Augustines – Live im Huxley’s, Berlin

Abschiede können Schmerzen verursachen. Im Fall von den Augustines sogar sehr große. Kaum eine andere Band versprühte auf der Bühne so viel Charme und Energie. Da ist es nicht verwunderlich, dass sie als eine der besten Live-Bands in den letzten Jahren gehyped wurden und sich eine große Fanbase erarbeitet hatten.

Erst vor wenigen Wochen verkündeten sie das Ende ihres Bandprojektes. Doch auf eine Abschiedstournee wollten Billy McCarthy, Eric Sanderson und Rob Allen nicht verzichten. Nachdem sie zum Beispiel in München, Leipzig, und Hamburg mental an ihre Grenzen stießen , ging es am Mittwoch im Huxley’s Berlin noch mehr an die geschundene Musikerseele. Es sollte das letzte Deutschlandkonzert von den Augustines werden.

Schon als die Musiker auf die Bühne kamen, sah man zum Beispiel Sänger Billy McCarthy an, dass er mit seinen Gefühlen zu kämpfen hatte. Beim Opener “Intro (I Touch Imaginary Hands)” war noch eine große Anspannung zu erkennen.

Doch noch während die ersten Akkorde von “Headlong Into The Abyss” erklangen, fielen all seine Sorgen von der Seele. Das Publikum applaudierte und zeigte, dass der Moment zählt. Keine Zeit für Trauer – lieber tanzen und singen!

“This is our last Deutschland-Show. I can’t even believe I just said it. But it was raining today – the Rock-God was crying, so we fucked it up”, erzählte McCarthy und leitete “Are We Alive?”, die aktuelle Single aus dem letzten Album ein. Die Antwort des Publikums: JA! Berlin ist am Leben und die Band dankte es mit diesem Lied, welches live noch energischer und mitreißender ist. Eine Hymne an das Dasein! Ein schweißtreibender Song für Band und Fans.

Dass danach “Philadelphia (The City Of Brotherly Love)” erklang, sollte keinen wundern, es tanzten fast alle Arm in Arm und gröhlten die Refrains wieder und wieder Richtung Bühne.

Einige Augenblicke gab es dann das Publikumssolo. Die Lautsprecher fielen am Anfang von “Now You Are Free” aus. Doch die Zuschauer klatschten im Rhythmus weiter und übernahmen den Gesangspart.

Die Augustines leben für die Musik, ob in ihren Songs oder live ganz nah am Publikum. Und so gehen ruckzuck anderthalb Stunden ins Land, bis mit “Nothing To Lose But Your Head” auch schon der Hauptteil vorbei ist.

Natürlich gibt’s eine Zugabe. Die Band nennt das Publikum “ihr viertes und lautestes Mitglied”. Es war stets ein Brauch der Augustines, dass sie, wo immer es geht, von der Bühne klettern und einige Songs mitten im Zuschauerraum spielen. Der Größe des Huxley’s geschuldet, war dies leider nicht möglich. Doch Billy McCarthy machte es sich vor der Bühne sehr bequem und sang zusammen mit den ersten Reihen “Weary Eyes”, “Landmine” und “Walkabout”.

Doch plötzlich rollten die Tränen. McCarthy verlor die Fassung und musste von seinen Kollegen und Freunden getröstet werden. Ein emotionaler Abschied von Deutschland, der in diesem Moment in das Bewusstsein trat.

“When we feel sad, we should do one thing – dance.” sagte Bill und leitete “Cruel City” ein. Und spätestens jetzt kam auch den vielen Zuschauern und Fans die Erkenntnis, dass die letzten Minuten mit den Augustines anbrachen. Es wurde noch einmal getanzt und gesungen als gäbe es kein Morgen mehr. Keiner dachte an Abschied, sondern nur an den Moment.

Man merkte, dass keiner gehen wollte, am wenigsten die drei Augustines.  Doch irgendwann war die Zeit da, um Tschüss zu sagen. Nach “Cruel City” klatschte das Publikum minutenlang und zog noch einmal Billy McCarthy auf die Bühne. Es gab noch ein Lied – a capella – “Running In Place”. Danach kam die restliche Band dazu und bedankte sich gefühlt zum 8.000. Mal beim Publikum, verteilte noch liebevoll Plektren und Drumsticks an die Fans.

“There really is a lot of Scheiße in this world. But you know what I’m going to do… You fucking got nothing to lose than your head. Thank you Berlin! Thank you Deutschland!” waren die letzten Worte von William McCarthy. Danke Augustines!

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