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Jochen Distelmeyer – Songs From The Bottom Vol. 1

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Jochen Distelmeyer ist einer der wichtigsten Akteure der deutschen Musiklandschaft. Hat er als markante Persönlichkeit der Hamburger Schule doch Kohorten nennenswerter Größe musikalisch resozialisiert, über die Musik einen Kontext zur Gesellschaft definiert und auch dem Autor durch manche postadoleszente Sinn-Krise geholfen. Nicht das letzte Blumfeld-Album „Verbotene Früchte“, nicht sein durchwachsenes Solo-Debut „Heavy“ konnten an seinem Status rütteln.

Zuletzt bewegte sich der Musiker auf literarischem Terrain, es erschien sein erster Roman „Otis“. Auf der Lese-Tour zum Buch griff er zwischen den Zeilen natürlich auch zur Gitarre und spielte Songs, deren Interpretation ihm Bedürfnis war. Nach seinen Angaben folgte er nun den Wünschen seiner Anhänger und hat diese auf einen Tonträger gepackt.

Dabei erwischt es Stücke von Interpreten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Logisch, ging es ihm schließlich seit jeher um das Große und Ganze, die Distelmeyerschen Betrachtungen bewegten sich auf der Metaebene. Tellerränder gab es keine, „Mein System kennt keine Grenzen“ bedeutete das, kurz gesagt.

„Songs From The Bottom Vol.1“ kommt lediglich mit der akustischen Gitarre aus (nur bei „Additional“ sind weitere Klangerzeuger sporadisch zugelassen), ist jedoch vor allem geprägt von Jochen Distelmeyers Stimme, die sich, seit er auf „Old Nobody“ mit dem Singen begann, nicht verändert hat.

Jedes noch so einfache Wort, jede noch so simple Strophe gewinnt aus seinem Mund an Bedeutung. Da klingt Lana Del Reys „Video Games“ direkt nach Sammelklage gegen alle gesellschaftlichen Verwerflichkeiten oder Kris Kristoffersons „This Old Road“ wie ein Protest-Song aus der 70er Friedensbewegung.

Distelmeyer pfeift wie einst Trude Herr über die „Bitter Sweet Symphony“, braucht zum Aufbau von Atmosphäre in Radioheads „Pyramid Song“ eigentlich nicht einmal ein Instrument und zupft derartig liebevoll „Turn, Turn, Turn (To Everything There Is a Season)“, dass von einem Pete Seeger-Cover zu reden, eigentlich untertrieben ist.

Der bluesige Drive, den er „Toxic“ entlockt, wird wahrscheinlich selbst Britney Spears gefallen. Der entspannte Soul von Al Greens „Let`s Stay Together“ klingt wirklich „Too sexy for the Führerbunker“, um den Distelmeyer des Jahres 1994 zu zitieren.

Trotz Leidenschaft und Karma: es gibt Momente auf der Platte, in denen man schlucken muss. Wenn sich „On The Avenue“ (Aztec Camera) ein bisschen nach Rolf Zuchowski und seine Freunde anhört zum Beispiel, oder wenn beim Avicii-Song „I Could Be The One“  das Instrument oder der Gesang zu schnell unterwegs zu sein scheint. Und bei allem gebotenen Respekt vor dem Lebenswerk des Musik-Intellektuellen wird der ein oder andere sogar über die Notwendigkeit dieses Produkts nachdenken.

Jetzt, wo die „Gesänge aus Basements, Backyards und tieferen Schichten“ (Erklärung Distelmeyers zu den ausgewählten Titeln) ans Licht gebracht sind, bleibt festzustellen: besser diese als keine neue Platte vom Wahl-Berliner. Volume 2 muss nicht sein, gibt es doch noch einen Nachschlag, wünsche ich mir schon mal „If You Could Read My Mind“. Falls das tief genug liegt.

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