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All Diese Gewalt – Welt in Klammern – Gewaltig

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Nicht zum ersten Mal präsentiert Max Rieger, Frontmann der Postpunk-Erneuerer Die Nerven, abseits seiner Stammband eine seiner weiteren musikalische Seiten.

Aka All Diese Gewalt veröffentlichte er bereits 2014 das Solo-Werk „Kein Punkt Wird Mehr Fixiert“, welches über das Stuttgarter Label Treibender Teppich Records vertrieben und direkt über Bandcamp abrufbar war, aber trotz aller Ambitioniertheit das Nischendasein nicht überwinden konnte.

Das Vorzeigemusiker der zeitgenössischen schwäbischen Szene wußte darauf mit atmosphärisch dichten Songstrukturen aus zig übereinandergestapelten Tonspuren zu begeistern. Mit der Veröffentlichung des Nachfolgers beim renommierten Staatsakt Label sollte seine Musik nun einen größeren Publikum zugänglich werden.

Von unglaublichen 160 (!) zur Verfügung stehenden Stücken fanden zehn den Weg auf „Welt In Klammern“. Aus dem endlosen Klangkosmos seiner One-Man Studio Session startet Max Rieger eine stoisch kreisende Klangdrohne, für deren abgeworfenen Sound die Bezeichnung „vielschichtig“ untertrieben ist.

Der klare Bass, die scharfe Gitarrenlinien, Xylophon, Piano, Flöte, Keyboardeinsatz – oft klingt das nach Ian Curtis, an anderer Stelle wie ein Auszug aus Cures „Seventeen Seconds“, manchmal sogar nach Jean Michel Jarres Synthesizer Bombast.

Weder angenehme noch unangenehme Themen können den Protagonisten in der Dreiviertelstunde Laufzeit dazu bringen, nennenswert seine emotionale Nulllinie zu verlassen.

„Wie Es Geht“ heißt der Opener, verweigert sich durch Selbstentzug, bleibt so kühl und distanziert wie sein Verfasser, der nie in Verdacht gerät, sich zu einer verbalen Unbeherrschtheit hinreißen zu lassen.

„Und alles was Du sagst prallt an den Wänden zurück /und alles was du denkst bekommt Flügel und fliegt weg“ heißt es in „Jeder Traum eine Falle“ was als Sinnbild für Riegers Inhalte stehen könnte: keine verkopfte Besserwissereien, keine Ratschläge, kein Trost. Stattdessen Bestandsaufnahmen, Lichtblicke, Resignation – „Laut Denken“, ohne einer Lösung näher zu kommen.

Unruhe wird durch die Laut/Leise-Effekte generiert, das An- und Abschwellen ist manchmal des Guten zu viel. Rieger versteht es aber, erdrückende Opulenz mit klingelnden Glocken, klopfen auf Holz, meditativen Raunen oder dem Zirpen von Grillen zu bändigen, bevor es zu einer akustischen Überforderung kommt.

Nach dem aufbrausenden „Stimmen“ und dem instrumentalen „Klang“ keimt bei „Morgen Alles Neu“ mit seinem schleifenden Schlagzeug und Jazz-Improvisationen kurz vor Feierabend doch noch etwas Hoffnung auf. Letztlich fällt auch darüber jener bleierne Vorhang des Stillstands, von dem uns am Ende die „Geister“ mit gepitchter Stimme berichten.

Isolation Berlin, Die Heiterkeit, Turbostaat – alle lieferten in diesem Jahr bereits wichtige deutschsprachige Alben. Das von All Diese Gewalt reiht sich nahtlos ein. Ein starkes Stück Popkultur, dem demnächst Bonustracks folgen werden. Schließlich sind noch 150 Songs übrig.

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