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Ich will niemals mit dem Zeigefinger wedeln – Bela B im Interview

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Als Schlagzeuger der Ärzte zählt Dirk Albert Felsenheimer, seit frühester Kindheit nur Bela B genannt, zu den ganz großen Popstars im Land. Selbst in Film und Fernsehen ist der 54-jährige Berliner von Trashfilmen seines Schulfreundes Jörg Buttgereit über den „Tatort“ bis hin zu Serienrollen auf RTL ziemlich präsent. Dennoch sei bei ihm immer alles Musik, erzählt Bela B im Gespräch über sein viertes Solo-Album „bastard“, das voll und ganz im Stil seiner großen Leidenschaft gehalten ist: Alternative Country – sehr psychedelisch, stets humorvoll und dabei extrem visuell. Eine Begegnung in seiner zweiten Heimat Hamburg.

MusikBlog: Bela, vorweg ein Angebot: du schreibst auf, was ich dich in keinem Fall fragen soll, und ich schreibe die Antwort auf, die ich von dir erwarte.

Bela B: Kein Problem [schreibt]. Was hast du?

MusikBlog: Ob du noch immer Punk bist.

Bela B: Auch gut! Ich hab „Familie“ aufgeschrieben. Wenn es um meine Solo-Sachen geht, hätte ich aber auch „Die Ärzte“ schreiben können. Andererseits: Wenn mir eine Frage nicht passt, sage ich einfach weiter, ist auch bei Familie kein Problem.

MusikBlog: Wobei du jetzt auch nicht so sehr dein Innerstes nach außen kehrst in deinen Texten, dass großes Interesse daran entsteht, aus welcher Gefühlslage du die herholst.

Bela B: Das gab’s schon auch mal, allerdings nicht auf dieser Platte hier.

MusikBlog: Die an ein klingendes Hörspiel erinnert. Ist „bastard“ ein Konzeptalbum?

Bela B: Wir haben das Hörbuch „SARTANA“ gemacht und neben dem Original-Titelthema noch sieben weitere Songs dafür geschrieben. Das Ergebnis gefiel mir so gut, dass ich beschloss, mit zusätzlichen Songs ein Album daraus zu schnitzen. Es steckt also schon Konzept dahinter, allerdings kein monothematisches.

MusikBlog: Trotzdem orientiert sich „bastard“ zumindest musikalisch durchgehend an einer Art Psycho-Country oder?

Bela B: Mit Smokestack Lightnin‘ spiele ich keinen Heavy Metal, das ist schon klar. Aber es ist schon vielseitiger geworden als die ursprüngliche Idee, einen Italo-Soundtrack zu machen, bei der Bilder im Kopf entstehen. Dennoch ist es, weit mehr als das vorige, ein visuelles Album.

MusikBlog: Und offenbart es in gewisser Weise deine musikalische Seele mehr als es Die Ärzte je taten?

Bela B: Es war tatsächlich so, dass es sich für mich komplett richtig angefühlt hat, als ich das erste Mal mit Smokestack Lightnin auf der Bühne stand. Das ist zwar immer noch Rock, aber mir gefällt diese Alternative-Country-Western-Root-Schiene schon lange. Andererseits hört man das ja auch vielen Ärzte-Songs an, vor allem der Frühphase.

MusikBlog: „El Cattivo“ zum Beispiel.

Bela B: Genau. Das macht mir tierisch Spaß. Aber ich habe voriges Jahr auch erstmals mit einer Gypsy-Swing-Kapelle gespielt. Es ist jetzt nicht so, dass Klarinette oder Saxophon nun meine Lieblingsinstrumente sind, aber das gefiel mir wirklich gut. Und ich würde mich auch nicht gerade bei einem Reggae-Konzert am wohlsten fühlen oder bei Two-Step und modernem R’n‘B, bin aber echt in fast jeder Musik zuhause.

MusikBlog: Sofern, so scheint es, eine gewisse Humorebene erreicht wird.

Bela B: Stimmt, die fehlt bei „zuhaus“, das wirklich mal ganz ohne auskommt, aber sonst nie ganz. Das hat zwei Gründe: Zum einen komplettiert erst Humor ein Thema oder einen Menschen, was ich besonders durch die Schauspielerei gelernt habe. Zum anderen habe ich meine frühen Ärzte-Erfahrungen, die damalige Abgrenzung gegen den bierernsten Parolen-Punkrock so verinnerlicht, dass ich beim Texten fast Angst kriege, zu ernst zu werden, belehrend. Ich will niemals mit dem Zeigefinger wedeln.

MusikBlog: Sorgt der Humor bei dieser Angst nicht auch für eine Art Panzer bei nachhaltiger Beschäftigung mit ernsten Themen?

