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Mykki Blanco – Mykki

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Mykki Blanco kann und will sich nicht auf eine Geschlechtszugehörigkeit festlegen. Das gilt auch für die berüchtigte Genre-Frage: Sie rappt und gleichzeitig hat er ein Faible für elektrifizierte Beats. Zum Mitkommen: Wir reden hier immer noch von einer einzigen Person. Die bringt jetzt ihr Debütalbum heraus, auf dem die private und politische Dimension eng miteinander verschlungen sind.

Angefangen hat Blanco als Kinder-Schauspieler, etablierte sich dann an der Kunsthochschule, um von hieraus zu demjenigen Genre zu wechseln, das sich bis heute ambivalent gegenüber Homosexuellen positioniert.

Anders kann man es nicht erklären, dass die Medien sich teilweise überschlugen, als Jay-Z sich einst mit den Lesben und Schwulen in Amerika solidarisierte. Sein Satz „It’s no different than discriminating against blacks “ hat Geschichte gemacht. Nur fürs Protokoll: Diese Attitüde ist keineswegs Standard – für etliche US-Rapper gehört die Bezeichnung „fagott“ immer noch zum ABC der Reimkunst.

Daher darf man die Phase, in der sich Blanco im New Yorker Rap-Unterground durchschlug, keinesfalls unterschätzen. Sie wird den Musiker ungemein geprägt haben, der sich in dieser Zeit zur Transgender-Frau entwickelte.

Das Resultat ist eine extrem selbstbewusste Platte, die gleichzeitig sehr viel Angriffsfläche bietet. Beispielsweise beim einnehmenden Storytelling von „High School Never Ends“, auf dem Woodkid, der auch das Album mitproduziert hat, für einen Gesangspart verpflichtet wurde. Hier wird die Geschichte einer Liebesgeschichte zweier Teenager erzählt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ein Skinhead führt mit einem Transgender-Mann eine Beziehung, die das Paar nur mit viel Mühe verheimlichen kann. Harte Schale, weicher Kern.

Die sensiblen Streicherpassagen der Nummer sind auf „Mykki“ aber eher Einzelfall. „Hideaway“ präsentiert Trap und auch die Techno-Snares von „For The Cunts“ könnten ohne Probleme zur Primetime im Club laufen. Der wird in „The Plug Won´t“ aber als oberflächliche Maskerade durch den Kakao gezogen. Zumindest macht Blanco hier deutlich, dass sie von einem Großteil des hier geführten Netzwerk-Smalltalks nicht viel hält.

Stilistisch erinnern nicht wenige Stücke an Battle-Formate. Gleichzeitig singt Blanco die Refrains ebenfalls selbst, auch wenn man hinter der Stimme anfangs ein Feature vermutet.

Zwischen scharfzüngigen Tracks sind es gerade die für das Rapalbum-Format so typischen Skits, beziehungsweise Interludes, in denen die Hauptmotive des Albums besonders explizit durchsickern: Hier wird Blanco intim, ohne die eigene Biographie zu konkret in den Vordergrund zu stellen.

Im „Interlude II“ heißt es zu Vocoder-Echo etwa „In my soul I have an idea of love, want to be in love, want to know intimacy. This desire burns in me so deeply, deeper than my desire to act“, während das „Interlude I“ noch wie eine Stimmcollage anmutet, die einem Theaterstück entlehnt wurde.

Stichwort „act“: Gleichzeitig spürt man das Verlangen nach kurzweiligem Rollenspiel. Anders kann man sich die raschen Wechsel, was Tonalität und Tempo angeht, nicht erklären.

Doch gerade Künstlichkeit meint bei Blanco Natürlichkeit, insofern man darunter das menschliche Verlangen versteht, Gesten und Perspektiven voller Neugier auszuprobieren und zu wechseln. Das demonstriert auch „You Don´t Know Me“, das sich zwischen intelligenter Perkussion, schweren Bässen, aggressiv tiefem Rap aber auch balladesk wirkenden Gesangspassagen bewegt.

Hier findet man dann im Detail sowohl Rap-Referenz und Lektion. Das belegt dieser Vers: „Taught to believe, that sky was the limit, know so many members try to keep in my limits“. „Sky Is The Limit“ ist ein großer Hit der Eastcoast-Ikone The Notorious B.I.G. gewesen, der quasi die Rap-Version des American Dream verkörpert hat.

2016 ist Blanco hingegen pessimistischer – und fragt kritisch, ob sich die Gesellschaft durch die strikt vorgeschriebenen Geschlechts- und Identitätsmodelle nicht selbst eine Grenze setzt. Gleichzeitig thematisiert Blanco hier seine HIV-Infizierung im Kontext von Selbst- und Fremdzuschreibung.

All das macht „Mykki“ zu einer inspirierenden, spannungsreichen und vor allen Dingen mutigen Platte. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Das gilt natürlich für er/sie/es. „Mykki“ ist Gender Studies in Performanz und kennt mehr als nur ein Thema.

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