Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Search in posts
Search in pages

Für diese Website registrieren

1 × 4 =

Mit der Registrierung stimmst du den MusikBlog Nutzungsbedingungen zu.

Bitte gib deine E-Mail-Adresse hier ein. Du bekommst eine E-Mail zugesandt, mit deren Hilfe du ein neues Passwort erstellen kannst.

Entdecke neue Musik

Empfiehl deinen Freunden neue Alben oder Konzerte deiner Lieblingskünstler, erstelle deine persönlichen Album-Charts oder gewinne Konzertkarten und mehr bei unseren Gewinnspielen.

Auszeit von der Realität – Mighty Oaks im Interview

Registriere dich, um es deinen Charts hinzuzufügen oder deinen Freunden zu empfehlen.

Mit „Brother“ veröffentlichten Mighty Oaks einen der hartnäckigsten Ohrwürmer des Jahres 2014, dessen euphorischer Refrain sich monatelang im Gehörgang festsetzte. Auch deshalb entwickelte sich das Debütalbum „Howl“ zum Überraschungserfolg und brachte dem Indiefolk-Trio das Etikett „deutsche Mumford & Sons“ ein.

Was natürlich schon deshalb Quatsch ist, weil die drei Mitglieder der Mighty Oaks sich zwar in ihrer Wahlheimat Berlin kennenlernten, eigentlich aber aus allen Ecken der Welt stammen – Gitarrist und Keyboarder Claudio Donzelli aus Italien, Bassist Craig Saunders aus Großbritannien und Sänger Ian Hooper aus dem Bundesstaat Washington.

Dort nahmen Mighty Oaks im Herbst des letzten Jahres auch ihr zweites Album „Dreamers“ auf. Wir sprachen mit Sänger Ian Hooper über die Beziehung der drei Wahlberliner zu ihren Heimatorten, über den idyllischen Aufnahmeort des zweiten Albums in einer umgebauten Scheune mitten im Grünen und über „Dreamers“ als Auszeit von der Realität.

MusikBlog: Ihr habt 2016 eine Bandpause genommen und seid alle drei in eure Heimatländer Großbritannien, Italien und USA zurückgereist. Brauchtet ihr eine Auszeit, bevor ihr mit der Arbeit an „Dreamers“ beginnen konntet?

Ian Hooper: Nachdem wir „Howl“ rausgebracht haben, waren wir zwei Jahre fast durchgängig auf Tour. Es war aber nicht so, dass wir uns alle nicht mehr ausstehen konnten und deshalb eine Auszeit brauchten. Wir haben auch zunächst noch die Energie der Tour genutzt und sind nach dem letzten Konzert für zehn Tage in ein Haus aufs Land gefahren, um dort zusammen Musik zu machen und die Ideen, die wir auf Tour hatten, festzuhalten. Dabei haben wir aber gemerkt, dass viele der Songs zwar live auf der Bühne funktionieren würden, aber nicht wirklich im Kontext eines Albums, das jemand auf der Fahrt im Autoradio hört. Deshalb erschien es uns sinnvoll, dass wir eine Auszeit nehmen, um uns zu sammeln und unsere kreativen Kräfte zu bündeln. Und da lag es nahe, dass jeder zurück in seine Heimat reist.

MusikBlog: Während dieser Auszeit habt ihr den Song „Horsehead Bay“ veröffentlicht, dessen Video und Text euren drei Heimatorten gewidmet sind. Wie stark fühlt ihr euch noch mit diesen Orten verbunden, nachdem ihr nun schon lange in Berlin wohnt?

Ian Hooper: Der Song ist nicht neu, den haben wir schon viel früher geschrieben, spielen ihn auch schon einige Zeit auf unseren Konzerten. Wir sind nur nie dazu gekommen, ihn aufzunehmen. Natürlich bleibt man immer heimatverbunden, gleichzeitig wird diese Verbindung natürlich lockerer, je länger wir in Berlin wohnen. Ich bin nun seit fast einem Jahrzehnt in Deutschland und obwohl ich meine Heimat sehr liebe und natürlich nie ersetzen kann, fühle ich mich auch in Deutschland immer mehr zuhause. Das geht uns allen so.

MusikBlog: Trotzdem habt ihr das Album dann nahe deiner alten Heimat im idyllisch gelegenen Bear Creek Recording Studio von Ryan Hadlock bei Seattle aufgenommen.

