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Bonobo – Live in der Columbiahalle, Berlin

Mineralogen aufgepasst: Bonobos Tour zu seinem aktuellen starken Album „Migration“ ist was für euch. Die Materialien der festen Erde, wie es per definitionem heißt, waren das zentrale Motiv der übergroß zur Schau gestellten Visuals für die sehr gelungene Live-Darbietung Bonobos durchaus club-tauglicher Downtempo-Electronica.

Wunderschöne Gesteinsstrukturen, materielle Oberflächen aller Art und gebirgsartige Landschaften, mal belassen, mal mit digitalem Grafikeffekt verschnörkelt, verzierten optisch, was die traumfängerische Klanglandschaft ohnehin evozierte: Eine Feel-Good-Reise.

Lava, Wasser, Gestein, Schönheit in Vogelperspektive: Die Visuals waren schön und ein Gewinn, keine Frage. Aber manches Mal auch ein Tick zu viel des Guten. Nicolas Jaar hat im Dezember an gleicher Stelle gezeigt, wie weniger mehr sein kann allein durch sparsamen schöpferischen Lichteinsatz.

Da auch dieser gestern in der ausverkauften Columbiahalle nicht zu kurz kam, wurde das Drumherum zu einem dickschichtigen Belag auf der eigentlich akustischen Stulle.

Simon Green aber, mit „Migration“ hat er es ja endlich wieder gezeigt, ist ein famoser alles-wird-gut-Magier. Und auch wenn er sich in den letzten Jahren mehr und mehr zum DJ entwickelte, und man dies seinem heutigen Sound strukturell deutlich anhört, bleibt er doch ein waschechter Musiker. Einer, der nicht nur digitale Knöpfchen drückt, sondern gern auch den Bass in die Hand nimmt.

In der Spitze zu Acht standen er, auf einem Podest leicht thronend, und seine Sängerin, sein Gitarrist, sein Schlagzeuger, sein Keyboarder und seine Bläser auf der enormen Bühne und hauchten den elektronischen Chillout-Klängen einen diesen sehr gut zupass stehenden Band-Groove ein.

Dass der Sound mal wieder nur im “Front of House” optimal zu hören war, dass beim Gehen vor der Zugabe das Mikro seiner Sängerin nicht an war als er noch dankvolle Abschiedsworte verstreuen wollte: geschenkt. Simon Greens Stärke ist die des Vergessen-lassens.

Vergessen lassen, was stört, was unschön, was nicht wichtig genug im Leben ist. Das kann Bonobos Musik, mit und ohne tollen Visuals.

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