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Friends Of Gas – Fatal Schwach – Set me on fire, Gasoline

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Kein Ende herausragender deutschsprachiger Platten in diesem Jahr in Sicht, auf dem Qualitätsgaranten Staatsakt erscheint jetzt mit „Fatal Schwach“ das Debüt von Friends Of Gas.

Roh, wuchtig und gefährlich klangen die Münchener schon, als sie sich während diverser Jam-Sessions zum Bandgerüst formierten. Ihre Tracks versprühten analogen Charme, ihre ersten Kostproben gab es folgerichtig auf Kassette.

Da sich diese Art der Tonwiedergabe vermutlich nicht mehr durchsetzen wird, und es mit großer Wahrscheinlichkeit mehr Interessenten als Besitzer ihrer limitierten Bänder gibt, bevorzugen die Musiker aus der schütteren Underground-Szene der bayrischen Landeshauptstadt jetzt die CD bzw. Download als Medium.

„Fatal Schwach“ wird ältere Semester wohlig an Sonic Youth in der „Confusion Is Sex“ Zeit erinnern sowie an das, was aus der eingemauerten Kreativinsel Westberlin während der Post-Punk Ära dröhnte. Gleiche Jahrgänge aus dem Beitrittsgebiet fühlen sich an Konzerte der „Anderen Bands“ in heruntergekommenen Kinosäalen eines noch heruntergekommeneren Landes zurück versetzt.

Erol Dizars hartes Schlagzeug treibt die Gitarren von Veronica Burnuthian und Thomas Westner durch die kühle Atmosphäre, kontrollierte Aggressivität beherrschen die rauen Textfragmente der Sängerin Nina Walser.

„Dein Körper ist mein Template“ singt sie und jede Silbe der heiseren Stimme stellt klar, dass sie die Schablone bis zur Vollständigkeit füllen wird. „Wendet Gewalt an“ fordert sie mit Nachdruck an anderer Stelle – kein Krawallaufruf, sondern ein kräftiges „Du-kannst-mich-mal“ für den (nicht nur musikalischen) Zeitgeist.

Das mit Herzblut verbundene Handwerk des Quintetts hält nicht nur in den 8 ½ Minuten „Kollektives Träumen“ den Spannungsbogen hoch, auch die nur unwesentlich kürzeren „Ewiges Haus“ oder „Saurer Schnee“ verlieren durch Verdichtung, Reduktion und den stoischen Basslauf von Martin Tagar über die lange Laufzeit nicht an Intensität.

4 von 7 Stücken haben Überlänge, aber auch die kürzeren „Involuntary“ oder „Template“ überzeugen mit vertontem Unverständnis und wenn „Einknick“ zwischenzeitlich mit Melodieansätzen experimentiert, ist der Songtitel kein Programm.

Die Klangkonzeption von Friends Of Gas ist bestens geeignet, um während ihrer Konzerte Soundwände aufzubauen. Davon konnten sich Ende September auch die Besucher des diesjährigen Reeperbahnfestivals überzeugen: „Wer nicht hingeht ist doof“ twitterte ihr Label dazu:

Recht hatten sie. Darum hat Die Nerven Frontmann Max Rieger, der uns gerade erst via All Diese Gewalt das zweite Album „Welt In Klammern“ schenkte, die Stücke mit der Band auch live eingespielt (vier Tage hintereinander im Münchener Kafe Kult), um möglichst viel von dieser Energie auf der Platte zu erhalten.

Wenn sich am Ende die gefährlich zischende Noise-Schlange „Teeth“ in ihre Höhle zurückgezogen hat, fühlt es sich an wie nach dem Konsum einer akustischen Line. Der Rausch trägt lange durch den Tag, in Anlehnung an Big Blacks „Kerosene“ sei mit einem kräftigen „Set me on fire, Gasoline“ vor den Fünf der Hut gezogen.

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