Ian Hooper: Wir hatten vor dem Album einige Produzenten in der engeren Wahl, haben mit einigen sogar Test-Sessions im Studio aufgenommen. Ryan Hadlock hat uns als Produzent schon überzeugt, da wussten wir noch gar nichts von seinem Studio bei Seattle. Nachdem wir mit Ryan in Berlin gesprochen hatten, haben wir sein Studio gegoogelt und festgestellt, dass es in Washington liegt. Dass war dann natürlich ein weiterer Pluspunkt für ihn, weil ich da herkomme. Aber auch die Geschichte des Studios hat uns beeindruckt, von James Brown, Eric Clapton, Soundgarden bis Foo Fighters haben da viele Größen aufgenommen. Wie du schon richtig festgestellt hast, ist das auch ein ganz besonderer Ort. Das Studio liegt in einem alten Zedernholz-Haus, das Ryans Eltern in den Siebzigern in ein Studio umgebaut haben. Deshalb steht dort noch das ganze Vintage-Equipment aus den Siebzigern wie alte Verstärker und Mikros, das heute so begehrt ist. Obwohl es logistisch eine Herausforderung war, unsere Instrumente und unser Equipment dorthin zu transportieren, war es dennoch günstiger als ein Studio hier. Wir haben auch vor Ort im Haus geschlafen, waren also sechs Wochen den ganzen Tag im Studio.

MusikBlog: Hat denn dieses alte Equipment des Bear Creek Recording Studios den Sound des Albums „Dreamers“ verändert?

Ian Hooper: Nein, wir hatten zuvor schon Demos aufgenommen, um sie Ryan zu schicken, die sich nicht groß von den fertigen Songs unterscheiden. Wir wussten schon ziemlich genau, wie das Album klingen soll, und das hat Ryan auch gut umgesetzt. Mehr noch als das Equipment haben die Räumlichkeiten den Sound des Albums stark geprägt, vor allem den Klang des Schlagzeugs. Das haben wir in zwei verschiedenen Räumen aufgenommen, von denen der kleine einen sehr trockenen Sound hatte, wie auf Alben von Tom Petty oder Fleetwood Mac, der große dem Schlagzeug dagegen einen sehr offenen, warmen Klang verlieh.

MusikBlog: Also waren alle Songs fertig geschrieben und arrangiert, als ihr nach Washington kamt?

Ian Hooper: Ganz genau.

MusikBlog: Habt ihr während der Auszeit unabhängig voneinander an den Songs für „Dreamers“ geschrieben?

Ian Hooper: Nein, die Songs haben wir zum größten Teil zusammengeschrieben. Ich habe in den USA und später an der Ostseeküste schon alleine ein wenig an den Songs gearbeitet, aber so richtig haben wir alle Songs dann erst ausgearbeitet, als wir wieder zusammen waren – egal ob das in Berlin war oder auf dem Land, in meiner Wohnung oder in unserem Studio.

MusikBlog: Und hattet ihr während der sechs Wochen im Bear Creek Recording Studio auch Zeit, dass du deinen Bandkollegen die Natur deiner alten Heimat zeigen konntest?

Ian Hooper: Ja, wir waren häufiger bei meinem Vater, auch meine Frau und mein Baby sind mit dorthin geflogen. Ich war insgesamt drei Monate dort, nicht nur während der Aufnahmen. Wir waren als Band aber schon mehrmals gemeinsam in meiner Heimat, fühlen uns dort alle sehr wohl. Wir hatten sonntags immer frei, waren dann Boot fahren, sind durch die Wälder spaziert oder sind nach Seattle gefahren. Um in die Natur zu kommen, mussten wir das Studio aber eigentlich auch gar nicht verlassen, das Haus steht ja mitten im Grünen.

MusikBlog: Ihr habt vor den Aufnahmen gesagt, dass ihr mit eurem zweiten Album euren Live-Sound stärker einfangen wollt als mit „Howl“. Würdet ihr nun hinterher sagen, dass „Dreamers“ stärker nach euren Konzerten klingt?

Ian Hooper: Ich glaube, damit wollten wir vor allem ausdrücken, dass wir die Erfahrungen, die wir auf unseren Konzerten gesammelt haben, stärker ins Songwriting mit einfließen lassen wollten. Aber wie ich zu Beginn bereits erzählt habe, klangen die ersten Songs, die wir nach der Tour geschrieben hatten, zu sehr nach dem Live-Feeling. Das war dann doch nicht das Richtige. Aber einige Songs auf „Dreamers“ fangen dennoch unseren Live-Sound sehr gut ein, allerdings ganz anders, als wir es zunächst vorgesehen hatten.

MusikBlog: Euer Sound auf „Dreamers“ ist deutlich vielseitiger als auf dem Debüt, zum Folk sind noch viele weitere Einflüsse wie Americana und Westcoast-Pop hinzugekommen. War es euer Ansporn, mit dem neuen Album auch neue Facetten eurer Musik zu präsentieren?

