Wenn nach einer langen Trockenphase starke Regenfälle einsetzen, kann es zu einem seltenen Wüstenereignis kommen: Für einen kurzen Moment blühen unzählige Wüstenblumen zugleich. Auf Englisch nennt man dieses Phänomen „Superbloom“.
„Superbloom“ heißt auch das neue Werk von Jessie Ware, deren Fans nach „That! Feels Good“ immerhin drei Jahre auf dem Trockenen saßen und sich nun über das sechste Studioalbum der Londonerin freuen dürfen.
Die botanische Note des Albums wird gleich im weitestgehend instrumentellen Intro „The Garden Prelude“ unterstrichen. Dessen musikalische Windungen ähneln dem unterirdischen Keimen einer Pflanze. „wow“, heißt es am Ende des kurzen Stücks. Jetzt scheint es los zu gehen!
Und genau so ist es. Mit dem frühlingshaft-leichten „I Could Get Used To This“ nimmt das Album Fahrt auf. „step into my secret garden“, lautet die Einladung. Und spätestens nach einer Minute verstehen wir, dass in diesem Garten selbstverständlich getanzt werden darf.
Der soulige Disco-Groove begleitet uns auch im folgenden Song. Der Titeltrack „Superbloom“ besticht nicht nur durch souveräne Lässigkeit, auch lässt er uns an Meisterwerke von Grace Jones denken. Das Zusammenspiel zwischen Sängerin und Background-Chor überzeugt auf voller Linie.
Wer Einbrüche in der Mitte des Longplayers befürchtet, wird eines Besseren belehrt. Auch auf „Automatic“, „Sauna“ oder „Mr. Valentine“ zeigt Jessie Ware, dass ihr der Spagat gelingt. Sie transportiert 80er-Vibes und schreibt sich zugleich mit einem eigenen Zugang in den Sound der Gegenwart ein.
So schafft sie es in „Ride“ sogar, die legendäre Melodie aus „The Good, The Bad & The Ugly“ von Ennio Morricone zu adaptieren und in einen gerade noch so am Mainstream vorbei fließenden Popsong zu verwandeln. „I’m bad, beautiful“, heißt es in den Lyrics – womöglich das musikalische Geheimrezept der Britin.
Jessie Ware hält ihr Versprechen. „Superbloom“ ist ein kraftvolles, blühendes Pop-Ereignis – und vielleicht der perfekte Soundtrack für die allmählich länger und wärmer werdenden Tage des Jahres.
