingerübung für mich. Da hatte ich einfach mal wieder Bock drauf. Und nach dem super ambitionierten Album davor, war das auch das perfekte Kontrastprogramm. Ich meine, wir haben die Scheibe ja auch gar nicht groß beworben. Da hätte eigentlich schon klar sein müssen, dass das nicht weiter gefüttert wird. Und letztlich ist es doch auch so, dass man irgendwann mit Musik angefangen hat, weil es einfach Spaß macht. Und in dem Fall hatte ich einfach mal wieder Bock auf etwas Lockeres.

MusikBlog: Die Scheibe hat aber ordentlich Wellen geschlagen. Plötzlich machten sich überall dicke Fragezeichen breit.

Prinz Pi: Das hat mich alles erst im Nachhinein erreicht. Ich bin nicht so der Typ, der Kommentare und Posts verschlingt. Das muss man alles auch mit viel Vorsicht genießen.

MusikBlog: Warum?

Prinz Pi: Naja, es gibt ja meist nur zwei Richtungen. Entweder man wird total abgefeiert, oder aber in der Luft zerrissen. Es gibt nur diese beiden Extreme. Und da muss man sich als Künstler einfach schützen, sonst hebt man irgendwann total ab und verliert den Boden unter den Füßen. Oder aber man wird depressiv und steigert sich in eine Lebenskrise rein. Ich halte beide Varianten lieber fern von mir.

MusikBlog: Du bist also ein Mann des Mittelwegs?

Prinz Pi: Ja, absolut. Ich finde, man muss immer aufpassen, dass man den Abgründen nicht zu nahe kommt. Mag sein, dass in diesen Sphären dann und wann auch mal Spannenderes passiert. Aber in der Regel stürzt man doch ab. Und abstürzen will ich nicht.

MusikBlog: Lass uns über dein neues Album sprechen. Musikalisch, wie ich finde, geht es auf „Im Westen Nix Neues“ im Vergleich zu „Kompass Ohne Norden“ wieder etwas breiter, offensiver, bisweilen auch aggressiver zur Sache. Würdest du dem zustimmen?

Prinz Pi: Das empfinde ich ähnlich. Ich denke, dass es wieder ein sehr tiefgründiges Album geworden ist. Textlich geht es ähnlich unter die Haut wie „Kompass Ohne Norden“. Musikalisch hingegen wollte ich wieder etwas mehr auf die Kacke hauen. Das hat auch super funktioniert, wie ich finde. Es gibt viele Passagen, die ziemlich fett daherkommen. Dann gibt es aber auch wieder Songs, die sehr kantig und schroff klingen. Alles in allem bin ich mit der Mixtur total zufrieden.

MusikBlog: Auf „Kompass Ohne Norden“ war Casper zu Gast. Diesmal gibt es keine großen Gastbeiträge. Warum?

Prinz Pi: Die Sache mit Casper war schon eine besondere Situation. Grundsätzlich bin ich aber mit meinem eigenen Zeugs immer lieber am Start. Diese riesengroßen Aufkleber auf den Alben, auf denen dann stehen, wer noch so alles mitgewirkt hat, sind nicht so mein Ding. Mir sind meine Texte und meine Musik wichtig. Sicher, ich hab auch auf dem neuen Album wieder einige Stimmen mit dabei, die mich gesangstechnisch unterstützen. Aber das hänge ich nicht an die große Glocke.

MusikBlog: Wer kam damals eigentlich auf wen zu? Hast du Casper angerufen?

Prinz Pi: Ben (Benjamin Griffey alias Casper) und ich kennen uns ja schon ne Weile. In dem Fall war es so, dass ich den Song schon fertig hatte und mir dachte, dass seine Stimme da super passen würde. Naja, und dann habe ich bei ihm durchgeklingelt. Er kam dann ins Studio, hat seinen Part eingesungen, und das war’s. Das lief ganz freundschaftlich und unspektakulär ab.

MusikBlog: Du hast ja eine sechsjährige Tochter. Hat die auch schon mal bei dir angefragt?

Prinz Pi: (lacht) Nein, so weit ist es noch nicht.

MusikBlog: Kann sie denn mit deinen Beats und Rhymes schon etwas anfangen?

Prinz Pi: Ja, schon. Sie war auch schon bei einigen Konzerten mit dabei. Ich meine, Kinder in dem Alter interessieren sich noch nicht für Genres, Styles und irgendwelche Branchen. Die sind da noch völlig unverdorben. Die haben einfach Spaß an der Musik. Und da spielt es keine Rolle, ob es sich um Kinderlieder, Hip-Hop oder Rock handelt. Wenn es sie packt, dann singen und tanzen sie einfach mit. Meine Tochter ist da keine Ausnahme.

MusikBlog: Inwieweit hat dich denn das Heranwachsen deiner Tochter als Musiker verändert?

Prinz Pi: Doch schon ziemlich. Ich habe ja mittlerweile zwei Kinder. Auf dem neuen Album gibt es auch zwei Songs, die sich um beide drehen. Im Grunde ist das komplette Album meinen Kindern gewidmet. Es ist einfach unheimlich spannend, mit anzusehen, wie sich diese kleinen Menschen durchs Leben tasten. Und das hinterlässt natürlich auch bei den Eltern große Spuren. Man ertappt sich ganz oft dabei, wie man von einer vorgefertigten Meinung wieder abkommt, weil die Tochter oder der Sohn einem eine neue Sichtweise der Dinge vor Augen führt. Das lässt sich mit Worten ganz schwer erklären. Ich bin auf jeden Fall schon jetzt sehr gespannt, für welchen Weg sich die beiden später einmal entscheiden werden. Bis zu einem gewissen Maß wird man als Kind ja geformt und vorbereitet. Irgendwann kommt dann aber der Punkt, an dem man sich fragt: Will ich die Welt jetzt so annehmen wie sie ist? Fühle ich mich hier wohl? Oder will ich lieber einen anderen Pfad einschlagen?

MusikBlog: Was wäre dir lieber?

Prinz Pi: Ich werde sie immer unterstützen, ganz egal, für welchen Weg sie sich irgendwann entscheiden. Ich werde sie bestimmt nicht in irgendeine Richtung drängen. Sie sollen selber leben und ihre eigenen Entscheidungen treffen.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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