Communions – Blue

Eiffel 65 haben vor Jahren dafür gesorgt, dass der Begriff “Blue” in Verbindung mit Musik eine gewisse Aversion erzeugt. Davon ist der erste Longplayer der Dänen Communions deutlich entfernt, „Come On, I’m Waiting“ startet ohne Punkt und Komma im knackigen Power-Pop Modus.

Martin Rehof formierte mit Bruder Mads sowie Jacob van Deurs Formann und Frederik Lind Köppen das Quartett, um im selben Proberaum, den schon die städtischen Kollegen Iceage benutzten, die ersten Gehversuche als Band zu unternehmen. 2014 sangen und spielten sie sich auf der „Cobblestone“ EP mit schwermütigen New-Wave und ungehobelter Zerrissenheit die Last der Adoleszenz vom Leib.

Der selbstbetitelte Nachfolger im Folgejahr hatte dann deutlich mehr Pop-Appeal, auf „Blue“ setzen die Communions diese Entwicklung fort, was den Knalleffekt eingangs des Openers dann auch rasch unter sauberen Gitarrenlinien und gefälligen Hooks zerbröseln lässt.

Die schmissige Angelegenheit, thematisch zwischen den Irrungen und Wirrungen der Liebe angesiedelt, schielt mit mehr als nur einem Auge in Richtung britische Insel. Dabei wünscht man den Jungs etwas mehr Mut zum eigenen Profil, mehr Kante, um ihre Soundvorstellungen nachhaltig im Konsumentenohr zu platzieren, Ideen scheint es doch genug zu geben.

Sehr nah kleben die Vier über viele Passagen an ihren musikalischen Präferenzen, die Unbekümmertheit der vorhergehenden Aufnahmen bleibt ein stückweit auf der Strecke. Das unverhohlene Baggern am Manchester-Sound erlebt dabei mit „Passed You By“ einen frühen Höhepunkt, schafft es aber ebenso wenig, dessen schwermütigen Geist zu importieren, wie es der Gitarre nicht gelingt „She`s A Myth“ einen Hauch der frühen Editors zu verpassen.

Die Platte hat während “Don’t Hold Anything Back” oder “Eternity” einige große Momente. Abwechslung wie der pumpende Bass bei „Midnight Child“ bleiben insgesamt jedoch die Ausnahme und der Gesang von Martin Rehof mit seiner exzessiver Konsonantendehnung wirkt auf Dauer etwas anstrengend.

Das Album kann die “Alarm Clocks” nicht über die Gesamtspielzeit läuten, resozialisiert „Blue“ in der Musik aber weiter.

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