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Jochen Distelmeyer – Live im Theater am Kurfürstendamm, Berlin

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„Ich kann meine Hand nicht mehr bewegen“ sagte Jochen Distelmeyer mitten im Song und verschwand von der Bühne.

Doch fangen wir vorne an: Jochen Distelmeyer machte mit seiner aktuellen Platte „Songs From The Bottom Vol. 1“ Halt in Berlin. Er spielte nicht in irgendeinem Club, sondern im Theater am Kurfürstendamm.

Bestuhlt, klar. Passte ganz gut, die meisten Konzertbesucher*innen haben ihre Zwanziger deutlich und ihre Dreißiger ziemlich wahrscheinlich hinter sich gelassen. Und einige hatten sogar ihre Kinder mitgebracht.

Vor dem Konzert gab es buddhistische Gesänge zu hören, die dann durch eingespielten Straßenlärm abgelöst wurden. Passend dazu eröffnete der Sänger sein Konzert mit „On The Avenue“. Es gab keine Vorband und es war erst acht nach acht.

Der ehemalige Blumfeld-Frontmann hatte drei Akustikgitarren dabei und wurde von Daniel Florey am Keyboard begleitet. „Der nächste Song ist eine männliche Masturbationsphantasie und wurde von den Gibb-Brüdern geschrieben“, so kündigte der Musiker „Tragedy“ von den Bee Gees an. Mit seiner warmen und klaren Stimme kann Jochen Distelmeyer alles covern und es klingt gut.

„Ich möchte euch sehen, auch wenn ich schüchtern bin“ sagte Distelmeyer und das Licht im Saal wurde heller. Was nun folgte war eine Publikumsanimation, wie man sie sonst nur von Stadionrockern oder Teenie-Poppern (oder früheren Blumfeld-Konzerten) kennt:

„Ich möchte, dass ihr alle Supertramp sagt. Erst die Ladies, dann die Herren.“ Der Saal quietschte „Supertramp“ mehrmals heraus, was der Sänger mit „Oh, sehr, sehr nice“ kommentierte. Folgerichtig gab es danach ein Supertramp-Stück, nämlich „Take The Long Way Home“ zu hören.

Sollte es mit der Musik und der Schriftstellerei nicht mehr laufen, könnte Jochen Distelmeyer auch sein Glück als Comedian probieren. An diesem Abend erzählte er einen Arzt-Witz, der nicht so richtig gut ankam, und einen Witz von „Birne Maya“, der besser ankam. Außerdem gab es Lacher, weil ein Chefdenker der Hamburger Schule Jugendsprache benutzte und etwas als „lame“ oder „nice“ bezeichnete.

Distelmeyer ist Diskurs – er ist Subjekt und Objekt. Seine Blumfeld-Texte wurden an Unis analysiert. Er verband schon immer E- und U-Kultur, nicht zuletzt durch seinen ersten Roman „Otis“, der griechische Mythologie und Britney Spears zusammen bringt.

Die distelmeyersche „Toxic“-Version des Spearschen Klassiker ist großartig und wurde mit viel Jubel an diesem Abend belohnt. Mucksmäuschensteill war es im ganzen Theater bei „Video Games“ von Lana Del Rey.

„Bitter Sweet Symphony“ von The Verve war die letzte Nummer des regulären Sets an diesem Abend. Wird er als Zugabe weitere Coversongs spielen oder etwa Juwelen aus seiner Songschatzkiste?

„1000 Tränen Tief“, das vermutlich bekannteste Blumfeld-Lied, war die erste Nummer der Zugabe und erntete frenetischen Beifall. Bei „Ich – Wie es wirklich war“ passierte es dann: Jochen Distelmeyer konnte seine linke Hand nicht mehr bewegen. Aus dem Publikum kam der Vorschlag, doch eine Pause zu machen, den der überraschte Sänger und Gitarrist auch annahm.

Wir haben alle einmal durchgeatmet und uns ein Getränk besorgt. „Hoffentlich kein Schlaganfall“ wurde sich zugeraunt. Nach 20 Minuten ging es dann weiter: Distelmeyer stimmte „What`s Going On“ von Marvin Gaye an. Passte thematisch wunderbar und die Erleichterung, dass dem Musiker nichts Schlimmes passiert ist, war deutlich zu spüren.

„Free As A Bird“ war die letzte Nummer des Abends. Mit den Worten „Lasst euch nicht verarschen, ihr wisst, wer ihr seid“ verabschiedete sich der Mann mit der warmen Stimme und den klugen Texten. Danke Jochen und pass` bitte gut auf dich auf, damit wir noch viele Abende gemeinsam verbringen können.

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