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Mein kompliziertes Kind, das immer Probleme bereitet – Róisín Murphy im Interview

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Auf dem Cover ihres letzten Albums „Hairless Toys“ posierte Roisin Murphy in einer schicken, knallroten Jacke. Ein Jahr später tauscht sie dieses Outfit gegen Schutzhelm und eine neonfarbene Bauarbeiter-Jacke ein. Denn für ihr neues Album „Take Her Up To Monto“, das nach einer Zeile aus einem irischen Volkslied benannt ist, ließ sich die ehemalige Sängerin des Duos Moloko von Architektur inspirieren – von groben Stahlgerüsten, aber auch edel geschwungenen Bogenkonstruktionen. All dies spiegelt sich in den neun Kompositionen ihres vierten Soloalbums nieder, die mal metallisch und grobschlächtig klingen („Mastermind“), mal anmutig („Lip Service“). Wir sprachen mit der irischen Sängerin über das Verhältnis ihrer letzten beiden Soloalben, die Zusammenarbeit mit Eddie Stevens und ihre Arbeit als Regisseurin.

MusikBlog: Für dein letztes Album „Hairless Toys“ hast du insgesamt ungefähr 35 Songs geschrieben, von denen nur acht auf dem Album gelandet sind. Stammen die neun Songs von „Take Her Up To Monto“ ebenfalls aus diesen Sessions mit Eddie Stevens?

Róisín Murphy: Genau. Als wir uns vor „Hairless Toys“ zusammensetzten, wussten wir, dass wir Songs für mehr als ein Album schreiben wollen. Unsere Idee war, dass wir eine Serie von Alben, zumindest jedoch zwei zusammen aufnehmen würden. Wir hatten beschlossen, für fünf Wochen an fünf Tagen pro Woche zu schreiben, und anschließend erst zu entscheiden, was mit dem Material geschehen soll. Nach diesen fünf Wochen haben wir die acht Songs für „Hairless Toys“ fertiggestellt, jedoch nicht an den übrigen Songs weitergearbeitet. Erst nach der Tour zu „Hairless Toys“ haben wir uns dann erneut den übrigen Songs gewidmet.

MusikBlog: Habt ihr die Songs nach der Tour dann noch stark verändert?

Róisín Murphy: Ein paar Songs schon, aber viele haben wir auch unverändert übernommen. An „Mastermind“, dem ersten Song des neuen Albums, haben wir wohl am meisten gebastelt, der letzte Song „Sitting And Counting“ klingt dagegen beinahe genau wie die erste Version, die wir aufgenommen haben.

MusikBlog: Nach welchen Kriterien hast du entschieden, welcher Song auf welchem der beiden Alben erscheinen würde?

Róisín Murphy: Wenn ich jetzt zurückblicke, würde ich sagen, dass wir für „Hairless Toys“ die weniger extremen, etwas konservativeren Songs ausgewählt haben. Die neun neuen Songs sind entweder in den Emotionen oder den Arrangements gewagter und extremer. Diese neuen Songs haben komplexere Persönlichkeiten, deshalb war es wichtig, dass zwischen dem Songwriting und den Aufnahmen eine längere Pause lag. Wir konnten uns Zeit lassen, die Songs kennen zu lernen. Bei Personen mit komplexen Persönlichkeiten dauert es ja auch länger, bis du sie richtig einschätzen kannst. Bei den Songs von „Hairless Toys“ war dagegen schnell klar, in welche Richtung sie sich entwickeln würden. „Hairless Toys“ ist das brave Kind, das seine Hausaufgaben macht, „Take Her Up To Monto“ ist mein kompliziertes Kind, das immer Probleme bereitet. Aber als Mutter liebe ich das Problemkind natürlich ebenso sehr wie das brave.

MusikBlog: In dieser fünfwöchigen Session habt ihr zwei verschiedene Arten ausprobiert, wie man Songs schreiben kann. Am Vormittag hat Eddie Stevens Beats gebaut, zu denen du dann Texte geschrieben hast, am Nachmittag habt ihr gemeinsam am Klavier geschrieben. Sind die Songs auf „Take Her Up To Monto“ deshalb so unterschiedlich?

Róisín Murphy: Wir langweilen uns beide sehr schnell, deshalb haben wir versucht, Abwechslung in diese Sessions zu bringen. Eddie kann auf sehr abstrakte, aber auch eher traditionelle Art Musik komponieren, das wollte ich ausnutzen. Außerdem sind wir beide Performer und arbeiten schon seit sehr langer Zeit zusammen, deshalb steht bei uns der Performance-Aspekt stärker im Vordergrund als bei meinen Zusammenarbeiten mit anderen Musikern und Produzenten. Aus diesem Grund gibt es auf „Take Her Up To Monto“ diese großen dynamischen Brüche, weil so etwas auch live viel Energie freisetzt und das Publikum überrascht.

MusikBlog: Hast du zuvor schon einmal auf diese traditionelle Art – also nur mit Stimme und Instrument – an Songs gearbeitet?

