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Anohni – Hopelessness

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Antony Hegarty ist nicht erst für dieses Album Transgender geworden. Nach eigenem Bekunden hat sie sich bereits seit ihrer Kindheit als Frau gefühlt. Nichtsdestotrotz wurde eine der unnachahmlichsten Stimmen im Myriaden-Chor des Pop die längste Zeit als homosexueller Mann, denn als eine Frau gewordener Mensch wahrgenommen. Der Bandname Antony And The Johnsons dürfte nicht unerheblich zu dieser Sichtweise beigetragen haben.

Antony Hegarty hat schon so vielen Künstlern ihre beispiellose Stimme geliehen und dabei sagenhaften Ertrag eingefahren, dass nicht wenige den Eindruck bekamen, am besten ist Antony Hegarty als Gastsängerin. Zu speziell, zu der Welt entrückt waren ihre Alben als Antony And The Johnsons.

Sie leiht dem vielleicht besten Song von CocoRosie ihre Stimme, auf dem unerhört wundervollen „Beautiful Boyz“ (vom Album „Noah’s Ark“). Sie ist das Zentrum des definitiv besten Hercules And Love Affair-Songs, dem hinreißenden Kracher des Jahres 2008, „Blind“. Sie sang auf Björks „Volta“, auf Lou Reeds „The Raven“, auf Marianne Faithfulls „Easy Come, Easy Go“, sie sang für Rufus Wainwright, für Joan As Police Woman, sie sang sogar schon für Herbert Grönemeyer.

Und nun nennt sie sich zum ersten Mal nicht mehr Antony. Das T verschwunden, ein H hinzugekommen, das Ypsilon gegen ein I getauscht, lässt sie ihre Band hinter sich und probiert sich vollkommen allein. Als Co-Produzenten zeichnen sich auf dem hochpolitischen „Hopelessness“ die derzeit vielleicht angesagtesten Avantgard-DJs Oneohtrix Point Never und Hudson Mohawke aus.

Sie verleihen Anohni ein hochmodernes, düster-dystopisches, Industrial-Beats-Klangbild. Der trendige Großstadtclub, situiert in obligatorisch altem Fabrikgemäuer, schwelt aus allen Rhythmusecken. Dazu zelebriert Hegarty stimmgewaltige moralische Anklagen.

In „Drone Bomb Me“ aus der Sicht eines afghanischen Mädchens, der die Familie versehentlich von anonymer Technik totgebombt wurde, und die nun das gleiche Schicksal einfordert, um Erlösung zu erfahren. In „4 Degrees“ will sie die Tiere krepieren sehen, welche die Erderwärmung um lediglich schlappe vier Grad nicht überstehen. „Watch Me“ will die totale Überwachung einer Gesellschaft plausibilisieren.

Da ist viel ironische, umgedrehte Anklage auf „Hopelessness“, sogar eine – inzwischen bei den künstlerisch Kreativen so beliebte – Abrechnung mit ihrem anfänglich schwarzen Lieblingspräsidenten.

Über die gesamte Albumlänge wirkt einiges der politischen Anklagerei ein wenig wohlfeil, gar stellenweise scheinheilig. Die Dinge, die nicht in Ordnung sind an unserer Gesellschaft klar zu benennen, ist das eine. Vollkommen zu übergehen, wie sehr eine gefeierte Transgender-Frau in ihrer Kunst Selbstverwirklichung nur in dieser, der westlichen Welt finden kann, die Kehrseite von so viel Nörgelei. Anohni könnte ja mal versuchen, ihre Arbeit in Riad, Taschkent oder von mir aus auch Moskau umzusetzen.

Doch lässt man das leicht zu einfältig vorgetragene Politische außen vor, bleibt ein elektronisch beatgewaltiges Art Pop-Monster von betörender Gesangskunst, dass seinesgleichen sucht.

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