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Protomartyr – Live in der Kranhalle, München

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Protomartyr: Das sind drei verängstigte Jugendliche, die mit ihrem Alkoholiker-Onkel eine Band gegründet haben. Ihr Onkel? Joe Casey, der wiederum aussieht wie ein abgefuckter Grundschullehrer. Oder, wie der eine Typ, der im Büro immer im Kopierraum abhängt.

Ok, geschummelt: die Beschreibungen entstammen dem Tumblr-Blog – das von Musikjournalisten und ihrem ewigen Kampf handelt, Joe Casey’s einzigartiges Anti-Charisma in Worte zu fassen. Das Blog ist eine Goldgrube unglücklicher Formulierungen. Es steht auch da, wie Casey nicht aussieht: Nämlich, als würde er den ganzen Tag an Latte Macchiatos nippen und Foie Gras schnabulieren. Tut er nicht. Aha. Und dann wieder, wie er aussieht: „Casey, der sieht aus wie ein belgischer Brummifahrer“. Uff!

Ein ehrlicher Schreiberling würde noch den eigenen Eindruck notieren und sagen: Gestern, in der Kranhalle in München sah Joe Casey aus, als hätte er am Tresen ein paar Jahre zu tief in schrecklichen Erinnerungen gekramt, noch das letzte Guinness runter gespült, was aber nicht genügte, um dann hastig nach der Whiskeyflasche hinter der Bar zu grapschen, woraufhin ihn der Wirt nach draußen verweist, wo Casey wütend gegen die Radkappe eines älteren Mercedes tritt, die Alarmanlage auslöst und dann blökend, schimpfend gegen die Windschutzscheibe spuckt, sich viele Zigaretten anzündend, bis er sein Hemd aufknöpft und an der Kneipenwand sanft und sabbernd einschlummert.

Joe Casey kommt am gestrigen Mittwochabend mit zwei geöffneten Flaschen Augustiner Helles auf die Bühne. Und er biegt den Mikroständer tatsächlich gleich mal in Form eines Kneipentresens zurecht. Darüber stützt er den einen Ellenbogen. Und das sieht dann gar nicht mal ungemütlich aus.

Den Rest des Abends verbringt Casey, Sängertyp Crooner, mit seinem Publikum. Die Band wirkt eher isoliert, aber so ist das nun mal bei Bands mit Frontmann.

47 Gäste hatten in der Kranhalle viel Platz um sich. Protomartyr ließen sich davon nicht beeindrucken, spulten professionell ihre Setlist ab, die von Konzert zu Konzert variiert, zwischen 10 und 19 Songs. Mal mit Zugabe, mal ohne.

Die Titel kommen live daher wie grob aus Holz geschnitzte Figuren, die einmal herumgegeben werden, dann aber auch rechtzeitig wieder in der Kiste verschwinden. Protomartyr spielen eine Show, die auch vor Stadionpublikum geglückt wäre.

Aber ist das schlimm? Casey’s Anti-Charisma, die komplizierten Tom-Tom-Grooves, die eingängigen Mini-Punk-Riffs, all das gehört zu den vielen Konstanten einer lückenlosen Show, die keinen Spannungsabfall kennt — und viel zu schnell vorbei ist.

Nach dem Konzert geht Frontmann Casey auf den Hof und raucht eine einsame Zigarette, immer noch ruhelos umher schreitend.

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