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Prinz Pi (Credit David Daub)

Prinz Pi – Im Westen Nix Neues – Kann man so nicht sagen

Fleißig hat Prinz Pi in den letzten Jahren an seinen Imagewandel gearbeitet und ist dabei ordentlich vorangekommen. Immerhin stieg sein „Kompass ohne Norden“ 2013 von null auf eins in die deutschen Charts ein. Wenn darauf auch noch Luft nach oben war, bewies Friedrich Kautz nicht nur wegen „Glück“, dass er auf dem Weg von der derben Offenheit seines Alter Ego Prinz Porno zum anspruchsvollen Wortakrobaten einiges an Metern gut gemacht hat.

Inzwischen mit der Reife des doppelten Vater ausgestattet, möchte er er sein neues Album „Im Westen Nix Neues“ als ein sehr persönliches verstanden wissen. Zum Einstieg gibt es mit „Rebell ohne Grund (Kompass Reprise)“ die Brücke zu den beiden Vorgängern, den Blick in das Klassenzimmer des Adoleszentenalter als er noch der „unbeliebte Junge mit der Kackfrisur“ war.

Auf diese Retrospektive bauen sich die Songs auf, es dreht sich in der Folge hauptsächlich um die negativen Folgen der Sozialisation, um fragwürdige Statussymbole, zweifelhafte Karrieren und gescheiterten Beziehungen. Alles Dinge, die – wie in „Kartenhaus“ besungen – früher oder später zusammenfallen, beschrieben aus dem Blickwinkel des davon ausgegrenzten Blaublütigen.

Aus meist bedeutungsschwer-dramatischen Einstiegen (gern mit Pianotönen in Moll) schälen sich aus Weltschmerz und Gesellschaftkritik verblüffend einfache Feststellungen („Die besten Sachen im Leben sind keine Sachen“/vgl. „Werte“), die Prinz Pi mit von Metaphern durchsiebten, überwiegend grundständigem, Pessimismus vorträgt.

Da fühlt sich der Protagonist mit dem Durchblick des vorangeschrittenen Alters auch gern missverstanden, formuliert selbst ein Prinz mal an der Hof-Etikette vorbei und spricht: „Ich gebe einen Fick auf den Rest“. Allerdings klingt „21:04/Schwarzer Lack“ so, als würde man gern noch einmal mit diesem „Rest“ an der Tanke abhängen.

Auch diesmal gibt es Songs, die vor allem durch Schlichtheit bestechen. „1,40 m“, das einzige Stück mit Gastsänger (nämlich „Wolke 4“ Interpret Phillip Dittberner; wenigstens ist uns Adel Tawil erspart geblieben, der den Refrain ursprünglich einsang) sowie „Die Füllung Vom Kissen“ schrammen haarscharf am Befindlichkeits-Pop vorbei. Auch die „Ballade Für Jojo“ mit dem klebrigen Background-Chor macht eine Gänsehaut, allerdings vor Unbehagen.

Wenn sich die Stücke auf die augenscheinlichsten Veränderungen im Leben des Rappers beziehen, geht es vorwärts. „Im Westen Nichts Neues/Tochter“ und vor allen Dingen „Strahlen Von Gold/Sohn“ sind klasse Tracks, die aus dem sonst so melancholischen Sprechgesanggefüge ausbrechen. Auch wenn „Schwermetall“ und „Weiße Tapete/Minimum“ die Gitarren kreischen lassen (und dabei ein wenig nach Casper Unplugged klingen) und ordentlich an den Ketten zerren, überzeugt der Berliner. Überraschungen gibt es auch, mit einer Bar-Jazz Einlage wie in „Lösung/Gepäck“, rechnet man in diesem Genre nicht unbedingt.

Trotz neuer Themen verliert die Wandlung des Prinzen etwas an Fahrt, im Westen nix Neues trifft trotzdem nicht zu, eher im Westen nicht viel Neues.

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