Ian Hooper: Hauptsächlich hängt das ebenfalls mit der größeren Erfahrung zusammen, die wir als Band haben. Bevor wir „Howl“ aufgenommen haben, war ich nie zuvor in einem Studio gewesen. Das war für uns absolutes Neuland und wir mussten uns als Band erst einmal finden und definieren. Das passierte im Studio, das geschah aber vor allem während der vielen Konzerte, die wir nach „Howl“ gespielt haben. Der vielfältigere Sound ist aber auch dem Umstand geschuldet, dass wir heute viel mehr Kram haben, als bei unserem Debüt. (lacht) Wir haben Klaviere, Synthesizer, viele unterschiedliche Gitarren und Verstärker. So konnten wir viel mehr herumexperimentieren als bei unserem Debütalbum. Insgesamt war das also eine logische Entwicklung, aber dahinter steht auch der Grundsatz, dass wir uns selbst und unsere Hörer niemals langweilen wollen. Gleichzeitig haben wir jetzt ja auch keinen Riesensprung gemacht und benutzen nur noch Synthies, Drumcomputer, Vocoder und 808s. „Dreamers“ klingt ja immer noch nach Mighty Oaks.

MusikBlog: In den Songtexten thematisiert ihr zum Teil große Themen, beispielsweise besingt ihr im Song „Dust“ Vergänglichkeit und Sterblichkeit, ohne dabei resignativ zu klingen. Denkst du über solche Themen mehr nach, seit du Vater geworden bist?

Ian Hooper: Klar, wir sind seit „Howl“ älter geworden, manche haben Familien gegründet, ich habe jetzt Frau und Baby. Da fängt man automatisch an, darüber nachzudenken, was im Leben wichtig ist. Der Song „Dust“ ist all den Menschen gewidmet, die sich und das, was sie tun, viel zu ernst nehmen. Wir sind alle nicht unsterblich und wir sind auch alle nicht so wichtig, wie wir das selbst manchmal glauben. Der größte Teil der Menschen, die gerade leben, werden schnell vergessen sein, sobald sie gestorben sind. Auch wir hätten nach unserem ersten Album und den vielen ausverkauften Konzerten weltweit leicht überheblich werden können, nach dem Motto: Mann, sind wir geil! Aber genau so wollen wir eben nicht denken, sondern betrachten jeden einzelnen Fan, der unser Konzert besucht, als großes Geschenk.

MusikBlog: Der Titelsong „Dreamers“ ist eine Hommage an die Träumer und „Stargazer“ der Welt. Muss man ein Träumer sein, um eine Band zu gründen?

Ian Hooper: Man muss ein bisschen spinnen! (lacht) Wir hatten vor Mighty Oaks ein recht komfortables Leben, mit einem Job, der jeden Monat ein festes Gehalt auf unser Konto spülte. So ein Leben gibt einem natürlich viel mehr Stabilität und Sicherheit. Das dann aufzugeben für einen Job als Musiker, verlangt Mut, aber eben auch ein klein wenig Träumerei. Dass der Traum für uns so schnell wahrgeworden ist, hätten wir selbst nicht erwartet. Trotzdem haben wir auch heute noch viele unerfüllte Träume, so wie jeder andere Mensch auf der Welt auch. Gerade in diesen unruhigen Zeiten, in denen wir leben, finde ich es deshalb wichtig, Menschen zu ermutigen, ihren Träumen nachzujagen.

MusikBlog: Im Refrain des Songs benutzt ihr aber ja die Vergangenheitsform: „We were dreamers.“ Verlernt man das Träumen im Laufe des Lebens?

Ian Hooper: Nein, das ist eher als Hommage an unsere Anfangstage zu verstehen. Damals hatten wir einen gemeinsamen Traum, den wir verwirklichen wollten. Wir bleiben aber dennoch Träumer, auch wenn dieser Traum in Erfüllung gegangen ist.

MusikBlog: Ist „Dreamers“ auch musikalisch der Soundtrack zum Träumen?

Ian Hooper: Nicht bewusst, aber wir haben jetzt schon von einigen Leuten gehört, dass sie das Album zum Abschalten nutzen, wenn sie mal wieder beunruhigende Nachrichten gelesen haben. Wenn Hörer das Album als Auszeit von der Realität wahrnehmen, freut uns das ungemein. Uns liegt das Album als Format nämlich sehr am Herzen, wir wollen nicht nur Singles veröffentlichen, sondern Musik machen, die auf Albumlänge funktioniert.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

Registriere dich, um es deinen Charts hinzuzufügen oder deinen Freunden zu empfehlen.