Das eigenwillige Orchester The Colorist spielt Neo-Klassik auf Umwegen. Auf einem dieser Pfade haben sie neuerdings die isländische Sängerin Emilíana Torrini getroffen, die wie eine verlorene Fee aus Björks Backing Vocals-Chor klingt, den es nicht gibt. Torrini wurde die Möglichkeit zuteil, einen Teil ihrer Stücke in neuem Setting und Milieu aufzunehmen.

Das Orchester, dessen Spielweise sich als unorthodox präsentiert, modelt die Stücke von Torrini (vornehmlich die früheren Singles “Jungle Drum” und “Dark Speed”) elegant um, verrät aber nie den Kern der elegischen Stücke.

Die Live-Aufnahmen dieses Albums betonen die organische Tendenz von Emiliana, die als softe Verwandlungskünstlerin bereits für die australische Pop-Diva Kylie Minogue tätig war, aber ebenso für die Gesangparts von GusGus sorgte, ein Electronica-Act, der mittlerweile bei Kompakt untergekommen ist.

Es sind zarte Farbnuancen, die das achtköpfige Orchester den folkigen Originalen verpasst. The Colorist tupfen ihre Streicherkleckse vorsichtig auf den filigranen Pop von “Nightfall”, zeichnen weiche Percussion in die ohnehin schon eleganten Gewände ein und malen mit Bassklarinetten in diejenigen, tendenziell eher kargen Passagen von Torrini hinein, in denen noch Platz für Klang ist. Nicht selten entlockt die Gruppe den eigentlich vornehmend akustischen Stücken einen spannenden, vibrierenden Touch.

Das belgische Orchester um Aarich Jespers und Kobe Proesmans spielt auch ohne Besetzung eines klassischen Dirigenten fehlerfrei. Manchmal fragt man sich sogar, ob sich Torrini ihre Songs in ihrer Orginalfassung insgeheim so vorgestellt hat. Die windigen, leicht mystischen Arrangements fusionieren einwandfrei mit ihrer aus Klassik und Ballade genährten Stimme, die sie früher an einer Opernschule trimmte.

Das Album schließt mit reduziertem Piano und dient somit letzten Endes auch als Beweis dafür, dass Neo-Klassik wie wir sie beispielsweise von einem Nils Frahm kennen, fast mit einer smarten Dosis Pop funktionieren könnte. Vorschlag zur Güte: Nennen wir diese Kollabo doch einfach angestrichenen Chamber-Pop.

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