Es gibt drei Voraussetzungen, die Weltbühne des Pop zu erobern: Man sollte möglichst massentaugliche Musik machen. Man sollte angloamerikanischer Herkunft sein und ganz wichtig: mindestens der Mensch am Mikro sollte maximal makellos sein, Tendenz Rampenschönheit.

Bis auf Punkt zwei sind das keine idealen Voraussetzungen für Conor Mason, Sänger und Kopf einer Band, die durch alles Mögliche besticht, nicht aber durch Massentauglichkeit und einem Beau an der Weltbühnenkante: Nothing But Thieves.

Wie egal so etwas im Mutterland fast aller Sounds von heute sein kann, zeigte sich jedoch am Freitag in der Brixton Academy, einem dieser unzähligen Tempel des Londoner Musikolymps, jugendstilprächtig und voller Geschichte.

Als der klitzekleine Connor mit dem zerknautschten Knuddelgesicht das fast hundertjährige Theater betreten hatte, geschah nämlich Seltsames: 5.000 Besucher rasteten kollektiv aus, wie sie es schon bei den zwei Vorgruppen, ja selbst der gemeinsam mitgesungenen Pausenmusik vor Aufregung getan hatten.

Textsicher bis in die hinterletzte Reihe des riesigen Ranges, sang es praktisch jeden Track einer Band mit, die hierzulande kaum jemand kennt, in ihrer englischen Heimat aber ganze vier Jahre nach der Gründung längst zum Heißesten zählt, was dem Durchlauferhitzer britischer Gitarrenmusik zurzeit entfährt.

Und das ist schon deshalb bemerkenswert, weil die fünf Mittzwanziger aus Essex einen sehr straighten, oft räudigen, jedenfalls konsequent analogen Rock’n’Roll durch die gewaltige Lichtshow hämmern, der immer wieder vom vielleicht seltsamsten Gesang des Popbiz konterkariert wird.

Musikalisch irgendwo zwischen Arctic Monkeys und Arcade Fire, untermalt Connor Mason das Ganze stimmlich im theatralischen Volumen von Freddy Mercury oder Spandau Ballet.

Und trotz aller Melodramatik sorgt diese seltsame Mischung in der Brixton Academy mehr noch als auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum für eine Rätselhaftigkeit, die selbst Außenstehende mitreißt. Von den seligen Gästen des rasend schnell ausverkauften Abschlusskonzerts ihrer britischen Tour ganz zu schweigen.

Ein wuchtiger, verträumter, manchmal zu pathetischer, aber durchweg stimmiger Auftritt daheim, wo die Band anschließend allen Ernstes ihre Familien im Backstagebereich zum Feiern begrüßte. „Das ist hier einer der größten Momente meines Lebens“, sagte Connor dort aus seiner sympathischen Knautschzone.

Größer noch als voriges Jahr, beim Support der stilistisch artverwandten Muse in Köln vor 15.000 Besuchern. Demnächst dürften sie eigens für Nothing But Thieves kommen.

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