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Ich fahre den kompletten Ego-Trip – SEPALOT im Interview

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Egal ob „Black Sky“, „Chasing Clouds“ oder „Rainbows“ – schon die Album- und Songtitel von SEPALOT verraten, dass die Musik, die der DJ und Produzent als Solokünstler veröffentlicht, schwer greifbar ist. Das liegt vor allem daran, dass sich das ehemalige Mitglied von Blumentopf nicht auf ein oder zwei Genres festlegen mag, aber auch daran, dass die Stimmung seiner Alben von verträumt bis düster-aggressiv changiert.

Auf seinem letzten Album „Black Sky“ hatten sich bedrohliche Gewitterwolken über Sebastian Weiss aufgetürmt, vier Jahre später bricht die Sonne durch und lässt die neun Songs seines neuesten Albums „Hide&“ erstrahlen. Im Interview verrät uns SEPALOT, wieso sein neuestes Album noch ein paar Fragen offen lässt, zu welchem Film „Hide&“ passen würde und warum er nur noch wenige Gäste ins Studio einlädt.

MusikBlog: Wie der Titel „Hide&“ schon verrät, handelt es sich bei deinem neuen Album um die erste Hälfte eines Zweiteilers. Hattest du einfach zu viel Material für ein Album?

SEPALOT: Ich mag es, auf Albumlänge zu denken, wenn ich Musik mache. Aber ich finde es auch wichtig, die Leute nicht mit 20 Songs auf einmal zu erschlagen. Deshalb ist es jetzt so ein Zwitter geworden, bei dem ich die Songs auf zwei Werke aufgeteilt habe. Künstlerisch hat es mich gereizt, mich über einen größeren Zeitraum hinweg mit einem Projekt zu beschäftigen, wobei das zweite Album keine Fortsetzung, sondern eher eine Ergänzung zum ersten ist.

MusikBlog: Hast du parallel an beiden Alben gearbeitet, ist also der zweite Teil „Seek“ auch schon fertig?

SEPALOT: „Seek“ ist noch nicht ganz fertig, aber es steht schon ziemlich viel. Ich habe für beide Alben erste Skizzen der Songs gemacht, mir den musikalischen Spannungsbogen überlegt, aber dann natürlich erst „Hide&“ vollendet. „Seek“ befindet sich zurzeit noch im Demo-Modus. Die Ideen für beide Alben stammen aber aus der gleichen Phase meines Lebens.

MusikBlog: In welchem Verhältnis stehen die beiden Werke musikalisch zueinander, ist die Atmosphäre ähnlich oder wird „Hide&Seek“ ein Gegensatzpaar wie die zwei Seiten einer Medaille?

SEPALOT: Gegensätzlich sind die beiden Alben nicht, zumindest nicht so wie Schwarz und Weiß. „Seek“ wird atmosphärischer und ruhiger als „Hide&“. „Hide&“ strahlt mehr, klingt nervöser und lauter, „Seek“ ruht dagegen eher in sich.

MusikBlog: Das „&“ am Ende von „Hide&“ gibt dem Titel einen unvollständigen, zerschnittenen Charakter. Sind es für dich dennoch zwei eigenständige Alben?

SEPALOT: Keines der beiden Alben wird das andere brauchen, damit man es versteht. Es sind also eigenständige Werke, die für sich stehen. Trotzdem mochte ich dieses „&“, das jetzt so ein wenig in der Luft hängt. Wie du schon sagtest, dadurch wirkt es zerschnitten. Ich hätte die beiden Alben ja auch einfach „Hide“ und „Seek“ nennen können, aber so weiß man, dass noch etwas folgt, dass noch eine Frage offen bleibt.

MusikBlog: Es passt ja auch, weil sich der Titel um Verstecken und Suchen dreht.

SEPALOT: Genau, es sieht auf dem Cover nun so aus, als hätte sich der zweite Teil des Titels versteckt. Man weiß nicht, was danach noch kommt.

MusikBlog: Und soll der zweite Teil noch dieses Jahr erscheinen?

