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Friends Of Gas (Credit Stephan Masyuta-Hesslich/MusikBlog)

Sich spüren und Luft zum Atmen lassen – Friends Of Gas im Interview

Friends Of Gas, die schon immer den Namen Gas wegen seiner vielen Bedeutungen im Bandnamen haben wollten, sind das neueste Signing des geschmackssicheren Maurice Summen von Staatsakt (übrigens nach Intro durch Notwist) und eine nicht ganz typische Münchner Band. Diese Woche bringen sie ihr Debütalbum „Fatal Schwach“ heraus, nachdem im Frühjahr bereits die EP „Tape“ erschienen ist (die buchstäblich auch als Kassette erhältlich war). Nicht nur live sind FOG ein Phänomen, sondern liefern mit dem Debüt auch eines der besten Alben des Jahres ab. Wir trafen Sängerin Nina Walser und Gitarrist Thomas Westner zum Gespräch über die Münchener Musikszene, die Freundschaft zu Max Rieger und ihren besonderen Bezug zum Live-Spielen.

MusikBlog: Sebastian Schnitzenbaumer alias Belp hat ja kürzlich gesagt, dass es die subkulturelle Szene in München wegen seines Idyllen-Image sehr schwer hat. Sehr ihr das auch so?

Thomas: In München ist die Szene schon sehr klein, was daran liegt, dass es sehr wenig Proberäume gibt und alles sehr reglementiert ist.

Nina: Bei mir in der Nähe steht z.B. ein altes Haus leer, aber niemand traut sich, damit was zu machen. Es gibt ja auch keine Hausbesetzerszene oder so. Anders als z.B. in Leipzig, wo es viel mehr Raum gibt und mehr Freiheiten. Aber auch, wenn eine Stadt scheinbar langweilig ist, kann es dort ja gute Musik geben.

Thomas: Wir haben bei manchen Münchner Musikern auch den Eindruck, dass alles sehr kalkuliert ist und sie ihre Band mit Business Plan gegründet haben. Bei uns ist das ja ganz anders.

MusikBlog: Inwiefern? Was war denn eure Motivation?

Thomas: Ich glaube, es war einfach nur der Drang. Nina und ich kennen uns schon 18-19 Jahre, die anderen kennen wir auch schon eine Weile und wir wollten schon immer mal zusammen Musik machen. Vier Tage vor dem Die Nerven Konzert haben wir dann Friends Of Gas gegründet, eigentlich zunächst als Nebenprojekt.

MusikBlog: Max Rieger von Die Nerven hat ja auch euer Album produziert.

Thomas: Ja, aufgenommen und produziert. Ich kenne Max schon lange, er ist ein Freund von mir. Daher war es eine sehr angenehme Zusammenarbeit, aber auch sehr intensiv. Wir haben uns vier Tage hintereinander im Kafe Kult eingeschlossen, haben da gewohnt und zusammen gespielt und geschaut, was entstehen kann. Das Ergebnis waren dann 12 sehr lange Stücke, die wir auf die EP „Tape“ und das Album aufgeteilt haben.

MusikBlog: Hat Max auch den Sound beeinflusst?

Thomas: Nein. Der Sound hat sich so ergeben, als wir als Band angefangen haben.

MusikBlog: Schon so wie er jetzt ist? Habt ihr denn alle einen ähnlichen Musikgeschmack?

Thomas: Nein, gar nicht, der ist bei allen fünf komplett unterschiedlich und auch die jeweiligen Einflüsse. Uns ging es einfach um das Feeling miteinander. Einfach den anderen spüren und einfach machen, ohne sich viele Gedanken darüber zu machen. Luft zum Atmen lassen. Wir sind bei den Konzerten am Anfang einfach auf die Bühne gegangen und haben geschaut, was passiert. Manchmal wussten wir nach einem Auftritt gar nicht mehr, was wir eigentlich gespielt haben.

Nina: Aber wir haben nach den ersten Auftritten sehr gutes Feedback bekommen und haben deshalb weiter gemacht.

MusikBlog: Und habt damit München zurück auf die musikalische Landkarte gebracht…

Thomas: Was mich in den letzten zwei Jahrzehnten immer gestört hat, die Republik war zweigeteilt: Im Norden haben die Leute miteinander kooperiert, Projekte gemacht und Bands gegründet und im Süden war nichts. Erst seit 3-4 Jahren passiert auch hier unten wieder etwas.

Nina: Wobei es immer noch in sich geschlossen ist, wie eine Blase. Viele Musiker spielen in 10 Bands und in Summe sind es vielleicht 20-30 aktive Musiker in der Szene. Das ist fast schon ein Inzest-Ding. (lacht)

Thomas: Wobei ich es gut finde, wenn die Leute viel ausprobieren und Nebenprojekte gründen. Aber man darf es auch nicht übertreiben. Ich bin eher dafür, machen, abschließen und dann weiter machen.

MusikBlog: So wie mit dem Album?

Thomas: „Fatal Schwach“ war dieser Moment, den wir aufgenommen haben, aber wir sind eher eine Live-Band. Wir treffen uns nicht regelmäßig im Proberaum und schreiben neue Songs zusammen. Die Titel klingen live auch nicht so wie auf der Platte.

MusikBlog: Also improvisiert ihr live?

Nina: Nicht unbedingt, es gibt nur zwei Titel, die offen sind und bei denen wir improvisieren.

Thomas: Aber wir spielen jedes Mal anders, manche Sachen klingen live ganz anders. Manchmal gibt einer einen Impuls und wir schauen, wo es hinführt. Es kommt immer darauf an, wie das Publikum und die Situation beim Konzert ist. Wir wollen uns als Live-Band auch weiter entwickeln. Das Live-Feeling ist eine ganz andere Intensität, manchmal verliert man sich komplett in einem Konzert.

Nina: Es ist ein instinktives Arbeiten und immer eine Überraschung. Auch zwischenmenschlich ist da immer eine gewisse Spannung, manchmal funktioniert es sehr gut, dann sind wir alle auf einer Ebene, und manchmal eben nicht. Wir arbeiten da nicht verkopft. Wir spüren, ob sich jemand wohl fühlt oder nicht, das ändert dann auch die Dynamik.

MusikBlog: Entstehen so denn auch die neuen Songs?

Thomas: Ja, die entstehen aus Impulsen, aus Jam-Sessions heraus. Einer macht einen bestimmten Rhythmus und die anderen nehmen es auf. Nina singt dann irgendwas drüber, manchmal verstehe ich gar nicht, was sie singt. (lacht)

MusikBlog: Das war bei Joy Division angeblich auch so…

Nina: Ich schreibe die Texte schon vorher, aber weiß da noch nicht, wo sie reinpassen. Das entscheide ich spontan nach dem Klang, oft erstmal nur mit Wortkombinationen. Wenn die anderen etwas anderes verstehen, als ich eigentlich gesungen habe, dann baue ich das auch oft ein und ändere den Text. Daraus entsteht dann wieder etwas Neues. Der ganze Inhalt erschließt sich so erst später.

MusikBlog: Aber nun gibt es ja zunächst das Album als fertiges Produkt.

Nina: Ich habe manchmal Albträume, dass die Platte ganz anders klingt oder das Cover ganz anders aussieht. (lacht)

Thomas: Aber diese Woche halten wir es hoffentlich in der Hand.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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