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Tindersticks – Live in der Volksbühne, Berlin

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Dass Stuart A. Staples 2012 erstmals Jury-Mitglied des renommierten internationalen Kurzfilmfestivals Festival du Court-Métrage de Clermont-Ferrand wurde, blieb nicht ohne Folgen. Zusammen mit Festival Direktor Calmin Borel gebar die Idee der konsequenten Kurzfilmbebilderung eines ganzen Tindersticks-Albums.

Jetzt, mit ihrem formidablen zehnten Streich „The Waiting Room“, ließen sich die Früchte dieser Idee live erleben – und erleben ist hier das bewusst gewählte Attribut. Zu jedem der elf Songs auf „The Waiting Room“ entstand ein narrationsfreier Kurzfilm, „The Waiting Room Film Project“, der die Emotionalität, die Stimmung, das Timbre des jeweiligen Songs bebildert und ergänzt. Ein One-Two-Punch der liebevollen Melancholie. Eine Wurzelbehandlung der souveränen Schwermut. Right in the feels.

Die bewusste Provokation der derzeitigen Baustelle Volksbühne war dafür ein mustergültig symbolischer Ort. Der von der jüngst verschiedenen Koryphäe des begehbaren Bühnebilds, Bert Neumann, in einen theatralen Unort verwandelte Raum – ohne Sitzreihen, das Parkett mit Beton übergossen und einem Seitenhäuschen, das sich störend bis in den Rang türmt – war die Kulisse einer Chamber-Pop-Performance, die eben doch viel mehr war als jenes Urteil, das man über die Tindersticks von älteren Semestern gerne mal zu hören bekommt: Kennste eins, kennste alle.

In der Volksbühne steht ein Intendantenwechsel an. Der ewige Frank Castorf wird gehen, sein Chef-Bühnenbildner zementierte noch die alte, gleichsam störende Tradition in den Raum – vor der unvermeidlichen Erneuerung. Bleibt alles anders.

Und auch die Tindersticks sind eben nicht die ewig alte Leier, bei der es nichts Neues mehr zu entdecken gibt. The devil is in the detail. Und wer es teuflisch mag, könnte konstatieren, dass die letzten beiden Tindersticks-Alben, „The Something Rain“ und „The Waiting Room“, selbst für diese etablierten Souveränitätsmelancholiker, einen Qualitätssprung sonder gleichen darstellen.

Mit herrlich unaufdringlichen Kurzfilmen im Rücken schmetterten die Tindersticks regelrecht ihr famoses Album unters Volk. Talking about having a good time in Berlin. „You wouldn’t believe the day we had“, raunte die stimmliche Ausnahmeerscheinung Staples offenherzig in einem flüchtigen Moment ins Mikrofon. Glückliche Band, glückliches Publikum. Nach der Musik-Kurzfilm-Symbiose und einer Pause gab es dann noch ein ebenso langes Set aus alten Kamellen, nach denen dem Publikum dürstete.

Bierernst jetzt: Die Tindersticks sind nicht deine ewig gleiche hab-ich-schon-abgecheckt-Band. Ein bisschen wie der Ort, an dem sie spielten, sind sie ein stoisches Schiff, ewig segelnd in unbekannten Melancholie-Gewässern.

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