Róisín Murphy: Ich habe bislang vor allem mit DJ-Produzenten zusammengearbeitet, die dazu gar nicht fähig waren. Das soll nicht heißen, dass sie weniger talentiert sind als Eddie, aber sie haben eben eine ganz andere Herangehensweise. Der letzte Song „The Closing Of The Doors“ auf meinem ersten Album, das ich zusammen mit Matthew Herbert geschrieben habe, entstand auf ähnliche Art wie jetzt „Sitting And Counting“, bei dem Eddie Keyboard spielt und ich singe. Aber das ist das einzige Beispiel, das mir einfällt, bei dem ich einen Song auf diese Art geschrieben habe.

MusikBlog: „Take Her Up To Monto“ beginnt sehr energisch mit dem pulsierenden „Mastermind“, endet jedoch mit zwei sehr minimalistischen und ruhigen Balladen. War es schwierig, die sehr unterschiedlichen Songs des Albums sinnvoll anzuordnen?

Róisín Murphy: Oh ja, das war sehr schwierig. Bei „Hairless Toys“ fiel es mir noch leicht. Damals habe ich höchstens ein paar Stunden über die Tracklist nachgedacht. Ursprünglich wollte ich zehn Songs verwenden, aber diese acht Songs bildeten inhaltlich und dramaturgisch eine perfekte Zusammenstellung. Bei „Take Her Up To Monto“ verlief die Zusammenstellung nicht so reibungslos. Eddie und ich schickten uns Tage lang verschiedene Versionen zu, bis wir zufrieden waren. Im Endeffekt haben wir uns für eine sehr mutige Zusammenstellung entschieden, die den Hörer auch ein wenig herausfordert.

MusikBlog: Eine dieser beiden Balladen ist der achtminütige Song „Nervous Sleep“, der wie das Schlaflied zu einem Alptraum klingt. Im Song verirrt sich ein Paar mit dem Auto in den Bergen. Basiert der Song auf einer tatsächlichen Begebenheit?

Róisín Murphy: Ach, es geht einfach nur darum, dass Frauen als Beifahrerinnen angeblich immer meckern, während Männer verzweifelt versuchen, den Weg zu finden. (lacht) Aber es gibt wirklich eine tolle Geschichte zu dem Song. Auf dem Weg zu unserem allerletzten Konzert mit Moloko in der Türkei verfuhr sich unser Van in den Bergen und wir irrten für vier Stunden umher, obwohl die Fahrt vom Flughafen bis zur Location nur 35 Minuten dauern sollte. Weil es unser letztes Konzert war, hatten wir im Flugzeug beschlossen, uns mit sehr viel Gin zu betrinken. Wir waren also vollkommen betrunken, irrten in einem winzigen Van in der völligen Dunkelheit umher – natürlich eskalierte die Situation. Irgendwann schrie jeder jeden an, wir beschimpften und gegenseitig, es war die Hölle auf Erden. Irgendwann bin ich an einem Shop ausgestiegen, habe mir weinend ein Taxi bestellt und bin damit alleine ins Hotel gefahren. Nach fünf Minuten war das Taxi am Hotel, wir waren offensichtlich mit dem Van mehrere Stunden lang im Kreis gefahren. (lacht) Am nächsten Tag haben wir uns wieder versöhnt und unser letztes Konzert als Moloko gespielt. Das ist die Geschichte hinter „Nervous Sleep“.

MusikBlog: Zu dem Song „Ten Miles High“ hast du ein sehr abstraktes Video gedreht, das sich mit Architektur und Formen beschäftigt. Siehst du dich in gewisser Weise als Klang-Architektin?

Róisín Murphy: Da gibt es auf jeden Fall eine Verbindung. Es gab in der Geschichte schon viele ausgebildete Architekten, die Komponisten oder auch Produzenten wurden. Zwischen den Strukturen in Gebäuden und den Rhythmen und Arrangements in Songs gibt es definitiv einige Parallelen. Aber wenn ich  Videos drehe, muss es nicht zwangsläufig eine Verbindung zwischen der Musik und den Bildern geben. Auch bevor ich selbst die Regie bei meinen Videos übernahm, ging es mir nie darum, dass die Videos die Songs beschreiben. Ich bin nämlich der Überzeugung, dass das unmöglich ist. Ich verlasse mich einfach auf meinen Instinkt, auf mein Unterbewusstsein, wenn ich Bilder und Musik zusammenbringe. Mein Vorbild ist dabei David Lynch.

MusikBlog: Du hast die Arbeiten vieler berühmter Regisseure studiert, zum Beispiel ist das Video zu „Unputdownable“ von Rainer Werner Fassbinder inspiriert. Bezieht sich auch „Ten Miles High“ auf ein anderes Werk?

Róisín Murphy: Nein, es war mein Ansatz, dass alle Bilder zum Album „Take Her Up To Monto“ keinen direkten Bezug zu einem bestimmten Stil oder einer bestimmten Zeit haben. Also genau der umgekehrte Ansatz, den ich bei „Hairless Toys“ anwendete, bei dem sich die Bilder auf vergangene Jahrzehnte und Erinnerungen bezogen. Dieses Mal geht es um das Hier und Jetzt und die Dinge, die hier aufeinanderprallen.

MusikBlog: Hast du deshalb den Namen eines irischen Volkslieds für dieses Album gewählt?

Róisín Murphy: Genau, so prallt ein altes Volkslied auf ein elektronisches Album. Es ist ein typisch postmodernes Konzept, ein größeres Fragment wie diese Liedzeile zu nehmen und in einen völlig neuen Kontext zu stellen. Das reizte mich daran.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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