Bela B: Panzer – vielleicht… Nee, ich würde nicht Panzer sagen, aber ich habe einen Hang zur ironischen Brechung. Es ist einem Song nicht immer dienlich, das hab ich mal in einem Liebeslied gemerkt, wo es die ganze Zeit über sehr persönlich um meine Gefühle geht, am Ende aber doch noch ein „Ick liebe dir“ kommt. Es sind Kleinigkeiten, aber – that’s me!

MusikBlog: Diese Ironie entspricht also deiner Persönlichkeitsstruktur?

Bela B: Definitiv, das prägt mich als Mensch und entsprechend auch als Musiker.

MusikBlog: Wobei man angesichts deiner ewig langen Filmografie eigentlich fragen muss, ob du nicht vielmehr Schauspieler bist?

Bela B: Na ja, als ich mit 16 das Glück hatte, in diesen Punk-Kosmos zu geraten, hatten viele Eltern meiner Mitschüler diese Super 8 Kameras. Unter anderem auch mein damaliger Schulfreund Jörg Buttgereit in Berlin.

MusikBlog: Echt, einer der bekanntesten deutschen Underground-Regisseure?!

Bela B: Ich habe in einem seiner ersten Kurzfilme mitgespielt, später aber auch in einem seiner bekannteren Werke „Todesking“, wo ich 1989 einen Auftritt als Rockstar hatte, der auf der Bühne erschossen wird. Dann bin ich noch in so eine Clique schwuler Freaks geraten, die sehr absurde Filme gedreht haben. Alle haben ja damals gefilmt. Später verliebte ich mich ich in eine kanadische Regisseurin, die immerhin schon auf 16 Millimeter gedreht hat. Und bumms war ich plötzlich Ausstatter. Ich hatte also schon immer viel mit Film zu tun.

MusikBlog: Klingt also tatsächlich fast, als seist du im Herzen Schauspieler.

Bela B: Nee, die Musik war und ist für mich absolut zentral. Immer. Jeden Tag. Als Schlagzeuger gehe ich sogar im bestimmten Rhythmus über die Straße. Was ich am Filmemachen sehr mag, ist die Teamarbeit, so ein family-Ding. Und es hat mir ein paar Kindheitsträume erfüllt. Ich konnte zweimal in einem Pilotfilm der RTL-Serie „Cobra 11“ mitspielen und dabei mit echt krassen Stuntmen arbeiten. Die ganz harten Sachen habe ich zwar nur beobachtet, aber auch ein paar Stunts selber gemacht. Von einer 20 Meter hohen Feuerwehrleiter aufs Dach springen zum Beispiel, durch eine Feuersbrunst laufen, ein paar Stürze, Autoverfolgungsjagd und ein bisschen Scheinschlägerei. Das war herrlich!

MusikBlog: Du hast offenbar weder körperlich noch kulturell Schmerzgrenzen.

Bela B: (lacht) Ich sage Projekten zu, die mir den meisten Spaß versprechen. Andererseits hab ich voriges Jahr zwei ernstere Filme gedreht. „Das letzte Mahl“ dreht sich um ein Abendessen einer jüdischen Familie am Tag der Machtergreifung Hitlers. Ein Film, der leider viele Parallelen zur Jetztzeit aufweist. Na ja und dann spielte ich noch in der Verfilmung des Buches von Tino Hanekamp, der hier in Hamburg einen Club betrieben hat.

MusikBlog: Das Uebel & Gefährlich.

Bela B: Außerdem durfte ich in der Fernsehserie „Einstein“ einen Elvis-Impersonator spielen. Daran hat mich gar nicht so sehr das Format interessiert als vielmehr, den ganzen Tag über mit echten falschen Elvissen rumzuhängen und mir ihre Geschichte erzählen zu lassen.

MusikBlog: Hast du keine Angst vor einer gewissen Überpräsenz in den Medien?

Bela B: Doch, manchmal schon. Als ich vor kurzem in einem Video der Antilopen Gang mitgespielt hab, dachte ich kurz mal, ob das vielleicht gerade ein bisschen viel Bela B in der Öffentlichkeit ist. Dass ich zuletzt zweimal in Talkshows saß und demnächst das zweite Mal im Frühstücksfernsehen auftreten werde, hat aber auch damit zu tun, dass es kein richtiges Musikfernsehen mehr gibt, wo ich über meine Musik sprechen kann.

Und Angebote von Castingshows, dort als Juror mitzuwirken, lehne ich regelmäßig ab. Tja und wenn ich gefragt werde, ob ich meine Prominenz nicht auch für einen guten Zweck einbringen kann, sage ich manchmal ein bisschen zu oft ja. Aber am Ende mache ich das, worauf ich Lust habe. Und ich kann mich ja auch jederzeit wieder zurückziehen und mir einfach mal einen Haufen Spaghetti-Western reinziehen, während die Welt sich auch ohne mich weiter dreht.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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