Wild Beasts – Boy King

Seit Beginn ihres Schaffens haben die Wild Beasts Wert darauf gelegt, jede Tendenz von Prollformaten im Keim zu ersticken, was im britischen Metier keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist. Die Band aus Kendal war mit ihren filigranen Hooks schon immer eine Absage an überkommene Brit-Pop-Modelle und raue Garage-Installationen.

Vielmehr dominierte ein elegant feingeschliffener Rock-Kosmos, der aber auf „Present Tense“ zuletzt gefährdet war, durch sein Faible für Reduktion doch ein wenig zu schläfrig zu wirken.  Auch wenn Tracks wie „A Simple Beautiful Truth“ mit ihren cleveren Arrangements immer wieder hervorstießen.

Das oft beredete Falsett-Flair von Hayden Thorpe ist auch auf „Boy King“ signifikant, neu hingegen sind die extrovertierten Gitarreneinsätze. Weg von verträumten Schimären, mehr Funk, mehr Groove:

„Get My Bang“ deklariert beispielsweise das Ende vom Dream-Pop-Streichelzoo und präsentiert sich für Bandverhältnisse ungewohnt lasziv. Thorpe lässt zwar keine Hunde los und auch von Fauchen fehlt noch jede Spur, doch so unterkühlt hat man die Gruppe, die sich ursprünglich den Namen Fauve (französisch: Raubtier) gab, selten vernommen.

Das Album ist ein Beleg dafür, dass sich Bedrohlichkeit auch subtil inszenieren lässt:

Tracks wie „He The Colossus“ schleichen sich ambivalent an; hier sind es die flackrigen Synthesizer, die Richtung New Wave ziehen – und düstere Bassgitarren im Drone-Modus, die jede Hoffnung auf gelichteten Synthie-Pop zunichte machen, der dafür aber auf „2BU“ Raum einnimmt und die bekannten Trademarks der Band erinnern. Melodiöse Hooks, die in gefährlicher Lauerstellung verharren. Wie ein gezähmtes Raubtier , das unvermittelt den Dompteur angreifen könnte. Wie eine kuschelsüchtige Hauskatze mit sadistischer Ader.

„Boy King“ begründet definitiv eine Neuerfindung, ist aber mehr zärtliche Metamorphose als Radikalkur. Es bleibt das Verdienst der Wild Beasts, dass diese Wandlung nicht in einer Passage gezwungen wirkt.

Gegen Ende hin klingen sie dann doch wieder gewohnt zärtlich. Und Haydens Falsett im schlichten Piano-Abschluss „Dreamliner“ durchaus wie Ahnoni: fragil, zerbrechlich, verwundbar.

Während andere Bands der ersten Indie-Generation vergeblich versuchen, ihren Riff-Rockpanzer wiederzubeleben, begeben sich Thorpe und seine Jungs auf neues Terrain und punkten auf voller Linie.

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