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So poppig klingt es nun auch wieder nicht – White Lung im Interview

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Von der Ego- in die Vogelperspektive: Für ihr neues Album „Paradise“ änderten die kanadischen Punkrocker von White Lung die inhaltliche Marschrichtung. Der Grund: Frontfrau Mish Way war es leid, sich Jahr für Jahr mit sich selbst zu beschäftigen. Anno 2016 sollen imaginäre Charaktere und fiktive Erzählungen im Vordergrund stehen. Doch wie legt man den Schalter um? Was oder wer nimmt Einfluss? Und wo beginnt die Orientierung? Wir wollten es wissen, und trafen uns mit Mish Way in Berlin zum Vieraugengespräch.

MusikBlog: Mish, euer neues Album heißt „Paradise“. Hat der Titel eine tiefere Bedeutung?

Misha Way: Der Titel kam eher zufällig zu Stande. Insofern würde ich jetzt nicht von einer tieferen Bedeutung sprechen. Ich denke, dass der Song, der denselben Titel trägt, einer der intensivsten auf dem Album ist. Das war dann wohl auch der Grund, warum sich Anne (Anne-Marie Vassiliou, Schlagzeugerin) schlussendlich für „Paradise“ entschieden hat.

MusikBlog: Anne hat den Albumtitel festgelegt?

Mish Way: Ja. Das läuft bei uns immer so. Ich schreibe ja die ganzen Texte. Und die schicke ich ihr dann irgendwann. Sie schaut dann, was am besten passt. So arbeiten wir. Anne ist die Entscheidungsträgerin, wenn es um Titel geht. (lacht)

MusikBlog: Aber es sind doch deine Texte. Hast du es nicht so mit Titeln?

Mish Way: Nein, überhaupt nicht. Für mich zählt immer nur das große Ganze. Der Titel ist für mich unwichtig.

MusikBlog: Findest du denn, dass „Paradise“ passt?

Mish Way: Auf jeden Fall. Letztlich geht es in dem Song um meinen letzten Umzug. Ich bin mit meinem Mann in den Süden gezogen. Das hatte schon was Paradiesisches. (lacht)

MusikBlog: „Paradise“ ist einer der wenigen Songs auf dem Album, der sich mit persönlich Erlebtem beschäftigt.

Mish Way: Ja, das stimmt. Es war einfach an der Zeit für eine Veränderung.

MusikBlog: Warum?

Mish Way: Wenn man sich so öffnet, wie ich das über die letzten Jahre getan habe, dann kostet das unheimlich viel Energie und Kraft. Weißt du, dieser Prozess hat immer zwei Seiten. Zum einen verspürt man eine reinigende Befreiung. Das ist großartig. Man spült quasi sämtlichen Ballast aus sich heraus. Danach geht es einem besser. Man muss nichts verdrängen. Man spricht die Dinge klar an, stutzt sie zurecht und setzt sie vor die Tür. Dieser Prozess findet aber nicht im Verborgenen statt.

Als Musiker teilt man seine Gefühle und seine Gedanken ja mit der Öffentlichkeit. Und das macht einen angreifbar und verletzlich. Man muss sich schon ein dickes Fell zulegen; denn nicht jeder packt einen dann in Watte. Das ging auch eine ganze Zeit gut. Ich konnte das gut ab. Aber im letzten Jahr war es einfach so, dass ich gemerkt habe, dass es reicht. So nach dem Motto: bis hierhin und nicht weiter, verstehst du? Also habe ich mir überlegt, was ich machen kann.

MusikBlog: Die Lösung: der Blick vor die Haustür.

Mish Way: So in etwa. (lacht)

MusikBlog: War die Umstellung schwierig?

Mish Way: Nun, ich brauchte schon etwas Zeit. Aber im Grunde ist ja letztlich gar nicht so viel Neues passiert. Die Geschichten auf dem Album haben ja, trotz der fiktiven Charaktere, immer auch noch irgendwie mit mir zu tun. Das kann man gar nicht komplett ablegen. Ich bin ja keine Märchenerzählerin. (lacht)

MusikBlog: Ihr habt euch auch für eine musikalische Veränderung entschieden. Das Album präsentiert ungewohnt viele poppige Momente.

Mish Way: Ja, das stimmt. Das hat sich aber einfach so ergeben. Da steckt jetzt kein Konzept dahinter. Vielleicht liegt es an unserem neuen Produzenten (Lars Stalfors). (lacht)

MusikBlog: Das klingt jetzt eher weniger wie eine Schuldzuweisung. Dein Lachen…

Mish Way: Nein, überhaupt nicht. Ich bin total happy mit dem Sound. Und soooo poppig klingt es ja nun auch wieder nicht. Es gibt ein paar Stellen auf dem Album, die sehr hell erstrahlen. Das sehe ich auch so. Aber ich finde das toll. Wir haben uns mit vielen Produzenten beschäftigt. Aber irgendwie passte keiner so richtig. Erst als wir auf Lars trafen, waren wir alle Feuer und Flamme. Und dieses Gefühl ist unheimlich wichtig. Der Produzent wird im Laufe einer Produktion zu einem weiteren Bandmitglied. So sollte es zumindest sein. Und mit Lars waren wir alle sofort auf einer Wellenlänge. Es gab keine Berührungsängste, keine hitzigen Diskussionen und auch kein Hierarchie-Gehabe. Es hat super gepasst – vom ersten Tag an.

MusikBlog: Das Album ist im Kasten. Jetzt stehen Promo- und Konzertreisen auf dem Plan. Ich habe irgendwo gelesen, dass du nur noch ungern unterwegs bist. Stimmt das?

Mish Way: Ja und nein. Ich bin jetzt schon so lange dabei. Und ich liebe es, auf der Bühne zu stehen. Das ist mein Ding. Wenn ich in die Gesichter unserer Fans blicke, dann bin ich glücklich. Aber der Tag hat nun mal mehr als nur zwei Stunden. Davor und danach kickt mich irgendwie nicht mehr so viel. Ich stehe nicht mehr so auf das Leben aus dem Koffer. Ich bin in einer glücklichen Beziehung und möchte lieber viel Zeit mit meinem Liebsten verbringen. Dahingehend eine Balance zu finden, ist nicht immer einfach. Aber ich gebe mir Mühe. Und ich arbeite daran. Und wenn wir doch mal ehrlich sind: Ich meckere hier auf sehr hohem Niveau. Insofern: Alles gut. Ich bin glücklich.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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