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Liima (Credit 4AD)

Improvisation ist der Schlüssel – Liima im Interview

Mads Brauer, Casper Clausen und Rasmus Stolberg können nicht ohne Musik. Die drei Efterklang-Verantwortlichen sind nicht nur Freunde seit Kindheitstagen, sondern auch passionierte Klangfetischisten, denen nichts mehr gegen den Strich geht als künstlerische Stagnation. Die drei greifen dann auch schon mal zu radikaleren Methoden, wenn es in den eigenen vier Wänden knirscht. So geschehen im vergangenen Jahr, als der Efterklang-Motor ein wenig ins Stottern geriet. Da steckten die drei Wahl-Berliner nicht die Köpfe in den Sand, sondern gründeten einfach ein neues Projekt namens Liima und veröffentlichten das Album „ii“ Gemeinsam mit dem finnischen Perkussionisten Tatu Rönkkö, mit dem die drei bereits seit anderthalb Jahren auf Tour waren wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Doch was bedeutet das jetzt für die Zukunft? Sind Efterklang Geschichte? Und wie klingt das neue Projekt überhaupt? Wir wollten es ganz genau wissen, und trafen uns mit den Verantwortlichen in Berlin zum Gespräch.

MusikBlog: Wenn ein neues Musik-Projekt das Licht der Welt erblickt, dann wollen die Leute vor allem zwei Dinge wissen: Wer steckt dahinter? Und wie klingt es? Welche Personen hinter Liima stecken wissen wir bereits. Aber die Musik? Bringt doch mal ein bisschen Licht ins Dunkel.

Rasmus Stolberg: Wer uns in den vergangenen Monaten zusammen mit Tatu gesehen hat, der ist schon ganz gut im Bilde. Wir wollten einfach unsere ganzen Erfahrungen, die wir in den letzten Jahren gesammelt haben in einen Topf werfen, und dann gucken, was dabei entsteht. Ich denke, dass Improvisation der Schlüssel ist. Wir haben einfach losgelegt. Es gab kein Konzept und auch keinen Masterplan. Alles kam aus dem Bauch heraus. Der Sound des Albums entstand intuitiv. Er entwickelte sich in vielen gemeinsamen Sessions.

Casper Clausen: Die wesentlichen Neuerungen sind vor allem der Groove und die vielen elektronischen Einschübe.

MusikBlog: Wenn wir über den Groove sprechen, müssen wir natürlich Tatu Rönkkö mit ins Boot holen.

Casper Clausen: Auf jeden Fall. Tatu ist ein begnadeter Schlagzeuger und Perkussionist. Er kann dich mit seinem Spiel fesseln. Man kann dann nicht mehr weggucken. Seine Bewegungen, seine Anschläge, sein Timing, seine Rhythmen: Er präsentiert das perfekte Paket. Wir sind wirklich unheimlich happy, dass wir ihn dabei haben.

MusikBlog: Tatu, so viel Lob…

Tatu Rönkkö: Das freut mich natürlich zu hören. Aber ich bin nur ein kleines Rädchen. Liima entfaltet sich erst komplett, wenn alle ihren Beitrag leisten. Erst dann entsteht etwas Besonderes.

Mads Brauer: Sei nicht so bescheiden. (lacht) Im Ernst: Tatu macht den Unterschied. Seine Fähigkeiten würden die Qualität einer jeden Band auf dieser Welt auf ein neues Level hieven.

MusikBlog: Gab es eigentlich einen bestimmten Moment, in dem euch klar wurde, dass aus der losen Zusammenarbeit etwas Größeres entstehen könnte?

Rasmus Stolberg: Für mich war es der Tag vor unserem Auftritt auf dem „Hour Festival“. Da sind wir noch einmal alle Stücke sehr intensiv durchgegangen. Und da habe ich gespürt, dass es irgendwie anders war. Es fühlte sich größer und bedeutender an.

Casper Clausen: Ich denke, dass wir spätestens nach der Show wussten, dass wir um den nächsten Schritt nicht herum kommen würden. Die Reaktionen nach dem Gig waren einfach sensationell. Alle beglückwünschten uns. Jeder fiel uns um die Arme. Den Song „Your Heart“ mussten wir sogar zweimal spielen. Das waren schon sehr bewegende und magische Momente für uns.

MusikBlog: Wann reifte der Gedanke an ein komplettes Album?

Rasmus Stolberg: Unterbewusst wahrscheinlich schon während besagter Festival-Show. (lacht) Ausgesprochen wurde es relativ kurz danach.

MusikBlog: Und dann habt ihr die Koffer gepackt und seid quer durch Europa geflogen. Finnland, Berlin, Istanbul, Madeira: War das auch so ein Aus-dem-Bauch-heraus-Entschluss? Oder steckte da ein Konzept hinter?

Casper Clausen: Natürlich wollten wir die Produktionsphase des Albums fokussiert angehen. Zunächst waren nur die Aufnahmen in Finnland geplant. Da waren ein Wald, ein See und ganz viel Ruhe. Diese Umgebung hat uns unheimlich inspiriert. Das war dann so eine Art Startschuss für uns und das gesamte Projekt. Plötzlich dachten wir über andere Orte nach. Wir fragten uns: Welche Orte würden uns wie inspirieren? Das war eine unheimlich spannende Findungsphase.

Rasmus Stolberg: Wir sind danach dann nach Berlin geflogen. Dort haben wir eine Woche im Studio getüftelt und am Ende ein kleines Konzert gegeben. In der Türkei haben wir es genauso gemacht. Dort verbrachten wir sechs Tage in einem Istanbuler Club. Am Ende spielten wir dort sogar zwei Konzerte. Madeira war dann der Abschluss. Auch hier sogen wir unheimlich viele Dinge in uns auf. Diese vielen verschiedenen Eindrücke und Erfahrungen sammeln sich auf dem Album. Es entstand ein unglaublich facettenreiches Ganzes, das nur so möglich war. All die verschiedenen Menschen, andere Länder, Sonne, Regen, Schnee: Überall sprudelte es um uns herum. Das war einfach großartig. Und nur deswegen klingt das Album wie es klingt.

MusikBlog: Hört sich an wie eine musikalische Abenteuerreise sondergleichen.

Casper Clausen: Das war es auch. Es war eine Abenteuereise. Definitiv. Eine Erfahrung, die keiner von uns so richtig in Worte fassen kann.

MusikBlog: Reifen bereits Ideen, die Art und Weise der Produktion in Zukunft fortzuführen?

Rasmus Stolberg: Wir sind jetzt erst einmal froh, dass alles so gut geklappt hat. Das muss auch alles noch verarbeitet werden. Wir sind aber definitiv auf den Geschmack gekommen. (lacht)

Casper Clausen: Wenn sich einrichten lässt, werden wir sicherlich darüber nachdenken. Aber jetzt freuen wir uns erst einmal über das Hier und Jetzt.

MusikBlog: Efterklang sind demnach Geschichte?

Rasmus Stolberg: Heute reden wir über Liima. Was in der Zukunft passieren wird? Who knows?

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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