SEPALOT: Ja, es gibt schon einen festen Termin, den ich allerdings noch nicht verraten kann. Auf jeden Fall passiert es noch dieses Jahr, irgendwann im Herbst.

MusikBlog: Über dein letztes Album „Black Sky“ hast du gesagt, dass dich die düstere und aggressive Atmosphäre vieler Songs überrascht hat. Wurdest du auf „Hide&“ von deiner Musik wieder ähnlich überrascht?

SEPALOT: Mich hat bei „Hard Rain“ die Melancholie des Songs überrascht. Als ich das Instrumental-Layout fertig hatte, habe ich das Stück gar nicht als besonders melancholisch empfunden. Aber während der Arbeit mit Angela Aux wurde dann ein tief melancholischer Song daraus, womit ich niemals gerechnet hätte, als ich die ersten Skizzen erstellt habe. Ich habe immer einen konkreten Plan im Kopf, wenn ich mit der Arbeit an einem Song beginne. Trotzdem bin ich aber offen, wenn sich plötzlich eine Weggabelung auftut, auch nach rechts oder links vom geplanten Weg abzuweichen. Diese Offenheit ist wichtig, wenn man kreativ arbeitet. Man muss in inspirierten Momenten die Ideen zulassen, bevor sie wieder verfliegen.

MusikBlog: Du hast außerdem über den Vorgänger gesagt, dass „Black Sky“ wie der Soundtrack zu einem Western klingt. Assoziierst du mit „Hide&“ auch wieder ein Filmgenre?

SEPALOT: Die Frage habe ich mir noch gar nicht gestellt, die hat sich bei diesem Album nicht so aufgedrängt. Spontan würde mir nur der Film „Der Marsianer“ einfallen, der passt von der Stimmung, der Story und den Bildern womöglich zur Musik. Bei „Hide&“ ist es aber auf jeden Fall nicht so offensichtlich wie bei „Black Sky“, wo ich wirklich sogar genaue Filmszenen zu den einzelnen Songs im Kopf hatte.

MusikBlog: Hast du denn häufig Bilder im Kopf, wenn du Musik machst oder hörst?

SEPALOT: Bilder nicht unbedingt, aber ich verknüpfe einen Song immer mit einem bestimmten Gefühl, einer klaren Emotion. Häufig habe ich die Emotion, die ich transportieren möchte, klarer im Kopf als die Melodie des Songs. Ganz selten fällt mir zuerst eine Melodie ein, der ich dann alles unterordne. Viel öfter weiß ich schon zu Beginn genau, welche Stimmung der Song haben soll, und arbeite auf diese Emotion hin. Deshalb habe ich vielleicht manchmal auch Filmszenen dazu im Kopf, weil man die ja auch mit einer bestimmten Stimmung verbindet und weil der Soundtrack ja auch meist zur Untermalung dieser Stimmung dient.

MusikBlog: Nach dem düsteren „Black Sky“ strahlt das neue Album in viel optimistischeren Farben. Spiegelt dieser Optimismus auch deine Gefühlslage während der Arbeit wieder?

SEPALOT: Das ist schwierig zu beantworten, das müsstest du mich in zwei Jahren noch mal fragen. Ich kann jetzt nicht sagen, dass es am Wetter oder an meinem Privatleben lag. Dazu ist das alles noch zu frisch, stecke ich gedanklich noch zu sehr im Album, um das mit Abstand reflektieren zu können. Ich war ja deshalb so überrascht von der Stimmung auf „Black Sky“, weil ich mich damals gar nicht düster oder gar deprimiert gefühlt habe. Aber trotzdem trug ich diese Emotionen ja offensichtlich irgendwie in mir, so dass sie sich in der Atmosphäre des Albums niederschlugen.

MusikBlog: Kannst du deine eigene Musik erst mit etwas Abstand einordnen, weil du während der Produktion versuchst, deinen Kopf auszuschalten und möglichst intuitiv zu arbeiten?

SEPALOT: Auf jeden Fall, je weniger analytisch und berechnend man an die Sache herangeht, desto besser ist meist das Ergebnis. Deswegen überlege ich während der Arbeit auch nie, ob das ein Song für den Club oder fürs Radio wird, weil man dann in so ein funktionales Denken verfällt: Damit der Song im Club funktioniert, müsste jetzt am besten das und das passieren.

MusikBlog: Hast du da besondere Tricks, wie du bei der Arbeit deinen Kopf ausstellen kannst?

SEPALOT: Mein Trick ist, dass ich ganz viele Skizzen mache, die zunächst nur die grobe Idee des Songs festhalten. Ich komponiere den Song aber nie sofort fertig, sondern versuche ganz schnell und ganz naiv nur die wichtigste Idee festzuhalten. Wenn ich die Skizzen dann mit Abstand erneut höre, erkenne ich darin leichter die Ideen, die stark genug sind, dass sie mich auch Wochen später noch fesseln.

MusikBlog: Das klingt, als würde der Prozess immer ähnlich ablaufen. Wie lange brauchst du von der ersten Skizze bis zum fertigen Song?

SEPALOT: Das ist sehr unterschiedlich. Manchmal geht es ruckzuck, manchmal quält man sich ewig mit einem Song rum, um ihn dann man Ende doch wegzuwerfen. (lacht) Ich hatte schon Songs, an denen ich über Monate immer wieder herumgedoktert habe, weil der Song sich nicht dorthin entwickelt wollte, wo ich ihn von der Stimmung her  sah.

MusikBlog: Und hast du dann auch manchmal Schwierigkeiten zu erkennen, wann der Song fertig ist, wenn du so lange daran herumwerkelst?

SEPALOT: Nein, das fällt mir nicht schwer. Ich bin da sehr vorsichtig, weil ich weiß, dass man sehr schnell Sachen verändert, die eigentlich schon fertig sind, weil man auf der Suche nach der ersten Begeisterung ist, die man ganz zu Beginn spürte. Aber wenn man länger an einem Song arbeitet, nützt sich dieses Gefühl natürlich ab, man kann die Euphorie nicht so lange am Leben halten. Ich vergleiche den fertigen Song immer mit der ersten Demoversion, um zu sehen, ob ich die Grundidee des Songs erhalten und umgesetzt habe.

MusikBlog: In den letzten Jahren erscheinen viele Alben von Produzenten, die komplett auf Gastsänger oder Rapper verzichten und stattdessen ihre Instrumentalmusik ins Zentrum stellen. Wie nimmst du diese Entwicklung wahr?

SEPALOT: Mich freut das natürlich ungemein, weil damit ja auch die Rolle eines Produzenten ganz anders wahrgenommen wird. Er ist nicht mehr länger der Typ, der irgendwo in der zweiten Reihe steht und den Platz im Rampenlicht einem Sänger überlässt. Produzenten verstehen sich heute nicht mehr als Dienstleister, die sich devot unterordnen, sondern haben das Selbstbewusstsein, zu sagen: Ich brauche deinen Gesang hier nicht, auf meinem Song ist gar kein Platz mehr für dich! Es braucht keinen Gesang oder Rap, der Song ist fertig. Im Techno ist das selbstverständlich, aber in den Bereichen Rap, R&B und den verwandten Urban-Music-Bereichen mussten sich die Produzenten erst emanzipieren. Jetzt wurden die Rapper beinahe von den Produzenten überholt, viele neue Rap-Alben sind stärker von den Produzenten als von den Rappern geprägt.

MusikBlog: Hast du deshalb bewusst auf deinen letzten Alben fast komplett auf Features verzichtet – vor allem aus dem Bereich Rap?

SEPALOT: Ja, ich fahre den kompletten Ego-Trip. (lacht) Es ist mein Album, ich brauche den Platz, weil ich musikalisch so viel zu erzählen habe. Natürlich gibt es Künstler, mit denen ich gerne zusammenarbeite, und selbstverständlich inspirieren mich solche Kollaborationen auch. Aber trotzdem soll es hier um mich und meine Musik gehen.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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